Leben im Alter - aber wie?

Wie will ich im Alter leben? Machen wir noch mal alles anders und ziehen in eine WG? Bleibe ich in meiner eigenen Wohnung, möglicherweise mit Hilfen von außen? Meinen Kindern will ich nicht zur Last fallen, aber es wäre schön, in ihrer Nähe zu wohnen. Dies sind nur einige der Gedanken, die älter werdende Menschen bewegen, wenn es um ihre Lebensplanung geht. Eine mittlerweile beliebte und bewusst gewählte Alternative ist für viele Alleinstehende aber auch Ehepaare der Umzug in eine Betreute Wohnung. Die Altenhilfe-Tochtergesellschaft der Zieglerschen Anstalten betreut rund 450 solcher Wohnungen. Zur seniorengerechten Wohnung gehören bei dieser Wohnform ein bestimmtes Paket an Serviceleistungen und eine 24-stündige Notrufbereitschaft zur Ausstattung dazu. Acht Bewohnerinnen und Bewohner aus drei verschiedenen Betreuten Wohnanlagen haben uns Auskunft darüber gegeben, was ihre Beweggründe für diese Wahl waren und wie es ihnen dort geht.
Aus der Not eine Tugend gemacht: Die Auseinandersetzung mit der Lebens- und Wohnsituation im Alter war für Frau Dr. Ursula Keil bereits zu einem Zeitpunkt von großer Bedeutung, als „Betreutes Wohnen“ noch kein gängiger Begriff war. Damals gab es in Esslingen kein adäquates Angebot, das älteren Menschen eine hohe Wohnqualität, verbunden mit gemeinschaftsstiftenden Aspekten ermöglichte. Für sie Anlass genug, aktiv zu werden: Sie wurde Mitglied und Vorsitzende eines Fördervereins, der sich den Bau einer solchen Wohnanlage zum Ziel setzte. Es entstand das Wohnstift Radäcker mit 94 Betreuten Wohnungen im Esslinger Stadtteil Sulzgries. Frau Dr. Keil hat ihren Entschluss zu einem Neuanfang nie bereut, sie rät unbedingt dazu, die Entscheidung frühzeitig anzugehen und den Wechsel in einen neuen Lebensabschnitt sorgfältig zu planen.

Auch Ruth Ottmar gehört zu diesen aktiven Mitstreitern der ersten Stunde im Wohnstift Radäcker. Als Gemeindediakonin im Esslinger Ortsteil Sulzgries wurde sie durch die Seniorenarbeit in ihrer Kirchengemeinde auf die Pläne des Fördervereins aufmerksam. Aus Tuttlingen stammend war für sie klar, dass sie auch im Alter in Esslingen bleiben wollte, familiäre Bindungen in ihre Heimat waren kaum noch vorhanden. Stattdessen suchte auch sie die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten in einem Umfeld, das ihr den Erhalt ihrer gewohnten Eigenständigkeit ermöglichte. Sie wurde ebenfalls Mitglied des Fördervereins. Noch in der Planungsphase suchte sie sich eine helle Eigentumswohnung mit großem Balkon aus. In „ihrem“ Haus fühlt sie sich nun seit 13 Jahren daheim. Sie schätzt die Gemeinschaft, die viele ihrer Aktivitäten selbst organisiert, und nimmt gerne an den Angeboten, wie z.B. der biblischen Gesprächsgruppe oder dem Singkreis teil.

Eine neue Heimat in der Nähe der Kinder finden: Für viele ältere Menschen ist der Umzug in eine Betreute Wohnung mit einem Ortswechsel verbunden. Die Entscheidung zu einem Neuanfang, der das Verlassen gewohnter Wege und einer gewachsenen Nachbarschaft mit sich bringt, geschieht oft vor dem Hintergrund, wieder in die Nähe der Kinder zu ziehen. Oft auch dann, wenn der Ehepartner verstorben ist. Christa Bolz kam so aus dem hohen Norden, aus Lübeck, ins beschauliche Gomaringen (Kreis Tübingen), wo sie seit 2003 in einer der 34 Wohnungen des Ilse-Graulich-Hauses lebt. Die Nähe zur Familie war für sie das Hauptargument, ihr Leben in Lübeck hinter sich zu lassen. Die Serviceleistungen, wie zum Beispiel die wöchentlichen Einkaufsfahrten und die angebotenen Aktivitäten im Ilse-Graulich-Haus, wie einen Malkurs der Volkshochschule, nimmt sie gerne wahr. Auch für bestimmte Dienstleistungen muss sie sich nicht erst aus dem Haus bemühen. Ihr Kommentar dazu: „Man wird ja nicht jünger – und bequemer kann man es nicht haben. Der Arzt, die Fußpflege oder meine Friseurin, alle kommen ins Haus.“

