»Von ällem ebbes« - Das Ehrenamt in der Altenhilfe

»Von allem etwas» - Das Ehrenamt in der Altenhilfe der Zieglerschen ist so vielseitig wie die Ehrenamtlichen selbst und so individuell, wie die mehr als 20 Einrichtungen es auch sind. Beobachtungen.
Mehr als 800 Ehrenamtliche arbeiten in den Seniorenzentren und Sozialstationen der Zieglerschen. Teilweise sind sie in einem der vielen Freundeskreise und Fördervereine organisiert, die die Seniorenzentren mit Herz und Hand oder auch mit großzügigen Spenden unterstützen. Andere Ehrenamtliche kommen als Mitglieder von örtlichen Vereinen oder Gruppen. Wieder andere gehören keinem Verein an. Für sie alle gilt: Die Ehrenamtlichen bringen Abwechslung in den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie sorgen für Lebensqualität und ergänzen die Angebote der Einrichtungen zu einer großen Vielfalt.

Es ist Montagvormittag, kurz vor 10 Uhr. Hannelore Mezger spricht im Seniorenzentrum Baltmannsweiler eine Bewohnerin an: »Kommen Sie, wir machen was zusammen!« sagt sie zu ihr. Doch die alte Dame hat Kopfweh, will einfach sitzen bleiben. Hannelore Mezger versucht es erneut: »Wir singen und lachen ein bisschen miteinander.« Da kommt die  Bewohnerin doch mit. Auf diese Weise holt Hannelore Mezger jeden Montagvormittag einige Bewohner zu ihrem Gedächtnistraining zusammen. »Gedächtnistraining ist ein schwieriges Wort, ich umschreibe es lieber«, sagt sie. Wenn Hannelore Mezger dann das Lied »Weiße Rosen aus Athen« anstimmt, singen die Bewohner den Text mit, erzählen von einer Reise nach Athen oder erinnern sich an den Namen der Sängerin.

Mittlerweile ist es Mittag geworden, 12 Uhr. Der rüstige Wilhelm Auch-Schwelk betritt die Cafeteria des Seniorenzentrums »Im Dorf« Bempflingen. Ein großer Tisch ist schön dekoriert und für den offenen Mittagstisch gedeckt, die ersten Gäste sind schon da. Wilhelm Auch-Schwelk freut sich auf das Mittagessen in geselliger Runde. Das Angebot ist ganz neu, wurde erst im Mai 2010 ins Leben gerufen. Aber schon ist die Mittagsrunde von vier auf zehn Personen gewachsen. Hausleiterin Suzana Tica freut sich riesig, dass das Angebot so gut ankommt. »Daran haben die Ehrenamtlichen vom Förderverein BELA e.V. einen wesentlichen Anteil«, sagt sie. Und: »Es zeugt natürlich auch von der Qualität des Essens«, ergänzt Wilhelm Auch-Schwelk. »Hierzu kann ich nur sagen: Weiter so!«

Wir fahren weiter nach Kirchentellinsfurt, ins Martinshaus. Hier hat Berthold Ebinger gerade einen Einsatz. Er ist dabei, ein Bewohner-Zimmer zu renovieren und neu zu streichen, bevor ein neuer Bewohner einzieht. Herr Ebinger ist ehrenamtlicher Hausmeister, obwohl der Träger, die Altenhilfe der Zieglerschen, einen Lohn für seinen Hausmeisterdienst zahlt. Wie geht das? Ganz einfach: Herr Ebinger gibt sein ganzes Gehalt an den Förderverein des Martinshauses ab. Dieser wiederum setzt seine Mittel zum Wohle der Bewohner im Martinshaus ein.

Es ist Nachmittag geworden in Baden-Württemberg, besser: in Oberschwaben. Im Seniorenzentrum Aitrach im Illertal treffen sich gerade die Ehrenamtlichen der Cafeteria, um Kaffee und Kuchen auszugeben. »Wir sollten wieder ein Schild rausstellen, damit auch vorbeikommende Fahrradfahrer bei uns Rast machen«, sagt Silvia Fakler, Hausleitung. Weiter geht’s die Iller hinunter nach Rot an der Rot, wo gerade eine kleine Gesangprobe vom Liederkranz stattfindet, die Herr Artelt ins Seniorenzentrum verlegt hat, damit die Bewohner lauschen und mitsingen können. Und im Seniorenzentrum Erolzheim begleitet Andrea Schröder, stellvertretende Hausleitung, eine Bewohnerin in den Snoezelenraum, der mit Mitteln des Freundeskreises eingerichtet wurde. Ein Wasserbett sorgt für eine tiefe Entspannung der Muskeln, Musik und gedämpftes Licht, das die Farbe wechselt, tauchen den Raum in eine ganz besondere Atmosphäre.

Währenddessen bilden sich an einem anderen Ort, zum Beispiel in Kirchheim unter Teck, einige Ehrenamtliche in einer Schulung des Netzwerkes »BELA III – Bürgerengagement für ein Leben im Alter« fort oder nehmen zusammen mit Hauptamtlichen an einer internen Schulung der Altenhilfe der Zieglerschen teil. Die Fortbildungen dienen nicht nur dazu, den Wissensdurst zu stillen und praktische Anleitung zu geben, sondern auch dazu, »zwischen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen eine gute Arbeitsebene herzustellen«, so Karl-Ernst Kreutter, der in der Altenhilfe für Ehrenamtliche zuständig ist.

Abends in Mössingen: Adolf Wagner, 71, ist einer von sechs Ehrenamtlichen Fahrern und sorgt dafür, dass »Menschen mit Alzheimer« sicher nach Hause kommen. (Klick auf das Bild zeigt die Großansicht)


 

Abends, in Mössingen. Das Gruppenangebot für Menschen mit Alzheimer der Diakonie-Sozialstation Mössingen ist zu Ende. Ein Team Ehrenamtlicher und eine Hauptamtliche, die die Gruppe in den letzten Stunden Eins zu Eins betreut haben, begleiten die Senioren in die bereitstehenden Autos. Adolf Wagner, 71 Jahre, ist einer von insgesamt sechs ehrenamtlichen Fahrern. Er freut sich auf die Fahrt und wird einen kleinen Umweg übers Neubaugebiet machen – das haben sich seine Mitfahrer gewünscht. Sie wollen sehen, wie das Viertel sich entwickelt.

So geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

Weitere Infos zu Ehrenamt oder den Freundeskreisen der
Zieglerschen finden Sie unter:
www.zieglersche.de/altenhilfe

Nicola Philipp