Glaube in den Zieglerschen

Beginnen wir bei den Mitarbeitenden. Peter Deuss, 48, ist einer von ihnen und sein Bekenntnis zum Glauben ist unmissverständlich. »Der Glaube ist wesentlicher Bestandteil meiner Identität. Ich weiß, woher ich komme, wohin es geht, mein Leben ist gewollt«, sagt der Kunsttherapeut im Fachkrankenhaus Ringgenhof. Dass ein Mensch aus dem Nichts auf der Erde erscheint – dieser Glaube fehle ihm. Alles sei erschaffen, habe seine Herkunft, seine Geschichte. »Ein Atheist«, sagt Deuss, »muss hier wohl einen sehr viel größeren Glauben haben als ein gläubiger Mensch.«
Peter Deuss’ Glaube wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, seine Eltern hätten vielmehr ein distanziertes Verhältnis dazu gehabt. Mit 20, erzählt er, habe er dann zum Glauben gefunden. »Eine Krankheit mit Krankenhausaufenthalt
und die Fragen ans Leben haben mich zum Glauben geführt.« Freunde, englischsprachiger Herkunft, nahmen ihn damals mit in ihre Glaubensgemeinschaft »Minister to the military«. »Das hat mich sehr beeindruckt.«

Sein Weg zu den Zieglerschen war dagegen eher pragmatisch: »Es gab diese Stelle hier.« Dass die Zieglerschen ein diakonisch geprägtes Unternehmen waren und sind, habe damals eine eher nachrangige Rolle gespielt. Rückblickend sagt er, dass das geistliche Leben auf dem Ringgenhof jedoch eine größere Rolle gespielt habe als heute. Peter Deuss lebt seinen Glauben weniger institutionell aus, denn Glaube ist für ihn auch außerhalb der Institution Kirche lebbar. Trotzdem gehe es darum, die Gemeinschaft zu pflegen, im Sinne von »Ein Leib, viele Glieder«. Er möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen und dabei das Thema Glaube erst einmal von einer Institution trennen, damit Freiräume geschaffen werden, ohne Angst, ohne Vorbehalte.

Thomas und Maria Zimmermann, zwei von 3.000 Mitarbeitenden in den Zieglerschen: »Es ist Gott, der uns befähigt, diese jungen Menschen zu lieben und sie mitzutragen.«  Gottesdienst für Menschen mit Behinderung: Wenn die Kerzen angezündet werden und der Raum dunkel wird, wird es plötzlich still. Und selbst Bewohner, die sonst zur starken Unruhe neigen, kommen zur Ruhe.  Knapp die Hälfte der Mitarbeitenden in den Zieglerschen ist katholisch, etwa 40 Prozent sind evangelisch. Bei den Verbleibenden gibt es keinen Eintrag auf der Lohnsteuerkarte, sie sind also Mitglieder der Freikirche, Atheisten, Aleviten, Moslems, Juden… Grund für uns, die Menschen in den Zieglerschen zu fragen, was Glaube für sie heißt und wie sie ihren Glauben leben.
Bilderstrecke: Glaube in den Zieglerschen (3 Bilder).

Glaube findet er im Alltäglichen, ganz wesentlich auch in der Arbeit mit seinen Patienten. »Der Glaube spielt ja auch in unserem neuen Leitbild eine Rolle«, sagt er, obgleich der Leitbildspruch 18 (»Wir stellen uns der Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit.«), den die meisten der Mitarbeitenden in der Suchthilfe der Zieglerschen für sich als ihren Leitbildspruch gewählt haben, auch für ein globales Industrieunternehmen gelten könne.

Für ihn jedoch ist Glaube Beziehungsarbeit, und das sei ja auch wesentlicher Bestandteil in der therapeutischen Arbeit mit abhängigkeitserkrankten Menschen. »Die Therapie steht im Mittelpunkt, hat aber auch ihre Grenzen. Ideal wäre es, wenn therapeutisches und seelsorgerliches Angebot sich die Hand geben, denn Therapie kann Seelsorge nicht ersetzen«, ergänzt er.

