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Eine der rund 1.000 Ehrenamtlichen der Zieglerschen ist Iris Schmid aus Heiligenberg. Die 55-Jährige ist seit einem Jahr monatlich ungefähr 40 Stunden unterwegs, um die Ambulanten Dienste der Behindertenhilfe freiwillig zu unterstützen. Die Ambulanten Dienste helfen Menschen mit Behinderung zu Hause in ihren Familien oder in ihren eigenen Wohnungen. 65 Ehrenamtliche bringen sich in den unterschiedlichsten Bereichen dieser Dienste ein. Iris Schmid begleitet und unterstützt beispielsweise Erwachsene mit Behinderung bei einem festen Freizeitangebot: »Ich spiele Chauffeur und fahre mit den Betreuten zum Kegeln oder zu Feierabend-Hocks oder wir besuchen Musikveranstaltungen«, zählt sie auf.
Während dieser Dienst hauptsächlich an den Wochenenden stattfindet, betreut sie regelmäßig am schulfreien Mittwochnachmittag externe Schüler der Haslachmühle, der Heimsonderschule für Menschen mit Hör-/ Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung. »Wir essen gemeinsam zu Mittag und spielen danach je nach Wetterlage drinnen oder draußen, bis der Bus um 15.30 Uhr die Schüler abholt und nach Hause fährt«, sagt sie. Außerdem kümmert sie sich zusätzlich um eine jüngere erwachsene Frau, die im Rollstuhl sitzt und bei ihren Eltern wohnt. Diese liebe es, in der Öffentlichkeit zu sein. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft habe sie sie zum Public Viewing begleitet und im Sommer betreue sie die Frau auch während deren Urlaub tagsüber.

»Ich spiele Chauffeur und fahre mit den Betreuten zum Kegeln oder zu Feierabend-Hocks oder wir besuchen Musikveranstaltungen. Ich als Iris bin willkommen und ich bin angenommen, wie ich bin.«<br /><br />
Iris Schmid<br />
Ehrenamtlich aktiv für die Ambulanten Dienste der Behindertenhilfe der Zieglerschen  »Immer mehr Kinder sind auf Unterstützung angewiesen. Als eine private anerkannte Ersatzschule ist das Sprachheilzentrum von den Sparbeschlüssen im Gesundheits- und Sozialwesen stark betroffen. Dies zwingt uns zum Handeln.«<br /><br />
Gabi Löffler<br />
Lehrerin am Sprachheilzentrum und ehrenamtliche Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des Fördervereins  »Unser Sohn war vor einigen Jahren im Martinshaus Kleintobel und hat hier, dank der kompetenten und motivierten Mitarbeiter, den Realschulabschluss geschafft. Wir fanden, diese wertvolle Arbeit muss unterstützt werden.«<br /><br />
Dieter Martin<br />
Mitbegründer des Förderkreises des Martinshauses Kleintobel
Bilderstrecke: Ehrenamtliche in den Zieglerschen (5 Bilder).

Während sich die Ehrenamtlichen der Ambulanten Dienste meist im direkten Kontakt zu den betreuten Menschen der Behindertenhilfe betätigen, sorgen die Mitglieder der Fördervereine der Zieglerschen auf einer weiteren Ebene für die Nächsten. Dieter und Anita Martin aus Kornwestheim gründeten vor vier Jahren zusammen mit vier weiteren Personen den Förderkreis des Martinshauses Kleintobel, der Jugendhilfe der Zieglerschen. Was die beiden dazu veranlasste, erklärt Dieter Martin der visAvie: »Unser Sohn war vor einigen Jahren im Martinshaus Kleintobel und hat hier, dank der kompetenten und motivierten Mitarbeiter, den Realschulabschluss geschafft,« sagt er. In dieser Zeit haben er und seine Frau die nötige Unterstützung erhalten, für die sie sehr dankbar sind. »Schon damals haben wir uns in der Elternvertretung engagiert und mit der Leitung des Hauses viele Ideen ausgetauscht«, berichtet er weiter. »Hier haben wir großes Verständnis und jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Eltern und Betroffenen erfahren.«

