Nimmt die Suchtgefahr bei Jugendlichen zu?

Nein, sagt Christian Glage, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung Martinshaus, aber der Umgang mit suchtgefährdeten oder -kranken Jugendlichen wird immer professioneller. Ein Gespräch.
■ Fragt man Christian Glage, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung Martinshaus, ob die Zahl der suchtgefährdeten oder suchtkranken Jugendlichen steigt, so erhält man ein klares Nein. Jugendliche mit Suchtproblemen gäbe es im Martinshaus schon lange. Geändert habe sich aber der Umgang mit Sucht: er sei offener und professioneller geworden. Nicht umsonst organisieren die Schulzsozialarbeiter regelmäßig  Suchtpräventionstage an den Schulen. Nicht umsonst ist das Martinshaus an dem einzigartigen Projekt JUST (Jugendsuchttherapie) beteiligt, bei dem Expert/innen aus Jugend- und Suchtkrankenhilfe der Zieglerschen sowie aus der Weißenau, dem Zentrum für Psychiatrie (ZFP) in Ravensburg, zusammenarbeiten. JUST wendet sich an suchtkranke Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

Aber nicht alle suchtgefährdeten Jugendlichen sind ein Fall für JUST. Deshalb, so Glage, habe man ein „Suchtstufenprogramm“ entwickelt. In Stufe 1 werden gefährdete Jugendliche zum Beispiel mit Patienten der Suchtkliniken zusammengebracht. So erfahren sie aus erster Hand, wie es ist, wenn man ganz unten ankommt und wie schwer der Weg wieder raus ist. In Stufe 2 gibt es unter anderem verstärkte Kontrollen. In der dritten und letzten Stufe schließlich werden die Jugendlichen zur Behandlung in die Drogenentzugsstation ‚clean.kick’ vermittelt.

Die Erfolge des Stufenprogramms sind beachtlich. Sie liegen vor allem darin, dass die Mitarbeiter/innen des Martinhauses deutlich sensibilisiert sind für das Thema und professionell damit umgehen. Dadurch können sie so früh eingreifen, dass nur noch ganz wenige Jugendliche überhaupt ins „Suchtstufenprogramm“ kommen – im April waren es von 60 Jugendlichen gerade mal vier.

Und was rät Jugendhilfeexperte Glage, wenn Eltern bei ihren eigenen Kindern dern Verdacht haben, dass diese Drogen nehmen oder zu viel trinken?  Bewusst Hingucken und aktiv das Gespräch suchen. Das ist nicht angenehm und nicht wenige Eltern drücken sich davor, so Glage. Aber Eltern müssten deutlich sagen: „So nicht“. Auch sollten sie sich fragen, ob ihr eigener Konsum nicht ein schlechtes Vorbild ist. Darüber hinaus sollten Eltern auf jeden Fall den Kontakt zur örtlichen Suchtberatungsstelle suchen. Speziell auf Jugendliche zugeschnittene Angebote gibt es überall.

Von Christof Schrade