Arzu Güzelarslan arbeitet für die Service GmbH, eine der drei gewerblichen Gesellschaften der Zieglerschen. Das Unternehmen ist nicht Mitglied im Diakonischen Werk, seine Mitarbeiter sind evangelisch, katholisch oder konfessionslos oder gehören anderen Religionen an, wie etwa dem Islam. Arzu Güzelarslan ist Morgenfrau in der Behindertenhilfe und reinigt und kümmert sich mit um die anwesenden Bewohner. Sie gehört dem alevitischen Glauben an, einer Form des Islam. »Ich kann mich mit den christlichen Werten identifizieren. Es gibt viele Parallelen im Umgang mit Menschen zwischen meiner und der christlichen Religion«, sagt sie. Ihr Glaube wirke sich nicht auf die Arbeit aus. »Als Alevitin wird von mir zum Beispiel nicht erwartet, dass ich ein Kopftuch trage.«

Viele Hauswirtschafts- und Reinigungsmitarbeiter der Service GmbH haben direkten Kontakt zu den Bewohnern, denen der Glaube oft ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. Annette Merk, Bereichsleiterin Verpflegung und Versorgung, berichtet von muslimischen Reinigungsmitarbeitern in Einrichtungen der Altenhilfe: »Unsere Mitarbeiterinnen mit islamischem Glauben bringen oft aus ihrer Kultur eine besonders hohe Achtung vor alten Menschen mit. Sie gehen sehr liebevoll und zugewandt mit den Bewohnern um.«

Andere Mitarbeiter sind wiederum konfessionslos, wie Thomas Darasz. Er arbeitet für die Service GmbH als Koch in der Suchthilfe im Rehabilitationszentrum am Bussen und betreut Patienten bei verpflichtenden arbeitstherapeutischen Angeboten in der Küche. Zusammen mit den Patienten produziert er dort die gesamte Verpflegung der Klinik. Er sei ohne Religion aufgewachsen und habe selber keinen Bezug zur Kirche, sagt er. »Ich sehe, wie andere Menschen in ihrem Glauben verwurzelt sind, habe aber selber keine Bindung zur Religion.« Insgesamt findet er die Rolle der Kirche und vor allem der kirchlichen Einrichtungen sehr positiv: »Ohne die Kirche wäre die Welt anders.«

Besonders im direkten Patientenkontakt sieht er die Sinnhaftigkeit seiner Arbeit in einer diakonischen Einrichtung. Der Glaube gebe den Menschen Kraft und Halt, vor allem auch in einer so schwierigen Situation wie Drogenabhängigkeit, sagt er. »Vor kurzem steht ein fremder Mann bei mir in der Küchentür, käsebleich und zitternd und will sofort zur Behandlung kommen, weil er nicht mehr kann. Da wird einem die Wichtigkeit von Einrichtungen wie der unseren bewusst. Und ich bin ein Teil davon.«

Auch Thomas und Maria Zimmermann sind zwei von rund 3.000 Mitarbeitenden in den Zieglerschen. Wer im sonnenverwöhnten Innenhof ihres Anwesens am Kaffeetisch Platz nehmen darf, kann sich schnell in eine beschauliche Welt versetzt fühlen: Waldrand, einzelne Häuser und Höfe, Pferde, Kühe, Bienensummen – das ist Treherz bei Aitrach. Doch so heil, wie die Idylle auf den ersten Blick wirkt, ist hier nicht alles. »Wir nehmen in unserer Erziehungsstelle ausschließlich Kinder und Jugendliche auf, für die alternativ meistens eine geschlossene Unterbringung in der Psychiatrie, eine Auslandsmaßnahme oder auch ein Aufenthalt in der Jugendstrafanstalt ansteht«, sagt Maria. Zusammen mit ihrem Mann Thomas betreut und erzieht sie derzeit zwei junge Menschen des Isnyer Standorts der Jugendhilfe. Die beiden Jungs leben stationär bei den Zimmermanns, gehören zur Familie. 24 Stunden am Tag.

