Die Begegnung mit einem früheren Patienten als Schlüsselerlebnis

Wie ehemalige Suchtpatienten ihre Erfahrungen un der Therapie einbringen. Natürlich ehrenamtlich.
Können Freiwillige, also fachliche Laien, Suchtkranken helfen? Sind sie, nur als Beispiel, einem Drogenabhängigen gewachsen? Können sie sich bei einem alkoholabhängigen Menschen Gehör verschaffen? Kann es also ehrenamtliches Engagement in der Suchtkrankenhilfe geben? Natürlich! Und zum Glück gibt es davon immer mehr.

Da sind zum Beispiel die Selbsthilfegruppen. Sie heißen Freundeskreis, Kreuzbund, Blaukreuz oder Anonyme Alkoholiker und folgen alle dem gleichen Prinzip: von Sucht betroffene Laien finden sich – freiwillig und ehrenamtlich – zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Es ist erwiesen, dass Suchtkranke, die sich nach der Therapie einer Selbsthilfegruppe anvertrauen, wesentlich seltener rückfällig werden als jene, die das nicht tun. Die Botschaft, gerade im ersten Jahr, im schwierigsten nach der klinischen Therapie: Abstinenz ist zu schaffen, wir haben es
auch geschafft.

Und nicht nur nach der Therapie helfen die Freiwilligen – sie werden auch direkt in die Suchttherapie einbezogen. Mitglieder aus  Selbsthilfegruppen bzw. ehemalige Patientinnen und Patienten werden von den Therapeuten regelmäßig eingeladen, um aus erster Hand von ihren (Sucht-)Erfahrungen zu berichten. Zum Beispiel, wie schlecht es ihm oder ihr mit der Sucht ging, wie er oder sie während der Therapie mit Gott und der Welt haderte und danach eigentlich nicht in eine Selbsthilfegruppe gehen wollte. Wie er oder sie es dann eben doch getan und nie bereut hat. Und dass er oder sie heute sogar als Leiterin oder Leiter der Selbsthilfegruppe auftritt. Für die PatientInnen sind das oft  Schlüsselerlebnisse, die ihnen Mut machen, Hemmschwellen zu überwinden und später selbst den Kontakt zu einer Gruppe aufzunehmen.

Ehemalige Patientinnen und Patienten spielen aber nicht nur in den Selbsthilfegruppen eine wichtige ehrenamtliche Rolle. Auch der Förderkreis der Fachkrankenhäuser, ebenfalls ehemalige PatientInnen, trägt mit großzügigen Spenden dazu bei, gute Rahmenbedingungen für erfolgreiche Therapien zu schaffen – eine besonders wertvolle Art des Ehrenamts (siehe Porträt S. 12)! Zudem bereichern viele ehemalige Mitarbeiter ehrenamtlich die tagtägliche Arbeit der Suchtkrankenhilfe mit ihren Beiträgen im Rahmen des Unterrichts oder bei Partnerseminaren und bei indikativen Gruppenangeboten wie zum Beispiel „Sucht und Sinn“. Die ehrenamtlichen „Laien“, ihre unmittelbare Erfahrung und ihr Fachwissen sind eine wertvolle Ergänzung der Therapie, die für die PatientInnen von unschätzbarer Bedeutung sind.

Von Maria Keller