"Hier habe ich echt das Gefühl, was richtig Gutes zu tun"

Elias Groß arbeitet vor seinem Studium ein halbes Jahr ehrenamtlich im Kindergarten St. Ulrika

„Ich habe schon die wahnwitzigsten Ideen gehabt, aber meine Eltern haben mich immer unterstützt“. Der dies sagt und der seinen Eltern diesen Orden an die Brust heftet ist Elias Groß. Für ein halbes Jahr arbeitet er ehrenamtlich am Kindergarten St. Ulrika in Altshausen, hier vor allem in der Integrationsgruppe, geleitet von Tanja Reiß, einer Pädagogin der Haslachmühle.

Der fünfjährige Peter kam ungefähr gleichzeitig mit Elias Groß in die Gruppe der Sternschnuppenkinder. Peter habe deutlich autistische Züge getragen, keine sozialen Kontakte gepflegt und sei immer allein gewesen. Elias Groß erlebte ihn so: „Er saß da wie in Trance“. Gut einen Monat später hat sich das Bild deutlich geändert. Peter ist offen geworden und beteiligt sich an den gemeinsamen Spielen. Bei „Komm Elias“ komme der Junge auf ihn zu, bei „du bisch cool“ klatsche er ihm auf die Handflächen. Das Geheimnis dieser Verwandlung ist weiblich und heißt Tanja Reiß. Elias Groß ist vom pädagogischen Einfühlungsvermögen dieser Frau regelrecht elektrisiert: „Sie hat ein brutal gutes Gespür für Kinder. Wenn die zu wild werden, dann ist sie flexibel genug, den Kleinen einen geordneten Weg zu sich selber zu zeigen. Ich habe den sicheren Eindruck, ihre Autorität beruht überhaupt nicht auf Macht, sicher auf ihrer Kompetenz, aber primär und vor allem auf ihrer Liebe zu den Kindern.“ Die  Erinnerungen des jungen Praktikanten an seine eigene Kindergartenzeit sind getrübt. Er habe alles als Zwang erlebt, ob es der Stuhlkreis gewesen sei oder die Ausflüge. „Ich kann mich noch deutlich daran erinnern, dass wir erst aufstehen durften, wenn der Tee leer war. Das hat für mich zur Folge gehabt, dass ich jahrelang keinen Tee mehr trinken wollte.“

Die beglückenden Erlebnisse in Altshausen geben Elias Groß berufliche Orientierung. Eine frühere Überlegung war, ob er sein Hobby Musik, er spielt Schlagzeug, Gitarre und Didgeridoo, zum Beruf machen sollte. Er unterbrach Knall auf Fall seine Gymnasialzeit, um am Stuttgarter Staatstheater Musikassistent zu werden. Zwei Wochen später ging er reumütig wieder an die Schule zurück. Seine nächste Idee, Grundschullehrer zu werden, verhinderte der Numerus clausus. Die Erfahrung aber, dass die Integration der kleinen Gruppe der Sternschnuppenkinder in die große Gruppe der Regenbogenkinder tatsächlich funktioniert, dass keines der sogenannten normalen Kinder sich über das motorisch schwerfällige Kind oder den hyperaktiven Jungen lustig macht, weist Elias Groß den Weg, seinen Weg. Das soziale Feld wird es sein, Logopädie vielleicht, oder Ergotherapie. Möglicherweise studiert er Sozialpädagogik. Die Erlebnisse mit Tanja Reiß lassen ihn ahnen, dass Kinder formbar sind, wenn sie sich geliebt fühlen. Genauso wie die Eltern Groß es ihrem Sohn Elias angedeihen ließen. Elias: „Hier habe ich das Gefühl, etwas Gutes zu tun.“

Von Rainer Kössl