Sind ambulante Leistungen das Erfolgsrezept der Zukunft?

Interview mit den Geschäftsführern der Diakonie-Sozialstation Mössingen, die ungewöhnliche ambulante Hilfen anbietet - und dabei ungewöhnlich erfolgreich agiert
■ Die Diakonie-/ Sozialstation Mössingen-Bodelshausen-Ofterdingen (DS Mössingen) gehört zur Altenhilfe der Zieglerschen Anstalten, betreut rund 250 Kundinnen und Kunden und beschäftigt 67 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Soweit – so normal. Unnormal oder besser: ungewöhnlich für eine Diakonie-Sozialstation ist jedoch die Zahl von 100 Honorarkräften und Ehrenamtlichen. Ungewöhnlich auch: ihr breites Leistungsspektrum. Denn neben eher klassischen Angeboten einer Diakonie-/ Sozialstation wie Kranken- und Altenpflege, Essen auf Rädern oder Betreuungsgruppen für dementiell Erkrankte bietet die DS Mössingen unter anderem: eine offene Kinderstube, Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund oder eine ehrenamtlich organisierte Kleiderkammer. In Planung sind darüber hinaus ein Tafelladen und eine Tafelvesper, die gemeinsam mit Kirchengemeinden organisiert und betrieben werden sollen. Wie sieht ein erfolgreiches soziales Unternehmen, dessen tägliches Geschäft ambulante Dienste sind, das Thema Ambulantisierung? Ein Interview mit den Geschäftsführern der DS Mössingen, Markus Schmid-Appelrath und Rainer Schöffler.

Markus Schmid-Appelrath (l.) und Rainer Schöffler (r.), die beiden Geschäftsführer der Diakonie-Sozialstation. Markus Schmid-Appelrath nimmt die operativen Aufgaben wahr und Rainer Schöffler ist vor allem für die fachlich-strategische Weiterentwicklung zuständig.




Die Reform des Gesundheitssystems steht bevor. Welche Auswirkungen erwarten Sie im Bereich ambulanter Pflegeleistungen?
Wir gehen von einer weiteren Deckelung der staatlich finanzierten Leistungen aus. Gleichzeitig wird der Bedarf an Betreuungs- und Pflegeleistungen in der häuslichen Pflege steigen. Wir müssen uns auf diese Veränderungen einstellen.

Was werden Sie tun, um erfolgreich zu bleiben?
Mit unserem Leitungsteam haben wir die strategischen Ziele der Diakoniestation formuliert. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau von Angeboten für sozial Schwache oder die Intensivierung von haushaltsnahen Dienstleistungen. Ziel ist, die Innovationskultur der Diakoniestation und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen zu erhalten und zu fördern. In Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden werden wir das diakonische Handeln und Wirken der Diakoniestation weiter profilieren.

Sind illegale Pflegekräfte aus Osteuropa eigentlich ein Problem für Sie? Wird Ihre Arbeit dadurch beeinträchtigt?
Ja, Haushaltshilfen aus Osteuropa werden auch im Wirkungsbereich unserer Diakoniestation zunehmend in Anspruch genommen. Ein Wettbewerb ist uns durch die arbeits- und tarifrechtlichen Bestimmungen in Deutschland grundsätzlich nicht möglich. Trotzdem sind wir dabei, bestehende Angebote und Dienstleistungen kundenorientierter zu gestalten und neue Betreuungsangebote, auch mit Semiprofessionellen und Ehrenamtlichen, zu generieren und auszubauen.

Interview: Birgit Liede