Von der Ā»IntensivstationĀ« in eine gesunde Zukunft

Die Schule für Erziehungshilfe/Bildungsgang Realschule am Artinshaus Kleintobel feierte die Einweihung ihrer neuen Gebäude mit einem Festakt und viel Prominenz aus Kirche und Politik.
■ Mit Prominenz aus Kirche und Politik haben die Zieglerschen den Neubau der einzigen Schule für Erziehungshilfe mit Bildungsgang Realschule in Württemberg gefeiert: Die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz predigte beim Gottesdienst, Staatssekretär Rudi Köberle sparte im Namen der Landesregierung nicht mit Lob.

Rolf Baumann, Kaufmännischer Vorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender, erinnerte bei seiner Begrüßung die zahlreichen Gäste daran, dass das Martinshaus, diese traditionsreiche diakonische Jugendhilfeeinrichtung, „auf der Intensivstation gelegen“ habe, als die Zieglerschen als Mehrheitsgesellschafter und die Diakonie der Brüdergemeinde Korntal im Jahr 2000 das Martinshaus auf Bitten des Diakonischen Werks übernahmen. Aus dessen Notfonds hatte das Martinshaus jahrelang gelebt.

Jetzt, acht Jahre später, gehe es dem Martinshaus hervorragend. Die Belegung sei gut, Anfragen aus dem ganzen Land seien da, fachlich und nun auch baulich stehe das Martinshaus hervorragend da. Die Schule bietet als einzige Schule für Erziehungshilfe in Württemberg die Möglichkeit, einen Realschulabschluss zu machen. Die meisten der 70 Kinder und Jugendlichen, die hierher kommen, haben eine seelische Behinderung, etwa ADHS oder auch autistische Behinderungen. Dies bedeutet: Lernen in kleinen Klassen und individuelle und intensive Begleitung.

Staatssekretär Rudi Köberle sparte als Vertreter der Landesregierung nicht mit Lob. Der „Geist der Zuversicht und des Vertrauens in eine gelingende Zukunft“ zeichne die Zieglerschen in all ihren Arbeitsfeldern aus. Das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei das Markenzeichen: „Die Zieglerschen Anstalten sind dem Land ein wichtiger Partner“. Köberle unterstrich die Notwendigkeit einer landesweit einzigartigen Schule wie dem Martinshaus und hob Innovationen, wie etwa eine Klasse für Asperger-Autisten, besonders hervor. Er benannte aber auch das Spannungsfeld, in dem Schulen für Erziehungshilfe heute stehen. Ziel der Bildungspolitik des Landes sei es ganz klar, Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten wo immer möglich an der allgemeinen Schule zu beschulen. Die „E-Schulen“ müssten sich deswegen noch stärker auf Schüler konzentrieren, die an der allgemeinen Schule keine Chance hätten. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen würden sich in Zukunft die Grund- und Hauptschulen noch intensiver schwierigen Jugendlichen zuwenden, sah Köberle voraus. Einer Spezialeinrichtung wie dem Martinshaus wachse dann die Aufgabe zu, die Kompetenz seiner Mitarbeiter noch stärker als bisher in der allgemeinen Schule einzubringen und dort Schüler zu begleiten. Angesichts der Erfolgsquoten der Abgänger – 97 Prozent schaffen ihren Realschulabschluss – könne das Martinshaus stolz darauf sein, „tragfähige Lebensentwürfe zu eröffnen“.

Eva-Maria Armbruster, Fachlicher Vorstand der Zieglerschen, wies darauf hin, dass die Jugendhilfe zwar ein kleiner Bereich im Gesamtunternehmen sei: weniger als fünf Prozent steure sie zum Umsatz von etwa 110 Millionen Euro bei. Das Martinshaus habe aber für die Zieglerschen größere Bedeutung. Insgesamt werden etwa 1.600 Kinder und Jugendliche begleitet: im Hör-Sprachzentrum, in der Haslachmühle und im Martinshaus. Armbruster weiter: „Nimmt man die zahlreichen präventiven und offenen Angebote dazu, dann sind die unter 18-Jährigen unsere größte Zielgruppe.“

Die Zieglerschen seien ein diversifiziertes Sozialunternehmen: „Wir machen es uns zur Aufgabe, Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen passgenau zu unterstützen. Das Martinshaus ist dafür ein hervorragendes Beispiel“. 14 Mitarbeiter in neun Gemeinden als Schulsozialarbeiter und als Kinder- und Jugendbeauftragte unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern, Schulen und Gemeinwesen darin, problematische Situationen möglichst direkt vor Ort lösen zu können. „Sie gestalten dort Lernprozesse, die sich positiv auf die Haltefähigkeit auswirken. Sie tragen dazu bei, dass Teilhabe konkret wird.“ Für die Zieglerschen seien diese sozialraumorientierten Konzepte „Hefe im Teig der fachlichen Weiterentwicklung: Sie  fordern von uns, Prävention und Gemeinwesenarbeit zu denken, methodisch zu gestalten und zu organisieren. In allen Hilfearten sind wir hier auf dem Weg.“

„Dass wir hier im Martinshaus auf dem richtigen Weg sind“, so Eva-Maria Armbruster zum Abschluss: „das zeigen die Nachfragen und die Erfolge“.

Von Christof Schrade