Esther Modick wohnt seit 2006 in der Betreuten Wohnanlage in Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis. Noch als das Haus mit den 15 Wohnungen sich im Rohbauzustand befand, war sie eine der ersten Interessentinnen. Dann dauerte es aber doch noch ein weiteres Jahr, bis sie sich zu dem Schritt entschließen konnte, von Neresheim nach Plüderhausen zu ziehen. Die Entscheidung, das eigene Haus zu verlassen, viele Möbel nicht mitnehmen zu können, war keine einfache gewesen. Ausschlaggebend war dann letztlich auch hier, wieder näher bei den Kindern zu sein, die bei Stuttgart wohnen. Außerdem bestand bei ihr der Wunsch, zurück in ihre Heimatgemeinde zu ziehen. Nun ist sie oft unterwegs, trifft sich mit alten Schulkameraden und Bekannten. Auch den Veranstaltungen im benachbarten Seniorenzentrum Haus am Brunnenrain stattet sie gerne einen Besuch ab.

Die Sicherheit, dass jemand da ist: Die Betreuten Wohnungen, die von der Altenhilfe der Zieglerschen getragen oder betreut werden, liegen in der Regel in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der Pflegeheime – oft unter demselben Dach. Vorteil ist, dass mit einem Notruf ins Pflegeheim schnell Hilfe zur Stelle ist. Auch die Gewissheit, kompetente Ansprechpartner in der Nähe zu finden, ist von großer Bedeutung. Dieses Sicherheitsgefühl ist zweifelsohne einer der wichtigsten Beweggründe, sich für das Leben in einer Betreuten Wohnung zu entscheiden.

Für das Ehepaar Lydia und Alfred Fuchs hat genau dieser Aspekt eine maßgebliche Rolle gespielt, denn Herr Fuchs ist bereits auf Pflege angewiesen. Es waren vor allem die Kinder, die sie bestärkten, die alte Eigentumswohnung in Neckarsulm zu verlassen und in ihre Nähe nach Plüderhausen zu ziehen. Das war vor zweieinhalb Jahren, seitdem kümmert sich Frau Fuchs in der gemeinsamen Betreuten Wohnung in Plüderhausen um ihren Ehemann. Die Möglichkeit, über den Notruf schnell Hilfe holen zu können, ist für sie sehr wichtig. Aber auch bei Fragen zur Pflege ist der Weg zur Hausleitung im Seniorenzentrum kurz und unkompliziert. Demnächst will Lydia Fuchs ein paar Tage verreisen, dann weiß sie den Ehepartner in der Kurzzeitpflege im benachbarten Pflegeheim gut aufgehoben. Sowohl ihm als auch ihr sind die Menschen im Haus am Brunnenrain bereits vertraut. Den Umzug haben sie nie bereut, obwohl auch sie sich von einem Großteil ihrer Möbel trennen mussten.

Mit dem Ehepaar Margarete und Johann Walter ist man im Ilse-Graulich-Haus sprichwörtlich „auf den Hund gekommen“. „Josch“ sorgt stets für Gesprächsstoff bei den Mitbewohnern im Haus und ist bei vielen Nachbarn ein gern gesehener Gast. Die Walters sind ein aktives Paar, die außerhalb von Gomaringen noch ein Gartengrundstück bewirtschaften und viel unterwegs sind. Bei der Entscheidung, in eine Betreute Wohnung zu ziehen, war für sie wichtig, dass man eben auch dann versorgt ist und Hilfe unkompliziert in Anspruch nehmen kann, wenn es einmal nicht mehr so gut geht. Vorsorge für sich und den Partner zu treffen, Sicherheit zu wählen, hat ihre Entscheidung stark beeinflusst, auch wenn ebenfalls ein Ortswechsel damit verbunden war. Doch Margarete und Johann Walter fühlen sich im Ort sehr wohl, nehmen auch gerne an den Kaffeenachmittagen im Ilse-Graulich-Haus teil und sind stets zu einem Schwätzchen aufgelegt, wenn sie Nachbarn treffen. Es gibt nur eines, was Frau Walter ehrlich bedauert: Früher hat sie gerne mal die Möbel in der Wohnung umgestellt – das geht jetzt leider nicht mehr...

Von Birgit Liede