»Früher haben wir vorwiegend pädagogische und psychologische Konzepte umgesetzt«, sagt Maria, die ausgebildete Erzieherin und Psychotherapeutin HPG, »heute vertrauen wir in erster Linie auf Gottes Führung, denn aus uns selbst heraus können wir gar nichts bewirken, was die Herzenshaltung der Jugendlichen verändert.« Ein fachlich ausgewogenes Grundkonzept sei wichtig und hilfreich, aber es sei »Gott, der uns befähigt, diese jungen Menschen zu lieben und sie mitzutragen.«

Jede Menge Herausforderungen brachten die Jugendlichen für Zimmermanns bisher mit: »nicht mehr schulfähig, nicht beziehungsfähig, sozial inkompetent, delinquent und sehr stark verhaltensauffällig«, erklärt Thomas. Eine tragfähige und liebevolle Beziehung aufzubauen steht für Zimmermanns somit an erster Stelle. Die Bergpredigt leitet sie dabei, durch ihr eigenes Leben versuchen sie, die Sehnsucht der jungen Menschen nach Gott zu wecken. »Wir bemühen uns, Liebe, Sanftmut, Umkehr und Demut in unseren Beziehungen vorzuleben«, sagt Maria.

Und das geht, einfach so? »Wir erleben Gottes Kraft und Gnade täglich, denn unsere sehr intime Arbeit, in unserem so persönlichen Umfeld, wäre ohne ihn nicht denkbar«, sagt Maria. Wenn die Jungs etwa persönliche Einrichtungsgegenstände oder das Auto, aber auch Lebensmittel oder ihre Kleidung geringschätzig behandelten, wenn sie Menschen in ihrem persönlichem Umfeld schädigten oder beleidigten, dann seien das Dinge, in denen sie Gott im Gebet um Hilfe bäten und Friede und neue Kraft erfahren dürften. »Rein menschlich würden wir so manches Mal auf solches Verhalten ziemlich zornig und unbarmherzig reagieren «, sagt Maria.

Thomas erzählt, dass er alle Sorgen seinem himmlischen Vater hinlegt: »Ich weiß, er kümmert sich darum. Er hat für uns und die Jungs einen wunderbaren Plan.« In Krisensituationen zeigt sich dieses Vertrauen: »Wir versuchen immer aus der Ruhe heraus, Gottes Lösungswege zu erkennen«, sagt Maria. Eine entscheidende Rolle spielt die Versöhnung und Wiedergutmachung in ihrer Arbeit. »Wichtig ist uns, ein reizarmes und gut strukturiertes Umfeld anzubieten, in welchem Heilung möglich wird. Die Jugendlichen brauchen viel Liebe und Verständnis, damit sie sich mit ihrer eigenen Biografie und den erlebten Verletzungen aussöhnen können.« Einer der beiden habe erst kürzlich, nachdem er seiner Lehrerin die Scheckkarte geklaut hatte, während dem Abendgebet gestanden, dass er noch etwas hätte, was ihm nicht gehöre. »Er hat sich entschuldigt und die Scheckkarte wieder zurückgebracht«, sagt Thomas.

Abendgebet als Pflichtlektion? »Nein, auf keinen Fall«, sagt Maria, »das bieten wir ihnen an, sie fordern es meist freiwillig ein – es lässt sie ruhig einschlafen.«

Auch in der Behindertenhilfe fordern die Bewohnerinnen und Bewohner geistliche Angebote ein, das Interesse an Gottesdiensten und am christlichen Glauben ist groß. »Das Problem leerer Kirchenbänke gibt’s bei uns – Gott sei Dank – nicht«, freut sich Christof Lotthammer, Diakon und Leiter des eigens eingerichteten Referats Geistliches Leben in der Behindertenhilfe. »Viele Bewohner beteiligen sich freudig am Gottesdienst, läuten zu Beginn die Glocken und zünden Kerzen an.« In der Haslachmühle ist der Wunsch nach einem Sonntagsgottesdienst sogar so groß, dass Lotthammer und sein Team dort regelmäßig zwei Gottesdienste anbieten, um die Nachfrage der Bewohnerinnen und Bewohner zu befriedigen.

