Der bemerkenswerte Beginn einer "wunderbaren Freundschaft"

Wie das Seniorenzentrum Denkendorf seine Ehrenamtlichen gewann. Eine Erfolgsgeschichte.
In der Theorie liest sich das leicht: Wenn die Zieglerschen Anstalten in einer Gemeinde ein neues Pflegeheim bauen, sind nicht nur Architekten, Ingenieure und Handwerker von Anfang an einbezogen, sondern genau so Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Doch wie sieht diese Einbeziehung in der Praxis aus? Ein Blick auf die Geschichte des vor wenigen Wochen in Betrieb genommenen Martin-Luther-Hauses in Denkendorf.

Das Martin-Luther-Haus in Denkendorf im Kreis Esslingen wurde im Grunde drei Mal eröffnet. Ein Mal in der Planung, als das Pflegeheim im Geiste und auf dem Papier entstand. Ein Mal, als es im November 2006 schließlich offiziell eingeweiht wurde. Und dann noch ein Mal, mehr als fünf Monate vor der Eröffnung, als rund 70 Menschen darüber berieten, wie das künftige Leben im neuen Pflegeheim wohl aussehen könne. Und was sie – freiwillig und ehrenamtlich versteht sich – dazu beitragen könnten.

Die 70 waren auf Einladung von Bürgermeister Peter Jahn gekommen. Jahn, seit 20 Jahren Bürgermeister des Städtchens Denkendorf, lag es am Herzen, dass auch das neue Pflegeheim ein lebendiger Teil der Gemeinde wird. Also holte er alle an einen Tisch. Tat sich mit den Verantwortlichen des Bauherrn Ev. Altenheime gGmbH zusammen, mit der evangelischen und der katholischen Gesamtkirchengemeinde des Ortes, mit der Altpietistischen Gemeinschaft und dem Verein Senioren- und Altenhilfe, um möglichst viele zum Mitmachen einzuladen. Dass am Ende rund 70 kamen – nicht schlecht für einen 10.000-Einwohner-Ort.

Die 70 Engagierten entwickelten das, was man heute gern „eine Vision“ nennt. Sie trugen Wünsche und Ideen zusammen, diskutierten und überlegten, wie das künftige Leben im Seniorenzentrum wohl aussehen könne. Mehr als 50 konkrete Vorschläge kamen zusammen. Warum nicht ein Sonntagscafé einrichten oder einen örtlichen Mittagstisch für Senioren? Wie lässt sich ein Besuchsund Fahrdienst organisieren und wie sorgen wir für interessante musikalische, kulturelle und heimatkundliche Angebote? Und wie wird eigentlich der seelsorgerliche Beistand gesichert, bis hin zur Hospizarbeit? Ein Teil dieser Ideen wurde noch im Bau des damals unfertigen Hauses berücksichtigt, so dass es im Martin-Luther-Haus heute unter anderem eine großzügige Cafeteria, individuelle Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume, einen Andachtsraum und eine Garten- und Außenanlage gibt.

Doch Ideen und Wünsche an einem fröhlichen Abend sind das eine – wie aber organisiert man eine verlässliche ehrenamtliche Unterstützung dann ganz praktisch? Hier waren die Verantwortlichen der Ev. Altenheime gGmbH gefragt. Zunächst suchten sie sich so genannte Koordinatoren für die verschiedenen ehrenamtlichen Bereiche – und zwar noch VOR der Eröffnung des Seniorenzentrums. Dann wurde ein ganzer Verein, der „Verein Senioren- und Altenhilfe Denkendorf“, dazu gewonnen, künftig als Förderverein des Martin-Luther-Hauses zu fungieren. Das bedeutet: der Verein unterstützt nicht nur die vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben ideell und finanziell, sondern wird ab Januar 2007 auch den Cafeteria-Betrieb organisieren. Für die seelsorgerliche Begleitung, auch so ein wichtiger Wunsch, wurde die Altpietistische Gemeinschaft gewonnen. Sie betrieb bis 2003 das alte, kleinere Pflegeheim am Ort und stellt künftig eine Teilzeitstelle für seelsorgerliche Aufgaben. Doch die Arbeit mit den Ehrenamtlichen endet nicht mit der Aufgabenverteilung. Deshalb stand gleich Ende November, nicht mal vier Wochen nach der Eröffnung des Hauses, ein Schulungsabend für die Ehrenamtlichen auf dem Programm. Erste Erfahrungen wurden ausgetauscht und die nächsten guten Ideen gesammelt.

Das Martin-Luther-Haus mit seinen 76 BewohnerInnen und seinen fast ebenso vielen (!) Ehrenamtlichen sind also auf einem guten, einem sehr guten Weg. Oder wie heißt es so schön im Filmklassiker „Casablanca“: „Das ist Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

Von Karl-Ernst Kreutter