
»Junge Menschen sind heute spürbar verunsichert«
Martin Braun
»Junge Menschen sind heute spürbar verunsichert«
Martin Braun
Expertentipp
März 2026
Wie vermittelt man jungen Menschen Zuversicht und Vertrauen in sich selbst? Fragen an Martin Braun aus der Jugendhilfe der Zieglerschen.
Text: Jacqueline de Riese
Herr Braun, in die Jugendhilfe der Zieglerschen kommen junge Menschen oft in schwierigen Situationen und tiefgreifenden Krisen. Wie schaffen Sie es, ihnen wieder Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln?
Das Entscheidende ist die Perspektive, die wir einnehmen. Wir versuchen, hinter das Verhalten der Kinder oder Jugendlichen zu schauen und den Menschen dahinter zu sehen. Wenn wir jungen Menschen mit Offenheit und echter Wertschätzung begegnen, dann entstehen Beziehungen. Und über diese Beziehungen kann sich neue Zuversicht entwickeln. Junge Menschen brauchen eine Umgebung, in der sie sich ausprobieren dürfen und gleichzeitig klare Orientierung erhalten. Wichtig sind hier Bezugspersonen, die verlässlich sind und Sicherheit geben. Wir alle wachsen mit jeder Begegnung, wenn wir bereit sind, uns selbst zu reflektieren. Sind wir in unserer Haltung klar, geben wir den Jugendlichen die Orientierung, die sie brauchen.
Hat sich die Grundhaltung junger Menschen in den letzten Jahren verändert? Erleben Sie sie heute stärker hoffnungsvoll oder stärker verunsichert?
Ich nehme in den letzten Jahren durchaus Veränderungen wahr. Viele junge Menschen sind heute spürbar verunsichert. Die Gründe sind vielfältig, aber häufig fehlen ihnen Erfahrungen, die ein stabiles, positives Selbstbild fördern. Mich bedrückt, wie oft junge Leute negativ über sich selbst sprechen. Dabei sind gerade Erfolgserlebnisse wichtig. Sie geben das Gefühl: Ich kann etwas bewirken. Ich bin wertvoll.
Was würde dazu beitragen, dass mehr junge Menschen zuversichtlich in die Zukunft blicken können?
Ich glaube, junge Menschen brauchen vor allem Gelegenheiten, sich selbst zu erleben – mit allem, was dazugehört: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und auch mal scheitern dürfen. Und sie brauchen Menschen an ihrer Seite, die ihnen dabei Halt geben, die da sind, ohne alles vorzugeben. Wenn wir ihnen vermitteln können, dass sie wertvoll sind, entsteht Vertrauen in sich selbst. Gerade wenn sie dies selbst (noch) nicht glauben, ist es umso wichtiger, dass wir ihnen das zeigen. Daraus kann Zuversicht wachsen.
Tipp
Egal, in welcher Situation: Bleiben Sie im Umgang mit jungen Menschen immer klar und zuversichtlich! Kinder und Jugendliche orientieren sich an Ihrem Verhalten. Wer Stabilität und Vertrauen ausstrahlt, gibt Halt. Achten Sie gut auf sich selbst: Authentisches Vorleben wirkt stärker als Worte.