Diakonisches Fensterputzen?

Die Service GmbH der Zieglerschen ist ein rasanter Jobmotor, bringt Menschen in Arbeit, die auf dem ersten Arbeitsmarkt sonst nur wenig Chancen haben und zahlt faire Löhne. Eine Erfolgsgeschichte.
■ Sind Fensterputzen, Rasen mähen oder Kartoffeln schälen in einem diakonischen Unternehmen gleich diakonische Arbeit? Diakonisches Fensterputzen? Diakonisches Rasenmähen? Für die Service GmbH, jüngste Tochtergesellschaft der Zieglerschen, stellt sich diese Frage nicht nur theoretisch. Denn ihr Geschäft sind Hauswirtschafts-, Küchen-, Technik-, Objektreinigungs- und andere Dienstleistungen. Und das unter der Flagge und mit dem Anspruch Zieglersche Anstalten.

Die Gründung der Service GmbH war ein Balanceakt. Auf der einen Seite die potenziellen Kunden und ihre klaren Wünsche – vor allem die Häuser und Einrichtungen der Zieglerschen, die genau so unter dem viel zitierten Kostendruck stehen, wie andere auch. Auf der andern Seite der Ruf der Zieglerschen als verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber. Günstig sollten die Leistungen der Service GmbH also sein und gleichzeitig den Mitarbeitenden faire Löhne zusichern. Und das in einer Branche, in der eigener wirtschaftlicher Druck meist direkt an die Angestellten weitergegeben wird, und in der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlöhne, zum Beispiel in der Gebäudereinigung, oft nicht bezahlt werden.

Zum 1. Mai 2005 stellte die Service GmbH ihren ersten Mitarbeiter ein: Thomas Baur, den Leiter der Küche im Fachkrankenhaus Ringgenhof. Seitdem hat das Unternehmen eine rasante Entwicklung genommen: Ende 2005 waren bereits 56 Menschen in der Service GmbH beschäftigt, heute sind es 226. Aus bescheidenen Erwartungen ist ein also Erfolgsmodell geworden – für alle Beteiligten.

Die Service GmbH zahlt Löhne und Gehälter, die in der Höhe des Tarifvertrages des Öffentlichen Dienstes (TVÖD) liegen. Die Einhaltung gesetzlicher Mindestlöhne versteht sich von selbst. Und trotzdem wurde dank umsichtigen Wirtschaftens und steuerlicher Vorteile das wichtigste Gründungsziel erreicht: die Service GmbH kann ihre Dienstleistungen günstiger anbieten als externe Dienstleister. Und das als Unternehmen, das voll ins diakonische Gesamtunternehmen integriert ist! Und bei besserer Qualität.

Noch etwas hat sich in drei Jahren des gelungenen Experiments Service GmbH ergeben: Immer mehr Menschen sind hier in Arbeit, die es sonst eher schwer haben auf dem ersten Arbeitsmarkt. Langzeitarbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, für die es schwierig ist, ihr Leben eigenständig und möglichst unabhängig von staatlicher Unterstützung zu gestalten. Dafür arbeitet die Service GmbH eng mit den regionalen Agenturen für Arbeit zusammen, nimmt gezielt Personalvorschläge auf und kann von Eingliederungszuschüssen profitieren.

Und so sind Fensterputzen, Rasen mähen oder Kartoffeln schälen in der Service GmbH eben doch diakonische Aufgaben. Im ganz ureigensten Sinne der Diakonie.

Von Uwe Fischer