Von Profis und Semiprofis

Die Zieglerschen Anstalten haben das Modell-Projekt "Neue Freiwillige gewinnen" gestartet
Was ist der häufigste Grund, warum Menschen nicht ehrenamtlich tätig sind? Weil sie nicht danach gefragt wurden! Diese verblüffend-einfache Antwort, gewonnen aus einer jüngst veröffentlichten Studie (2. Freiwilligensurvey), lässt hoffen. Es wären also viel mehr Menschen zum freiwilligen Engagement bereit – wenn man sie nur fragt. Doch wie findet man diese zukünftigen Ehrenamtlichen?

Hier wird die vermeintlich so einfache Antwort dann doch ein bisschen komplizierter. Denn freiwilliges Engagement ist heute keine moralische Pflichtübung mehr für Wenige, die dankbar etwas zurückgeben wollen. Vielmehr haben die Menschen entdeckt, dass sie auch, und vor allem, sich selbst etwas Gutes tun, wenn sie ehrenamtlich aktiv sind. Diese Entdeckung hat Konsequenzen. Auch und gerade für ein soziales Unternehmen wie die Zieglerschen Anstalten. Sie bedeutet, dass potenziell Freiwillige mehr und mehr maßgeschneiderte Angebote brauchen. Angebote, die ihre Wünsche und ihre Lebenssituation ernstnehmen und ihnen Erfüllung, Sinn oder Bestätigung bieten. Andererseits darf die Einbindung von Freiwilligen aber auch nicht MEHR Arbeit machen, sondern muss die Arbeit ergänzen. Ein echte Herausforderung!

Um sich der Herausforderung zu stellen, haben die Zieglerschen Anstalten im Sommer 2006 ein Modellprojekt auf den Weg gebracht: „Profis, Semiprofis, Freiwillige – Neue Freiwillige gewinnen“. Im Mittelpunkt stehen strategische, aber auch praktische Fragen: Wie machen wir Hauptamtliche kompetenter für einen neuen Umgang mit Freiwilligen? Oder andersherum: Wie sichern wir rechtliche Standards für ehrenamtliche Tätigkeit? Und wie qualifizieren wir ehrenamtliche Arbeit? Auf ingesamt zwei Jahre ist das spannende Projekt angelegt und baut auf einer enormen Palette an ehrenamtlichen Möglichkeiten in den Zieglerschen auf. Ob Einzelengagement oder Patenschaften, Freundeskreise oder Fördervereine – der Schatz in den Zieglerschen ist riesig. Nun wird er gehegt, gepflegt – und gemehrt natürlich.

Von Ludger Baum