Im Mittelpunkt der Gottesdienste stehen neben Geschichten aus der Bibel, die in einfacher Sprache an die Bewohner mit Hör-Sprach und zusätzlicher geistiger Behinderung weitergegeben werden, die klaren und einfachen Botschaften: Jesus liebt dich. Jesus tröstet dich. Jesus ist bei dir. »Das sind zentrale Aussagen des christlichen Glaubens, die auch Menschen mit geistiger Behinderung aufnehmen können«, erklärt Lotthammer. Ein festes Element im Gottesdienst ist die Zeit der Stille. Dann werden die Kerzen angezündet und der Raum abgedunkelt. Und plötzlich wird es still – selbst Bewohner, die sonst zur starken Unruhe neigen, kommen zur Ruhe. »Ich staune immer wieder, wie schnell es dann bei uns ruhig wird«, erzählt Lotthammer.

Ein wichtiger Teil des Gottesdienstes ist das gemeinsame Fürbittgebet. Hier bietet sich für jeden Besucher die Gelegenheit, nach vorne zu kommen und Gott in einfachen Gebeten und mit Gebärden Freuden und Anliegen zu bringen. »Danke für das Frühstücksei!«, »Danke für den Besuch von Mama und Papa!« So oder ähnlich lauten die Gebete. »Der kindliche Glaube von Menschen mit Behinderung kann auf Menschen ohne Behinderung sehr anregend wirken. Ich denke, dass wir von dieser unmittelbaren Gottesbeziehung, die ganz selbstverständlich gelebt wird, sehr viel lernen können«, erklärt Lotthammer.

Neben den Gottesdiensten, kleineren Andachten und dem Segnungsfest in der Haslachmühle werden in der Behindertenhilfe auch die christlichen Feste im Jahreskreis gefeiert. Ausdrucksformen christlichen Glaubens sind auch der neu eingeweihte Garten der Erinnerung in der Haslachmühle, dessen Mitte ein Gedenkstein bildet mit der Aufschrift »Vor Gott ist keiner vergessen«.

Auch in der Gotthilf-Vöhringer-Schule (GVS) in Wilhelmsdorf ist Glaube für viele Schülerinnen und Schüler ein wichtiges Thema. Hier wurde vor einiger Zeit ein Raum im Haupthaus der GVS zum Andachtsraum bestimmt und entsprechend neu gestaltet. Der Raum ist offen und kann jederzeit aufgesucht werden.

»Wir haben einfach einen Aushang am Schwarzen Brett gemacht«, erzählt Alexander Kmoch, Schüler der GVS »und dann kamen immer wieder auch neue Leute zu den Treffen. Meist sind es Schülerinnen und Schüler der GVS, wir sind aber auch offen für Leute außerhalb.« Während der Schulzeit trifft man sich immer montags, 17 Uhr, zu einem Hauskreis im Andachtsraum. Den Hauskreis führen die Schüler in Eigenregie durch.

Auf die Frage, was dort denn so gemacht wird, erzählt Alexander Kmoch von gemeinsamem Singen, Diskussionen zu Texten aus der Bibel oder Themen, die auf den Nägeln brennen; wie beispielsweise dem Umgang mit Zeit oder Geld. »Man teilt persönliche Freuden und Nöte und betet für aktuelle Anliegen, wie etwa anstehende Prüfungen «, sagt er. Durch die relativ regelmäßigen Treffen wachse Vertrauen untereinander und die Kontakte blieben teilweise über die Ausbildung hinaus bestehen. »Manchmal entstehen auch Ideen für die Schule«, berichtet er, »wir haben zum Beispiel überlegt, im Bereich des Wahlobligatorischen Unterrichts einen ›Alpha-Kurs‹ anzubieten, das ist ein überkonfessioneller Kurs über Grundlagen des christlichen Glaubens für Mitschüler/innen, die sich für den christlichen Glauben interessieren.«

Im Hör-Sprachzentrum Wilhelmsdorf begrüßt Renate Schmolze ihre großen und kleinen Gäste mit einer einladenden Geste im Raum der Stille. Statt auf kleinen Stühlen sitzt man auf Gebetshockern, die im Kreis aufgestellt sind. In der Mitte des Kreises entdecken die neugierigen Kinder aus Frau Schmolzes Kindergartengruppe einiges: verschiedenfarbige  Tücher, mehrere Steine, Schafe, ein farbiges Bild und in der Mitte steht ein Mann mit weißem Gewand und Stock. Die Kinder kommen schnell auf die Idee, dass dieser Mann doch Jesus sein könnte.

