»Die Kollegen haben uns einfach Glück gewünscht«

Interview mit Lina und Wolfgang Schreier, die sich bei der Arbeit im Martinshaus Kleintobel kennen und liebenlernten und noch immer für die Zieglerschen schaffen.Jetzt erwarten sie ihr zweites Kind.
Herr und Frau Schreier, jeder sechste Deutsche findet den Partner über den Job. Auch bei Ihnen hat es während der Arbeitszeit in den Zieglerschen gefunkt …

Wolfgang: Nicht während der Arbeitszeit, das muss ich schon richtigstellen. Wir kannten uns ja über ein Jahr lang als Kollegen, ehe es gefunkt hat. Meine jetzige Frau war als Anerkennungspraktikantin in der Gruppe, in der ich Gruppenleiter war. In dieser Zeit haben wir einfach nur zusammen gearbeitet, mehr nicht. Als Lina dann richtig als Mitarbeiterin bei uns im Martinshaus angefangen hat und auf der Gruppe nebendran war – erst da ging's los.
Lina: Und auch das war nicht während der Arbeitszeit, sondern danach, weit weg vom Martinshaus. Wir haben das erst mal schön vom Job weggehalten.

Aber irgendwann wurde es offiziell – wie war das bei Ihnen? Gab es irritierte Reaktionen der Kollegen?

Lina: Irritierte Reaktionen gab es uns gegenüber überhaupt nicht. Manche hatten es schon geahnt, die meisten haben uns einfach Glück gewünscht. Es war unkompliziert und sehr positiv.
Wolfgang: Außerdem waren wir ja auch nicht das erste Paar in Kleintobel und in den Zieglerschen.

Inzwischen sind Sie verheiratet und erwarten dieser Tage Ihr zweites gemeinsames Kind. Bis vor kurzem haben Sie beide auf einer Wohngruppe gearbeitet und sich im Schichtdienst die Klinke in die Hand gegeben. Ging das ohne Probleme?

Wolfgang: Für uns schon. Wir arbeiten ja in einem flexiblen Team und wenn wir mal gemeinsame Freizeit brauchen oder irgendetwas ansteht, dann können wir uns das so einrichten. Bis jetzt hat es immer gut geklappt.
Lina: Natürlich nehmen wir durch diese Konstellation die Arbeit auch mit nach Hause. Aber das war vorher auch nicht anders, im Gegenteil: Seit wir zusammen auf einer Gruppe sind, haben wir unsere Arbeitsthemen sogar schneller durchgesprochen. Vorher, als jeder auf einer anderen Gruppe war, hat das länger gedauert. Außerdem bremsen wir uns gegenseitig ganz bewusst, damit die Arbeit nicht zu wichtig wird.

Sie haben es selbst gesagt: Sie sind nicht das einzige Paar in den Zieglerschen. Haben Sie einen Überblick, wie viele andere Paare es unter den 3.000 Mitarbeitern im Unternehmen gibt? Und tauschen Sie sich vielleicht sogar untereinander aus, sozusagen unter Gleichgesinnten?

Wolfgang: Austausch mit anderen Paaren in den Zieglerschen gibt es nicht und wir haben auch keinerlei Kontakte in die Richtung. Bei den Kollegen in Kleintobel. die zusammen sind, spielt wiederum das Arbeitgeberthema in Gesprächen keine Rolle. Und selbst in der Mitarbeitervertretung MAV, in der ich Mitglied bin, waren Partnerschaften bis jetzt noch nie Thema.

Und die Jugendlichen in Ihrer Gruppe – wie reagieren die?

Wolfgang: Auch die Jugendlichen gehen ganz unbefangen damit um. Wir waren sogar schon tageweise als Familie bei Hüttenwochenenden anwesend, das war alles ganz entspannt.

Was empfehlen Sie anderen, die sich im Job kennenlernen?


Lina: Für uns war es das Beste, irgendwann mit unserer Beziehung offen umzugehen und wir haben damit keine schlechten Erfahrungen gemacht. Letztlich muss das aber jeder für sich entscheiden.

Vielen Dank für das offene Gespräch.

Die Fragen stellte Petra Hennicke.