Einblicke in die Schulentwicklung

Momentaufnahme der in Baden-Württemberg einzigartigen Schule für Erziehungshilfe am Martinshaus - von Sonderschulrektor Johann Bürgstein
■ Die sozialpolitische Diskussion müsste uns Bange machen. Leere Kassen, Einspar-„Erfolge“ in den Sozialetats – Teilhabe an der Gesellschaft definiert nach Kosten und nicht nach Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen. In diesem Kontext stellt die Erschließung neuer Aufgaben ein Kontrastprogramm dar. Die Zukunft der Schule in der Erziehungshilfe war der Titel eines Fachtages 2006 in Stuttgart-Rohr. Unsere Schule für Erziehungshilfe mit dem Bildungsgang Realschule stellt die für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten angemessene Form der schulischen Hilfen sicher. Mit diesem Angebot werden wir überregional angefragt. Gleichzeitig sind wir Teil des Bildungsangebotes der Region. Die folgenden Einblicke in unsere Schulentwicklung verdeutlichen die Dynamik und die Bewegung, in der wir uns befinden:

Bauliche Veränderungen. Mit dem Spatenstich am 11.10.2006 beginnt die heiße Phase der Bauarbeiten für das neue Gebäude der Schule im Martinshaus. Stufenteams nehmen die bauliche Veränderung heute schon inhaltlich vorweg. Die Teams für die Klassen 5 bis 7 und 8 bis 10 bilden die künftigen beiden Schulgebäude inhaltlich bereits ab. Entscheidend ist es, sich als Team zu verständigen und gemeinsam zu handeln.

Umgestaltung des Arbeitsplatzes Schule. Schule mit Ganztagesbetreuung – ein Wagnis für junge Menschen mit Schulverweigerungstendenzen. Doch es schafft Spielraum für eine am Jugendlichen orientierte Tagesbetreuung. Gleichzeitig fordert es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heraus den „Arbeitsplatz Schule“ über den ganzen Tag hinweg neu zu begreifen.

Attraktiv für die Jugendhilfe vor Ort. In unserem Programm SIT (Sozial-integrative Tagesbetreuung) nehmen wir Kinder und Jugendliche auf, die noch zu Hause wohnen können, jedoch keine öffentliche Realschule mehr besuchen können. SIT verbindet Schul- und Sozialpädagogik, die Pädagogen arbeiten gemeinsam an den Themen „Tagesstrukturierung“, „Soziales Lernen“, „Schulisches Lernen“ und „Freizeitgestaltung“.

Wachsen durch und an Veränderungen. Zunehmend sind Spezialfälle unsere Spezialität. So brauchen junge Menschen mit einer chronischen Störung der sozialen Kommunikationsfähigkeit, die dauerhaft die Integration in die Gesellschaft verhindert (Asperger Autismus) ein schulisches Angebot. Seit dem Schuljahr 20005/06 gibt es eine „Asperger-Klasse“. Im Schuljahr 2006/07 werden es bereits zwei und im Jahr 2007/08 hoffentlich drei Klassen sein. Das Ziel der Asperger-Klassen: Schonraum sein einerseits und andererseits Anbindung herstellen an „normale“ soziale Bezüge.

Wir sind auf Zak. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich unser Programm Zusammenarbeit - Angebote - Kreativität. Lehrer-Innen, externe Fachkräfte und die MitarbeiterInnen des Heimes bilden sogenannte Z.A.K.-Teams. Die Angebote sind für die Jugendlichen der Klassen 5 bis 9 wählbar, jeder muss sich für ein Angebot entscheiden. Am Ende eines Z.A.K.-Turnus’ von einem halben Jahr steht eine Präsentation sowie eine Beurteilung. So verwirklichen wir die Verbindung von Schul- und Sozialpädagogik mit Leistungsmessung und -beurteilung.

Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule. Berufsausbildung setzt Ausbildungsreife voraus. Das ist kein Automatismus. Zusammen mit dem beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) werden die Möglichkeiten zur Erlangung eines Zertifikates „Ausbildungsreif“ ausgelotet.

Verankert in der Region – offen für das Land. Unsere Schule beteiligt sich am sehr gefragten Programm Selbstevaluation in Schulen (SEIS), um so Stärken und Schwächen zu erkennen. Mit über 70 anderen Schulen im Landkreis beteiligen wir uns am Projekt Regionale Bildungslandschaft, um Chancen für unsere Weiterentwicklung zu erkennen und zu nutzen.