Verschiedene Vermutungen werden geäußert und Renate Schmolze bringt mit ihrer ruhigen, klaren und gestenreichen Sprechweise die Kinder schnell auf die richtige Fährte. Die fünfjährige Dominika weiß die Antwort: »Ein Hirte. Der muss aufpassen, dass die Schafe nicht gefressen werden«. Jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Ein kleiner Zweig geht im Kreis herum und alle Kinder dürfen die spitzen Dornen mit ihren Fingern fühlen. Plötzlich hängt ein kleines Schaf an einer Dorne. Schnell wird den immer noch aufmerksamen Kindern klar, dass der Hirte sein Schaf befreien muss. Die Geschichte ist aber noch lange nicht zu Ende. Jedes Kind bekommt noch eine Bildkarte, auf denen wilde Tiere abgebildet sind oder Gegenstände, mit denen der Hirte die Bären oder Löwen fortjagen kann. Hier heißt es genau aufzupassen und zuzuhören, wenn das eigene Kärtchen an der Reihe ist. Natürlich gehört es dann auch für die Kinder dazu, genauso wie ein Bär zu brummen oder wie ein Löwe laut zu brüllen.

In der Zwischenzeit hat die Geschichte ihr Ende gefunden und irgendjemand fehlt und doch war er die ganze Zeit bei uns dabei. »Es ist Gott, der für euch der gute Hirte sein möchte«, lautet die Botschaft an die neun Kinder. Vor allem die Großen schaffen auf ganz natürlichem Wege einen Bezug zu ihrem eigenen Leben und alle im Raum strecken ihren Daumen nach oben: »Gott hat uns alle ganz arg lieb« ist das Schlusswort von Frau Schmolze und ihren Kindern, das keine Fragen mehr offen lässt.

Glaube und er Umgang mit dem Glauben spielen auch eine wichtige Rolle im Alltag der Altenhilfeeinrichtungen. Das drückt sich in den regelmäßigen geistlichen Angeboten für Bewohnerinnen und Bewohner aus, in den Angeboten für Mitarbeitende und in den lebendigen Kooperationen mit den Kirchengemeinden. In Rot an der Rot zum Beispiel hat es sich ein Team von 13 Ehrenamtlichen zur Herzenssache gemacht, für die Sonntags-Gottesdienste zu sorgen. Ein Mal im Monat begleiten sie die Bewohnerinnen und Bewohner in die Kirche und wieder nach Hause ins Seniorenzentrum, ein Mal gestalten sie einen Wortgottesdienst, ein Mal einen Gottesdienst mit Rosenkranzgebet und ein Mal wird zum Fernsehgottesdienst geladen.

»Genau darum geht es«, sagt Karl-Ernst Kreutter, Stabsstelle Mensch und Diakonie bei der Altenhilfe der Zieglerschen, »wir wollen die von uns begleiteten Menschen so annehmen, wie sie sind, und sie auch in ihrem Glauben so begleiten, wie sie sich das wünschen.« Deshalb findet der Glaube auch Eingang in festgelegte Prozesse, wie zum Beispiel in das Bereichshandbuch voll- und teilstationäre Pflege, in den »Prozess Sterbebegleitung«. Darin heißt es: »Ein wesentliches Qualitätsmerkmal diakonischer Sterbebegleitung ist es, Zuspruch bis zuletzt zu geben und Hoffnung über den Tod hinaus zu wecken, damit Begleitete und Begleitende gleichermaßen Trost finden.«

Autorenteam:
Harald Dubyk, Maike Bierwirth, Annette Scherer, Elke Schübert, Jens Walther, Nicola Philipp, Katharina Stohr