»Auf den Everest, da will ich noch hoch«

Porträt

»Auf den Everest, da will ich noch hoch«

Thomas Lämmle

Porträt

Dezember 2013

Thomas Lämmle hatte einen Traum. Vier 8.000er wollte er besteigen, die höchsten Berge der Welt. Was sich andere ein Leben lang ausmalen, hat sich für den leidenschaftlichen Extrembergsteiger erfüllt. Zumindest fast. Der 48-Jährige, im Hauptberuf Lehrer an der Leopoldschule in Altshausen, nahm ein Sabbatjahr und reiste auf das Dach der Welt. Porträt eines Abenteurers.

Text: Harald Dubyk

Am Anfang stand die Sehn­sucht. Die Sehn­sucht, den höchs­ten Berg der Welt zu bestei­gen. Bereits im Jahr 2000 war Tho­mas Lämmle am Mount Ever­est. Für eine wis­sen­schaft­li­che Expe­di­tion der Uni­ver­sität Inns­bruck stand der heute 48-Jährige 200 Meter unter­halb des Gip­fels. Doch dann hin­der­ten ihn die Ele­mente, die letz­ten Meter bis ganz nach oben zu schaf­fen.

13 Jahre später musste es klap­pen: »Ich wollte unbe­dingt auf die­sen Berg«, sagt Tho­mas Lämmle. Expe­di­tio­nen zu den höchs­ten Ber­gen der Erde kos­ten viel Zeit und noch mehr Geld. Tho­mas Lämmle, der als Leh­rer im Hör-Sprach­zen­trum der Zieg­ler­schen an der Leo­pold­schule in Alts­hau­sen arbei­tet, nutzte ein Sab­bat­jahr, um die­sen Traum end­lich zu ver­wirk­li­chen. Jah­re­lang hatte der Berg­stei­ger aus Wald­burg im Land­kreis Ravens­burg sich seine Arbeits­zeit ange­spart, der Mount Ever­est rückte näher.

Geplant hatte Tho­mas Lämmle die Bestei­gung der vier 8.000er Shisha Pangma, Mount Ever­est, Gas­her­brum II und Hid­den Peak. Sie­ben Mal stand er in sei­nem Berg­stei­ger­le­ben bis dahin auf über 8.000 Meter Höhe. Ende März 2013 schie­nen die Vor­zei­chen gut. Als Bergführer einer Gruppe von deut­schen Alpi­nis­ten bestieg er den Zen­tral­gip­fel der Shisha Pangma. Zehn Tage zuvor war er mit drei ande­ren Berg­stei­gern mit Ski­ern auf den 8.027 Meter hohen Haupt­gip­fel der Shisha Pangma gestie­gen und fuhr von dort wie­der ab.

Doch beim Abstieg kam es zur Tragödie. Einer der Expe­di­ti­ons­teil­neh­mer hatte Anzei­chen eines Lun­genödems. »Ich gab ihm sofort Medi­ka­mente«, erzählt Tho­mas Lämmle. Während die Gruppe abstieg, seilte er allein den erkrank­ten Berg­stei­ger über Nacht in einer Höhe von 8.000 Metern auf rund 7.500 Meter bis zum Lager ab. Am nächs­ten Mor­gen war der Berg­stei­ger tot. Ver­stor­ben an einem Hirnödem. Tho­mas Lämmle selbst zog sich bei die­ser Ret­tungs­ak­tion Erfrie­run­gen an den Zehen zu und erkrankte an einem Lun­genödem. Tho­mas Lämmle musste nach Deutsch­land zurück und erholte sich von den Stra­pa­zen. Sein großer Traum, der Mount Ever­est, rückte in uner­reich­bare Ferne.

