Blick auf die Taubstummenanstalt


1837

Gründung der Taubstummenanstalt

Auf Bitte von Gottlieb Wilhelm Hoffmann, dem Gründer Wilhelmsdorfs, kommt der Taubstummenlehrer August Friedrich Oßwald 1837 nach Wilhelmsdorf. Er will eine Schule für Menschen mit Hörbehinderung gründen – die »Taubstummenanstalt«. Oßwald muss nach seiner Ankunft jedoch feststellen, dass Wilhelmsdorf mittellos ist. Dennoch baut er mit eigenen Mitteln ein Haus für 20 Taubstumme. Sein eigenes Geld ist also das Startkapital, in der Hoffnung, dass diese Anstalt bald durch Spenden und milde Gaben finanziert würde.

Am 7. Januar 1838 nimmt der engagierte Pädagoge den ersten taubstummen Schüler auf. 19 weitere »Zöglinge« beiderlei Geschlechts folgen. Wichtig ist Oßwald, dass die Einrichtung nicht allein der »Bewahrung« der Schüler dient, sondern der umfassenden Ausbildung entsprechend ihren Möglichkeiten. Sein Ziel: »...die Zöglinge innerhalb der Zeit von 6 Jahren so weit zu bringen, dass sie sich in ihrer Muttersprache deutlich und verständlich, sowohl mündlich, als schriftlich ausdrücken können...«

Die Gründung der »Taubstummenanstalt« ist für die damalige Zeit revolutionär. Sie markiert den Beginn der bis heute so wichtigen diakonischen Arbeit für Menschen mit Hör- und Sprachbeeinträchtigungen in Wilhelmsdorf, die Oßwald rund 35 Jahre lang prägt und entwickelt.

August Friedrich Oßwald: Fachkenntnis und Gottvertrauen

August Friedrich Oßwald ist 28 Jahre alt, als er nach Wilhelmsdorf kommt. Er ist examinierter Schullehrer und hat einschlägige Berufserfahrung in der Taubstummenarbeit: In den bereits bestehenden Anstalten für Taubstumme in Winnenden und Schwäbisch Gmünd hat er die damals noch ganz neue Ausbildung zum Taubstummenlehrer durchlaufen. Zeitzeugen bescheinigen dem jungen Mann große Fachkenntnis, Erfahrung, Geduld und großes Gottvertrauen. Oßwald bleibt Wilhelmsdorf sein Leben lang treu und leitet die Taubstummenanstalt und das Knabeninstitut (KI) bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1873. Mehrere Gebäude, unter anderem der Sitz des Vorstandsbüros der Zieglerschen, sowie seit kurzem eine Sprachheilschule sind nach ihm benannt.