»Natürlich ist es für die Kids auch manchmal blöd«

Porträt

»Natürlich ist es für die Kids auch manchmal blöd«

Claus und Simone Boie

Porträt

Dezember 2016

Claus und Simone Boie arbeiten als Pflegefachkräfte im Seniorenzentrum im Welvert in Villingen. Wie sie als Ehepaar und Eltern von zwei Kindern den Spagat zwischen Familie und Schichtdienst hinkriegen und wie das »Wunschbuch« ihnen dabei hilft, haben sie im Interview erzählt. Ein etwas anderes Porträt.

Text: Jacqueline de Riese

Herr Boie, ich stelle es mir schwie­rig vor, mit dem eige­nen Part­ner im glei­chen Unter­neh­men zu arbei­ten. Wie funk­tio­niert das bei Ihnen?
Diese Frage haben wir uns nie gestellt. Da wir ja zwei Kin­der haben – Caro­lin, 7 und Sebas­tian, 9 – war von Anfang an klar, dass wir immer gegen­schich­tig arbei­ten müssen, dass also immer einer von uns bei den Kin­dern ist. Anfangs haben wir uns mit­tags die Türklinke in die Hand gereicht, einer hatte Frühschicht, der andere Spätschicht. Abends haben wir uns dann wie­der gese­hen. Mitt­ler­weile arbei­ten wir auf getrenn­ten Sta­tio­nen und sel­ten an glei­chen Tagen. Trotz­dem war und ist es auch immer lus­tig für uns, nach der beruf­li­chen Über­gabe noch kurz eine familiäre »Kin­derüber­gabe« zu tätigen. Und da wir in einem sehr fami­li­en­freund­li­chen Haus arbei­ten, sind öfter auch die Kin­der dabei, die sich hier sehr wohl fühlen.

Reden Sie auch zu Hause über die Arbeit?
Gene­rell ver­su­chen wir, die Arbeit im Heim zu las­sen. Auch die gesetz­li­che Schwei­ge­pflicht ver­bie­tet es uns, zu Hause über die Arbeit zu reden. Trotz­dem bleibt es nicht aus, aller­dings sehr, sehr sel­ten.

Wie regeln Sie die Arbeits­zeit? Wer hat bei Wünschen den fami­lien­in­ter­nen Vor­rang?
Da wir beide Starrköpfe sind, kämpfen wir immer um den famil­lien­in­ter­nen Vor­rang bei Dienst­planwünschen&hel­lip;! :-) Aber Spaß bei­seite, gene­rell haben die Kin­der bei uns Vor­rang und da diese immer viele Ter­mine haben – Fußball­trai­ning, Gei­gen­un­ter­richt, Trach­ten­tanz­gruppe, Kla­vier­un­ter­richt, Turn­ver­ein,  Fas­nacht­ver­ein – müssen wir immer schauen, dass alle mach­bar sind. So ver­su­chen wir den Dienst­plan danach anzu­pas­sen, indem wir die Ter­mine im Wunsch­buch mar­kie­ren (Buch mit Mit­ar­bei­terwünschen, die im Dienst­plan berücksich­tigt wer­den – d. Red.), was meis­tens auch funk­tio­niert. Ansch­ließend kom­men noch unsere eige­nen Ter­mine, wie Arzt etc. Wei­ter­hin sind wir alle sehr in der Vil­lin­ger Fas­net inte­griert. Wenn das alles gere­gelt ist, geneh­mi­gen wir beide uns even­tu­ell viel­leicht mal irgend­wann einen gemein­sa­men freien Tag &hel­lip;

Wie lösen Sie das Pro­blem der lan­gen Schul­fe­rien? Split­ten Sie Ihren Urlaub?
Haha, nein, unse­ren Urlaub würden wir nie­mals split­ten, da wir immer so pla­nen können, dass wir als Fami­lie ver­rei­sen können. Zum Glück ist es bei uns im Pfle­ge­heim möglich, da wir ja auf unter­schied­li­chen Sta­tio­nen arbei­ten. Zudem sind unsere Kin­der zum Glück sehr selbstständig und meis­tens sogar noch weni­ger zu Hause als wir, da sie sich oft mit Freun­den im Ort tref­fen, in Fußball­camps sind, Rei­ter­fe­rien machen oder ähnli­ches.

