Pflege ist weiblich - aber das wird sich ändern

Ob zu Hause oder im Seniorenheim – wer im Alter gepflegt wird, wird zumeist von Frauen gepflegt. Altenpflege gilt als »Frauenberuf« und wird schlecht bezahlt – doch Experten meinen: das wird sich ändern.
■ Altenpflege ist weiblich. Das belegen folgende Zahlen für Baden-Württemberg: Ein Drittel der pflegebedürftigen Menschen wird in Heimen gepflegt – 85 Prozent des Personals sind Frauen. Zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause gepflegt, zu 32 Prozent von Töchtern oder Schwiegertöchtern, zu 28 Prozent von (Ehe-)Partnern und zu 10 Prozent von Söhnen. Etwa 30 Prozent werden ambulant unterstützt, die Mehrheit des Personals ist weiblich.

Altenpflegerinnen machen einen guten Job. Noch sind es überwiegend Frauen, die pflegebedürftig sind und sich lieber von Frauen pflegen lassen. In Baden-Württemberg kommen auf zehn männliche Pflegebedürftige mehr als 37 weibliche. Frauen haben häufig Lebenspartner, die älter sind als sie. Dank höherer Lebenserwartung überleben sie den Partner und leben im Alter häufig lange allein. Bei Pflegebedürftigkeit sind sie häufig auf professionelle Hilfe angewiesen. Männer werden oft zu Hause von ihren jüngeren Partnerinnen gepflegt.

Der Beruf Altenpflege hat das Image eines sogenannten Frauen-berufs, eines »helfenden Berufs«. Mit dem Image geht die schlechte Bezahlung einher. Weitere Vorurteile sind: geringe Aufstiegschancen und dass die Arbeit aus Hilfstätigkeiten ohne wissenschaftlichen Anspruch besteht. Rein körperlich ist der Beruf jedoch »Schwerstarbeit und darum nicht grundsätzlich als Frauenberuf anzusehen«, sagt Andreas Eger, einer der wenigen männlichen Hausleitungen in den Seniorenzentren der Zieglerschen. Außerdem »braucht man in der Pflege nicht nur Hände und ein gutes Herz, sondern auch den Kopf«, sagt Eva-Maria Armbruster, Fachliche Geschäftsführerin der Altenhilfe. Denn die Pflege ist eine Wissenschaft mit Praxis, Theorie und Forschung. Wer Aufstiegschancen in der Pflege sucht, wird sie finden. Es wird mehr pflegebedürftige Menschen geben, die Zahl von Pflegeheimen und betreuten Wohnformen wird steigen. Und damit auch die Chancen für Altenpflegerinnen und -pfleger Leitungspositionen einzunehmen.

Die Altenpflege ist weiblich, aber das wird sich ändern. In den nächsten Jahren wird es immer mehr pflegebedürftige Männer geben. Sie brauchen männliche Altenpfleger als Bezugspersonen und als »Aktivierungspartner«. Denn »Männliche Bewohner freuen sich über männliche Pfleger und sie kommunizieren ganz anders miteinander«, sagt Monika Materna, Hausleiterin in Bad Waldsee.

NP