Zwei Wochen später war er wie­der unter­wegs. Im Kara­ko­rum, einem zen­tralasia­ti­schen Gebirge neben dem Hima­laya. Das Kara­ko­rum gilt als höchs­tes Gebirge der Welt. Wie­der führte er eine Gruppe auf den Gas­her­brum II, 8.034 Meter hoch. Nach­dem er fast drei Kilo­me­ter Fix­seile selbst ver­legt hatte, stand die Gruppe erschöpft aber glücklich auf dem Gip­fel. Für die geplante Gip­fel­be­stei­gung des Hid­den Peak (8.080 Meter) war die Zeit, es war inzwi­schen August, aber zu knapp. Auf dem Rückweg aus dem Kara­ko­rum erreichte Tho­mas Lämmle ein Not­ruf. Drei ira­ni­sche Berg­stei­ger waren am 8.051 Meter hohen Broad Peak ver­misst. Die ira­ni­sche Regie­rung bat um Hilfe bei der Suche. Der Wald­bur­ger erklärte sich bereit, zu hel­fen und Men­schen­le­ben zu ret­ten.

Für diese Aktion wurde er mit einem Heli­ko­pter an den Gip­fel geflo­gen, für Tho­mas Lämmle der bis dahin ungewöhnlichste und nicht weni­ger gefährli­che Auf­stieg auf über 8.000 Meter. »Der Flug war bru­tal«, erzählt er. Eigent­lich dachte er, dass dies tech­nisch gar nicht geht. Immer wie­der sackte der Heli­ko­pter in der dünnen Luft ab. Nach zwei Tagen Suche war klar, dass die drei ira­ni­schen Berg­stei­ger nicht mehr leb­ten.

Nach die­sen unglaub­li­chen Ereig­nis­sen vol­ler Dra­ma­tik und Extre­men kehrte Tho­mas Lämmle endgültig aus dem Hima­laya und dem Kara­ko­rum zurück – und mit ihm die Sehn­sucht. Die Sehn­sucht nach dem höchs­ten Berg der Welt. »Auf den Ever­est«, sagt Tho­mas Lämmle nach­denk­lich wie kämpfe­risch, »da will ich noch hoch.«

Erfahren Sie mehr

Am 7. Februar 2014 präsentiert Thomas Lämmle im Rahmen der Vesperkirche in Ravensburg seinen Vortrag »4x8000 – Traum und Wirklichkeit«

Oktober 2013

Alexandra Hoffmann

»Es ist toll, dass ich nicht immer nur Einzelkämpfer bin«

Sie haben mor­gens recht und nach­mit­tags frei – so zumin­dest das gängige Vor­ur­teil gegenüber Leh­rern aller Art. Bei Alex­an­dra Hoff­mann (35), Lei­te­rin der Sprach­heil­schule Sig­marin­gen, stimmt das alles nicht so ganz. Wir haben die enga­gierte Leh­re­rin und Schul­lei­te­rin einen Schul­tag lang beglei­tet. Das Porträt.

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Juni 2013

Ina und Walter Ströbele

»Uns gibts nur im Doppelpack«

Sie orga­ni­sie­ren Erho­lungs­wo­chen­en­den für Mütter behin­der­ter Kin­der. Sie klap­pern Fir­men ab, um Gel­der für eine Kun­st­reise behin­der­ter Künst­ler lockerzu­ma­chen... Seit mehr als 30 Jah­ren enga­giert sich Ina Ströbele und seit 13 Jah­ren ihr Mann Wal­ter ehren­amt­lich für Men­schen mit Behin­de­run­gen.

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Dezember 2012

Denis‘ Dichtertag des tragödischen Werkes

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Juli 2012

Tobias

»Man kann es schaffen – wenn man sich Hilfe sucht«

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März 2012

Antonio Nuzziello

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April 2018

Tobias Brüssel

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Er ist eines der »Models«, die ihr Gesicht für die neue Kam­pa­gne der Zieg­ler­schen »Was ich tue, erfüllt mit  Leben« gege­ben haben. Er ist ein ganz beson­de­rer Typ mit Ecken und Kan­ten. Tobias Brüssel, 28, heute Alten­pfle­ger in den Zieg­ler­schen. Das Porträt.

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