Diese positive Zusammenarbeit wollten Martins nicht abbrechen lassen, nur weil ihr Sohn nach Erreichen des Schulabschlusses das Martinshaus verlassen hatte. »Wir fanden, diese wertvolle Arbeit und das große Engagement der Mitarbeiter muss unterstützt werden. So wurde die Idee eines Förderkreises geboren.« Ziel ist, Eltern und anderen Personen die Möglichkeit zu geben, das Martinshaus ideell und finanziell zu unterstützen und mit dem Martinshaus verbunden zu bleiben. »Wir initiierten zum Beispiel ›Bautage‹ und sind als Förderkreis auch der Johannes-Ziegler-Stiftung beigetreten. Uns ist wichtig, dass es diese diakonische Arbeit im Martinshaus auch in Zukunft gibt«, sagt Dieter Martin. Dadurch würden jungen Menschen Chancen eröffnet, die sie sonst in unserer Gesellschaft nicht mehr hätten.

»Das Martinshaus gibt Kindern neue Perspektiven, nimmt Eltern Sorgen ab und vermittelt Hoffnung auf eine positive Zukunft«, fasst er zusammen. In Zeiten finanziell schwieriger Bedingungen können er und seine Frau über den Förderkreis Projekte unterstützen, die ansonsten nicht möglich wären. »Wir bringen uns gerne im Sinne dieser Lobbyarbeit für das Martinshaus ein, weil wir wissen, dass diese Arbeit direkt den jungen Menschen zukommt.«

Selbst gemachte Erfahrungen sind es auch, die Franz Mayer im Förderkreis der Suchthilfe tätig sein lassen. Er überlegt: Ehrenamt? »Ich mach’s nicht aus Ehre«, antwortet er, »mehr aus Überzeugung und aus meiner eigenen Betroffenheit heraus.« Den Begriff Ehrenamt will er nicht verwenden. Vielmehr sei es freiwilliges Engagement, sagt er. Seit er den Vorsitz des Förderkreises der Suchthilfe übernommen hat, konnte der heute 64-Jährige viel bewegen. Der Verein zählt inzwischen 3.000 Mitglieder und ist aus dem Umfeld der Suchthilfe der Zieglerschen nicht mehr wegzudenken.

1963 gegründet, wurde er in Baden-Württemberg zur Keimzelle für die vielen Freundeskreise, die inzwischen existieren und wertvolle ehrenamtliche Arbeit für Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung leisten. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder 61.564 Euro gespendet. Geld, das für Projekte in den fünf Einrichtungen der Suchthilfe in den Zieglerschen dringend benötigt wird, da vieles von den Kosten- und Leistungsträgern in der medizinischen Rehabilitation nicht mehr finanziert wird.

Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen und einigen wenigen Aktiven ist Franz Mayer bis zu 15 Stunden in der Woche für den Förderkreis unterwegs. »Es ist immer noch ein heikles Thema, sich für Suchtkranke einzusetzen«, sagt Franz Mayer. Viele meinten: selber schuld, wenn man zur Flasche greift oder sich die Nadel setzt. Aber er will nicht nur klagen. Es gibt auch schöne Momente, für die es sich dann wieder lohnt, ehrenamtlich im Auftrag des Förderkreises seine Runden zu ziehen. Sein schönstes Erlebnis? »Wenn ich spüre, dass unsere Mitglieder von dem Wenigen, was sie haben, noch was geben. So spendete einmal eine Frau 2,50 Euro, obwohl sie nichts, aber auch gar nichts hatte. Das hat mich sehr berührt«, erzählt er.

Dass Ehrenamt immer schwieriger wird, spürt er zunehmend. Heute steige der Zeitaufwand für ehrenamtlich Tätige stetig. Immer weniger würden sich an ein solches Amt heranwagen, aus Angst, unter der Mehrbelastung zu zerbrechen. Mit 64 denkt er natürlich auch über seine Nachfolge nach. »Das wird schwer«, sagt er, »für jemanden, der berufstätig  ist, wird es richtig schwer, ein Ehrenamt wie dieses zu schultern.« Ja, viel Zeit haben müsste ein möglicher Nachfolger. Franz Mayer überlegt kurz. »Ich denke, ich mach’s noch ein paar Jahre. Dann wird man sehen.«

Auch die Freiwilligen des Fördervereins Sprachheilzentrum e.V. wollen ideell und materiell unterstützen. Wenn Lehrer, Eltern und Erzieher aus Schule und Kindergarten selbstgebackene Weihnachtsplätzchen, selbstgestrickte Socken sowie alkoholfreien Kinderpunsch am Ravensburger Christkindlesmarkt verkaufen, dann ist das eines jener Projekte, dessen Erlös benachteiligten Kindern mit Sprachstörungen zugute kommt.

