Mit Hingabe und oft auch Zähigkeit

Der ehrenamtliche Betreuungsverein der Behindertnhilfe feiert bereits 25-jähriges Jubiläum
Im Mai 1981, also 10 Jahre vor der Einführung des sogenannten Betreuungsgesetzes, organisierten sich in der Behindertenhilfe damalige und ehemalige Mitarbeiter in einem Verein, um vor allem die rechtlichen Angelegenheiten für Menschen mit Behinderung zu regeln. Diese Aufgabe wird seitdem von Ehrenamtlichen mit einem Höchstmaß an Verbindlichkeit und Kompetenz geleistet.

Dabei stehen Ehre und Amt nicht im Vordergrund, vielmehr ist es die Erfahrung und die meist persönliche Bekanntschaft zu den Menschen mit Behinderung, die früher quasi ohne eigene Rechtsmündigkeit waren. Viele der Betreuer sind ehemalige Mitarbeiter oder aus dem Umfeld der Behindertenhilfe. 21 Jahre lang leitete Gotthold Keppler den Verein. Sein Nachfolger Ernst Blickle, früher Leiter der Heimsonderschule Haslachmühle, und seine beiden geschäftsführenden Kollegen haben die ganze Erfahrung vieler Berufsjahre, um die formellen Vorgänge rund um die Betreuungen kompetent zu bearbeiten. Dabei ist es Ernst Blickle wichtig, dass kein zusätzlicher Apparat aufgebaut wird, sondern die Fragen möglichst pragmatisch und schnell gelöst werden, denn gewichtige Entscheidungen sind bei den derzeit 149 Betreuungen immer notwendig.

Wer erteilt die erforderliche Genehmigung, wenn eine schwere Operation ansteht? Wer setzt Erbansprüche durch für Menschen, die nicht hören, sprechen, schreiben oder telefonieren können? Wer verwaltet treu das Sparbüchle? Darum kümmern sich die Vereinsvorstände mit Hingabe und der oft nötigen Zähigkeit. Die übrigen Vereinsmitglieder können sich so ganz auf den Kontakt mit den behinderten Menschen konzentrieren, frei von Papierkram und Akten. Wichtigstes Ziel ist es, den Wunsch und den Willen der Menschen zu erkunden und einzuhalten. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums, das, typisch für den Verein, ganz bescheiden gefeiert wurde, gab es Lob von vielen Seiten. Wilhelmsdorfs Bürgermeister Dr. Hans Gerstlauer etwa sagte, die Arbeit des Betreuungsvereins trage ganz wesentlich dazu bei, dass Wilhelmsdorf geradezu als Modellgemeinde für die Integration von Menschen mit Behinderung bezeichnet werde.

Ein besonderes Licht auf die Arbeit warf beim Jubiläum die 56-jährige Gisela Eberl. Sie lebt als Betreute in der Haslachmühle und ist Sprecherin des dortigen Heimbeirats. Ihr persönlicher Betreuer ist Ernst Blickle. Seit 40 Jahren kennen sich die beiden schon. Und Gisela Eberl erzählte sehr anschaulich, wie sehr sie die Arbeit des Betreuungsvereins schätzt und auch die persönliche Zuwendung von Ernst Blickle.

Von Martina Heidinger / CHristof Schrade