Daheim statt Heim - ein Plädoyer gegen die "Sonderwelt" Heim

Gedanken von Silvia Schmidt (MdB), Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion
■ Die Bundesinitiative „Daheim statt Heim“ wurde am 1. Dezember 2006 gegründet, um die Rechte älterer und behinderter Menschen auf ein Leben in der eigenen Häuslichkeit und in der Gemeinde zu verwirklichen. Denn die „Sonderwelt“ Heim schließt diese Menschen von der Teilhabe aus, entgegen der „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, dem „Aktionsplan der Kommission der Europäischen Gemeinschaften“ aus dem Jahr 2005 und dem „Sozialgesetzbuch IX“. Der Teilhabegedanke hat den Fürsorgegedanken abgelöst. Das Wunsch- und Wahlrecht des Menschen, wie und wo er leben möchte, ist gesetzlich festgelegt. Um es verwirklichen zu können, muss jeder die nötige Assistenz und Unterstützung  erhalten. Die Forderung der Bundesinitiative „Daheim statt Heim“, den Bau neuer Heime zu stoppen und bestehende Heimplätze abzubauen, geht einher mit der Entschlossenheit, flächendeckend individuellbedarfsdeckende vernetzte Unterstützungsangebote für ältere und behinderte Menschen aus- und aufzubauen.

Mit Hilfe des persönlichen Budgets werden die Menschen zu Arbeitgebern, die entsprechende Dienstleistungen auswählen und „kaufen“ können. Der Grundsatz „Daheim statt Heim“ muss in allen gesetzes- und verwaltungstechnischen Regelungen auf allen Ebenen und in der Praxis verwirklicht  werden. An diesem Reformprozess müssen die Betroffenen nach der Devise „Nichts über uns ohne uns“ beteiligt werden.

Dies gilt besonders für die Pflegekräfte in den Heimen und die pflegenden Angehörigen zu Hause. Denn die Hochachtung vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in Heimen Menschen vor Isolierung und Verwahrlosung bewahren, und der ehrliche Respekt vor den zahlreichen Angehörigen, die aufopferungsvolle Pflege und Fürsorge leisten, stehen nicht in Frage. Wie das Beispiel Schweden zeigt, entstanden nach dem Abbau aller Heime 500 000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Viele Verbände, Selbsthilfegruppen, Einzelinitiativen und einige wenige Anbieter setzen sich schon für diese Ziele ein. Gemeinsam schaffen wir ein neues, menschenwürdiges und zuverlässiges Assistenz-, Dienstleistungs- und Unterstützungssystem, das Selbstbestimmung, Privatheit und Autonomie garantiert. Im Mittelpunkt stehen der Mensch und seine Wahlfreiheit für „Daheim statt Heim“.