Was sagen die Kin­der dazu, dass Mama und Papa nie gleich­zei­tig da sind?
Natürlich ist es für die Kids manch­mal blöd und sie nörgeln auch mal, aber anders ist es heut­zu­tage kaum lösbar! Mit zwei Kin­dern und dem Beruf des Alten­pfle­gers, der mei­ner Mei­nung nach immer noch unter­be­zahlt ist, geht das kaum anders, da wir uns zum Ziel gesetzt haben, dass wir unse­ren Kin­dern eine gute Aus­bil­dung und Events wie Fußball­trai­ning etc. ermögli­chen wol­len. Daher MÜSSEN wir beide arbei­ten gehen. Trotz­dem kom­men sie oft zur Arbeit mit und haben Spaß. Sie können sich im Heim frei bewe­gen und ab und zu hel­fen sie auch mal mit, zum Bei­spiel beim Tische ein­de­cken. Die Bewoh­ner freuen sich, wenn die Kin­der im Haus sind. Zeit als Fami­lie holen wir in den Ferien nach.

Haben Sie gleich­zei­tig im Senio­ren­zen­trum ange­fan­gen?
Also ich habe im August 2015 hier ange­fan­gen, weil ich durch einen alten Freund von der Ein­rich­tung erfah­ren habe. Meine Frau ist mir dann im Dezem­ber gefolgt. Das ist übri­gens unsere erste gemein­same Stelle.

Was gefällt Ihnen am bes­ten am »Fami­lien-Arbeits­mo­dell«?
Spon­tan: Dass das Wort Fami­lie wich­tig gewor­den ist. Das heißt, dass es einem heut­zu­tage doch ermöglicht wird, sei­nen Beruf voll aus­zufüllen und trotz­dem die Fami­lie nicht drun­ter lei­den muss.

Wie lang arbei­ten Sie im Pfle­ge­be­ruf?
Das ist eine laaaaaange Geschichte: Simone begann ihre pfle­ge­ri­sche Kar­riere mit dem Frei­wil­li­gen Sozia­len Jahr in einem Pfle­ge­heim in Hei­del­berg, hat dann in Hei­del­berg ihre Aus­bil­dung gemacht und ist dem Beruf bis heute treu geblie­ben. Ich fing 1994 mit dem Zivil­dienst bei der Evan­ge­li­schen Dia­ko­nie­sta­tion in Vil­lin­gen an, lernte dort die Alten­pflege ken­nen, machte dann die Aus­bil­dung in Hei­del­berg und arbeite bis heute sehr gerne in die­sem Beruf, der soviel bein­hal­tet und sehr erfah­rungs­reich ist, da man es mit Men­schen zu tun hat und eigent­lich täglich dazu­ler­nen kann!!! Letzt­end­lich haben wir unser Herz in Hei­del­berg ver­lo­ren &hel­lip;

Was ist sonst noch berich­tens­wert?
Oh, da gibt es noch vie­les. Gene­rell können wir beide sagen, dass wir gerne zur Arbeit kom­men, da wir gelernt haben, dass HIER JEDER will­kom­men ist mit allen sei­nen Ecken und Kan­ten. Alten­pflege ist kein leich­ter Job, aber einer der wert­volls­ten und schönsten, den wir uns vor­stel­len können!!! Wir können uns glücklich schätzen für das, was wir hier haben: tolle Kol­le­gen, ein star­kes Team und eine solide und verständnis­volle Lei­tung bei uns im Haus. Denn nur, wenn alle zusam­men Hand in Hand arbei­ten, funk­tio­niert das alles. Von daher können wir einer glückli­chen Zukunft ent­ge­gen­se­hen &hel­lip; !!!

