Neuanfang nach 55 Jahren

1955 wurde das Fachkrankenhaus Höchsten als erste Frauenklinik in Deutschland eröffnet – damals etwas ganz Besonderes, da Sucht erst 1968 von der Weltgesundheitsbehörde offiziell als Krankheit anerkannt wurde. Schon damals konnten die Zieglerschen seit 1905 auf eine lange Tradition in der Behandlung von suchtkranken Männern zurückschauen. Jetzt, 55 Jahre später, steht der Umzug nach Bad Saulgau an.
■ »Das hier ist ein Leuchtturmprojekt im Gesundheitswesen.« Mit dieser Aussage legte sich Richard Striegel, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Saulgau, fest und hob zugleich die Bedeutung der neuen Fachklinik Höchsten für Bad Saulgau hervor. Ende 2010 wird der Klinikbetrieb an neuer Wirkungsstätte aufgenommen. Mit der neuen Klinik entstehen 80 moderne Therapieplätze für Frauen mit einer Abhängigkeitserkrankung. Als Generalunternehmer und kompetenter Partner wurde das heimische Bauunternehmen Georg Reisch gewonnen. Dies hatte sich zuvor in einem Ausschreibungsverfahren durchgesetzt. »Uns war dabei die Aussage der Firma wichtig, dass zu 90 Prozent regionale Handwerker und Firmen unter der Regie des Bauunternehmers Reisch das neue Klinikgebäude realisieren«, begründete Rolf Baumann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, den Zuschlag für Reisch.

Damit geht eine über fünf Jahrzehnte währende Tradition auf dem Höchsten, der mit 837,8 Meter über NN höchsten Erhebung zwischen Donau und Bodensee, zu Ende. Deutschlands älteste Suchtklinik für Frauen zieht um. Damals, in den fünfziger Jahren, erkannte man den dringenden Bedarf, für suchtkranke Frauen ein therapeutisches Angebot zu machen. Seit dieser Zeit wurde die inhaltliche Arbeit der Höchstenklinik den gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst und konzeptionell weiterentwickelt. Was die Zeit überdauert hat, sind der ganzheitliche und geschlechtsspezifische Ansatz sowie die Ausrichtung am christlichen Menschenbild.

der gebäudekomplex auf dem Höchsten selbst ist allerdings in die Jahre gekommen – trotz ständiger Renovierungen. Niemand dachte zunächst an einen Neubau. Deutlich wurde jedoch bald, dass der Höchsten ganz grundständig saniert werden musste: Einzelzimmer mit Nasszellen, Notrufe in den Zimmern, beides behindertengerecht – um nur einige Vorgaben zu nennen. Als dann die konkreten Kosten auf dem Tisch lagen, wurde deutlich, dass auch ein Neubau keine Utopie ist. Nachdem in Bad Saulgau ein sehr schönes und passendes Gelände gefunden wurde und die Verhandlungen konstruktiv und erfolgreich verliefen, fiel die Entscheidung eindeutig aus.

Seit Januar 2009 wird nun die neue Klinik gebaut – die neueste und modernste Suchtklinik Deutschlands mit Platz für 80 Patientinnen, die alle in Einzelzimmern untergebracht werden. Am 20. Januar erfolgte der Spatenstich, Mitte September wurde das Richtfest feierlich begangen. Mit 14 Millionen Euro ist es eines der größten Bauprojekte in der Geschichte der Zieglerschen. In Bad Saulgau wird dadurch das Rehabilitationsangebot erweitert und die Stadt als Gesundheitsstandort aufgewertet. An vielen Stellen wird jetzt schon spürbar, dass die Neuen in der Stadt herzlich willkommen sind. Bürgermeisterin und Gemeinderat, Vereine und Verbände, Handel und Unternehmen in der Stadt, die beiden Kirchengemeinden und die Franziskanerinnen des in Sichtweite der Klinik liegenden Klosters Sießen – sie alle stehen stellvertretend für die freundliche Aufnahme, die die Zieglerschen und die neue Höchstenklinik erfahren.

Die Patientinnen können in Zukunft die Angebote der Stadt – gerade auch die für Kurgäste – mit nutzen. Das Thermalbad ist zum Beispiel nur einen Kilometer von der Klinik entfernt. Außerdem wird sich die gesamte Infrastruktur deutlich verbessern. Per Zug können die zukünftigen Patientinnen anreisen, Arzt- und Stadtbesuche sind eigenständig mit dem Citybus oder auch zu Fuß möglich. So rückt durch die Stadtnähe der Alltag näher. Und doch liegt die Klinik am Stadtrand und mit vielen Wandermöglichkeiten direkt vom Haus aus.