»Unsere letzte Aktion war im Dezember 2009: Es gab für alle Klassen einen Gutschein, mit welchem Spiele oder Ausflüge mit der Klasse finanziert wurden. Das war Weihnachten im Sprachheilzentrum!«, sagt Gabi Löffler, die Lehrerin am Sprachheilzentrum und ehrenamtlich als Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des Fördervereins tätig ist. Ein weiterer Höhepunkt ist seit Juli 1998 die jährliche Teilnahme von vier Klassen am Rutenfest. »Es wurden damals für unsere Schule 65 neue Kostüme genäht«, sagt Gabi Löffler, »die Schüler freuen sich, am Ravensburger Hochfest teilnehmen zu dürfen.«

Mit 91 Mitgliedern hilft der Förderverein außerdem bei sozialen Härtefällen. »Immer mehr Kinder sind auf Unterstützung angewiesen,« sagt Gabi Löffler. Gründungsanlass für Lehrer, Eltern und Freunde sei vor 13 Jahren das damalige 25-jährige Jubiläum des Sprachheilzentrums gewesen. »Als eine private anerkannte Ersatzschule ist das Sprachheilzentrum von den Sparbeschlüssen im Gesundheits- und Sozialwesen stark betroffen. Dies zwang uns zum Handeln.«

Ehrenamt als Gewinn für alle – so sieht Eva-Maria Armbruster, fachliche Geschäftsführerin der Altenhilfe, den Einsatz der rund 800 ehrenamtlich und bürgerschaftlich Engagierten in der Altenhilfe. Die Bewohner der Altenhilfeeinrichtungen werden durch das Ehrenamt vor Ort begleitet, durch den Besuch von Menschen aus der Gemeinde. Es geht um diese andere Art von Begegnung, um eine freiwillige Begegnung. Das ist etwas anderes als der  professionelle Umgang mit einer bezahlten Pflegekraft, auch wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich auf eine sehr persönliche Weise um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmern «, sagt sie. Ehrenamtliche aus der Gemeinde zeigten durch ihr Engagement: Wir haben Sie nicht vergessen, Sie gehören auch im Pflegeheim zu unserer Gemeinde.

Ein »Hand in Hand von Einrichtung und Ehrenamt« sei gefragt. »Pflege ist nicht unsere Aufgabe«, bestätigt Hannelore
Daiß. Die 78-Jährige ist seit Gründung des Katharinenstifts 1996 als treibende Kraft in der Kontaktgruppe ehrenamtlich aktiv. Deren Ziel ist es, eine Brücke zu bauen, von der Gemeinde ins Pflegeheim. Es geht darum »das Draußen, das die Bewohner nicht mehr erleben können, nach Drinnen zu bringen«, so Hannelore Daiß.

Darüber hinaus bedeutet das Ehrenamt in der Altenhilfe auch einen Gewinn für Träger und Haus. »Durch unsere Ehrenamtlichen wird unser Haus in die Gemeinde eingebunden. Das Haus und dessen Bewohner bekommen eine lebendige Nachbarschaft«, sagt Eva-Maria Armbruster. Und: »Wir machen unsere Arbeit transparent. Wir bekommen freundschaftlich kritische Rückmeldung von unseren Ehrenamtlichen, was uns sehr wichtig ist« fügt sie hinzu. »Auf der anderen Seite wollen auch Ehrenamtliche betreut werden, haben Wünsche und Vorstellungen, die wir sehr ernst nehmen.«

Auch die Gesellschaft gewinnt. »Die Ehrenamtlichen lernen viel dazu, zum Beispiel über den Umgang mit demenzkranken Menschen. Dieses Wissen und Können geben sie weiter: In Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Familie, Nachbarn und im  Umgang mit betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und deren Angehörigen« sagt Karl-Ernst Kreutter, der in der Altenhilfe für Ehrenamtliche zuständig ist. Das Verständnis für alte Menschen wachse und das trage zu mehr Hilfsbereitschaft und einer größeren Normalität im Umgang mit alten Menschen bei. »Dieses Verständnis wird die Gesellschaft in Zukunft mehr und mehr brauchen«, sagt Karl-Ernst Kreutter.

Autorenteam:
Christian Glage, Dieter Martin, Harald Dubyk, Gabi Löffler, Nicola Philipp, Katharina Stohr