Oktober 2016

Dr. Inge Jens

»Ich kann bis heute kein Schwäbisch«

Das Tübin­ger Karo­li­nen­stift ist ein beson­de­res Haus. In die­sem Senio­ren­zen­trum der Zieg­ler­schen spie­gelt sich das geis­tige Leben der Uni­ver­sitätsstadt wie in einem Brenn­glas. Direkt neben dem »Karo« lie­gen 34 betreute Woh­nun­gen. In einer lebt eine bekannte Persönlich­keit: Dr. Inge Jens, Auto­rin, Wis­sen­schaft­le­rin und Witwe des Rhe­to­rik­pro­fes­sors Wal­ter Jens.

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April 2016

Dennis Kutzner

Vom Lausbub zum Olympiasieger

Kommt Ihnen der junge Mann auf dem Foto bekannt vor? Gut möglich. denn Den­nis Kutz­ner war Kapitän jener deut­schen Uni­fied-Vol­ley­bal­ler, die im letz­ten Jahr als Olym­pia­sie­ger (!) aus den USA zurückkehr­ten. Außerdem war er Mit­glied der Mühle­zei­tung und somit eines der Gesich­ter für die berühmten Fuss­ball­gebärden aus der Has­lachmühle. Das Porträt.

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Dezember 2015

Olaf Meister

»Ich war schon wirklich ein Revoluzzer«

Heim­kind in der DDR, poli­ti­scher Häftling, frei­ge­kauft von der BRD, mit 18 in den Wes­ten gekom­men. Alko­hol­pro­bleme, mit Ende dreißig ein Selbst­mord­ver­such und ein bei­nahe tödli­cher Unfall: Olaf Meis­ter hat viel durch­ge­macht. Seit sei­ner The­ra­pie in der Sucht­fach­kli­nik Ring­gen­hof 2006 lebt er absti­nent und arbei­tet heute im Faci­lity Mana­ge­ment der Zieg­ler­schen. Das Porträt.

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September 2015

Monika Materna

»ich finde es schön, noch mal von vorne anzufangen«

»Olé, olé, olé, olé...!« wenn sie der­ar­tige Jubel­gesänge künftig von Ihrem Neben­sit­zer in der Dort­mun­der Fan­kurve hören, dann soll­ten Sie zwei­mal hin­schauen. Denn der begeis­terte Fan neben Ihnen könnte Monika Materna sein, die neue Lei­te­rin des Senio­ren­zen­trums »Im Wel­vert« in Vil­lin­gen. Ein Porträt.

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März 2015

Vanessa Hirrlinger

»Das war das Beste, was mir passieren konnte«

Vanessa Hirr­lin­ger, von den Men­schen, die ihr nahe­ste­hen, lie­be­voll Vanne genannt, kennt einen Tag der Wie­der­ge­burt in ihrem Leben: den 13. März 2007. Nicht religiös gemeint, wie fest­zu­stel­len ihr sehr wich­tig ist, son­dern so, wie es das Wort her­gibt: noch­mals gebo­ren. Ein Porträt.

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Dezember 2014

Nicolas Munz

Von der Liebe zum Tier und einem »nicht-essbaren« Schaf

Nico­las Munz betreibt mit sei­ner Frau Bea­trix einen Hof in der Nähe von Aulen­dorf. Dort tum­meln sich die zweitgrößten Hühner der Welt, ein »nicht-ess­ba­res« Schaf, sie­ben Kühe, zwei Pferde, sie­ben Zie­gen, Hip und Hop sowie 20 Alpa­kas. Und ein­mal die Woche auch Schüler aus dem Mar­tins­haus Klein­to­bel der Zieg­ler­schen. Ein Porträt.

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