"Die reden nicht blöd hinterm Rücken"

Möglichkeit 8: Ehrenamtliche Arbeit - vier coole Mädchen verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit mit behinderten Kindern
■ Sie sind definitiv die jüngsten Mitarbeiterinnen der Zieglerschen Anstalten. Nina Afflerbach, 14, ihre Schwester Jule, 13, Emma Fischer, 14 und Jana Stockmayer, 13. Sie sind mit vollem Einsatz dabei, aber natürlich ehrenamtlich. Alle vier finden es völlig normal, einen großen Teil ihrer freien Zeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen zu verbringen. Die Frage, ob das cool ist, mit 13 oder 14 Jahren so etwas zu machen, ist nicht ihre Frage.

Jedes Jahr kriegen sie eine ganze Woche schulfrei, um mitzufahren aufs Ski-Schullandheim mit Schülern der Haslachmühle, also mit Kindern und Jugendlichen, die geistig behindert und hör-sprachbehindert sind. Alle Mädchen übernachten in einem Raum, alle spielen, spülen, essen gemeinsam. Und auf der Piste sind sie sowieso zusammen. Die Schulwoche später wieder aufzuholen, das ist kein Problem für sie. Nina Afflerbach:  "Das stecken wir locker weg.“ Sie sind begeistert dabei. Wie das 13- und 14-jährige Mädchen halt so machen, kümmern sie sich mit größter Selbstverständlichkeit darum, dass jeder Mütze und Handschuhe dabei hat, wenn’s aus der Hütte hinaus auf die Piste geht. Und auf der Piste selbst haben sie zusammen mit den erwachsenen Betreuern natürlich ein waches Auge auf die Kinder und Jugendlichen aus der Haslachmühle. Aber als Arbeit empfinden sie das nicht. Auf einer Skihütte gibt es die Unterschiede nicht, die sonst doch manchmal besonders von Erwachsenen so sorgsam gepflegt werden. Jeder hilft jedem und alle miteinander haben großen Spaß. Vor allem wird viel gelacht und die vier Mädchen lachen auch noch beim Interview, wenn sie sich an lustige Spieleabende oder akrobatische Einlagen auf der Skipiste erinnern.

Ihr soziales Engagement geht noch weiter. Integrativer Zirkus, integrative KiSS (Kindersportschule), Aushelfen im Pflegeheim: für die Mädchen ist das selbstverständlich. Den Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung genießen sie sehr: „Die reden nicht blöd hinterm Rücken, die sagen offen, was ihnen nicht passt, die sind unverstellt.“

Von Christof Schrade