Daheim im Heim oder in der WG - pauschale Lösungen gibt es nicht

Gedanken von Ursula Belli, Geschäftsführerin der Behindertenhilfe gGmbH der Zieglerschen
■ Was als glückliches und erfülltes Leben gilt, das ist bei Menschen mit und ohne Behinderung eine ganz individuelle Sache. Gemeinsam mit den Angehörigen und dem Umfeld sehen wir als Behindertenhilfe gGmbH unsere Aufgabe darin, eine Wohn- und Arbeitssituation zu schaffen, in der sich jeder Einzelne nach seinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten entfalten kann. Unsere Angebote reichen deshalb von ambulant betreutem Wohnen in Familien, über ausdifferenzierte Arbeits- und Beschäftigungsformen, bis hin zur intensivpädagogischen, stationären Betreuung – Angebote, die so vielfältig sind, wie die Menschen, die sie nutzen.

Die praktischen Erfahrungen zeigen, dass solche Angebotsstrukturen die behinderten Menschen darin unterstützen, selbständiger zu leben und ihnen damit die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Für die Verwirklichung des gesetzlich garantierten Wunsch- und Wahlrechtes sollte, nach Ansicht der Träger der Eingliederungshilfe, zunächst gefragt werden, welchen individuellen Bedarf und welches persönliche Bedürfnis der einzelne Mensch hat und wo er sich, nach seinen Möglichkeiten, am besten entfalten kann. Genauso wie Menschen ohne Behinderung suchen sich Menschen mit Behinderung ein Umfeld aus, das zu ihnen passt.

Eine individuelle Begleitung und Förderung für Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlicher Hör-Sprachbehinderung kann beispielsweise nur dann geschehen, wenn Bedürfnisse selbständig kommuniziert werden können. Durch die konsequente Anwendung der Gebärdensprache in einem geschützten Sprachraum wie der Haslachmühle werden die Menschen angemessen unterstützt und erleben die Kommunikation nicht als Barriere im Alltag. In einem unbeschützten Sprachraum wie in einer Stadt, ohne Anbindung an eine Spezialeinrichtung, bestünde, aufgrund der mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten, für viele unserer Bewohner langfristig die Gefahr der Vereinsamung – das Gegenteil von Teilhabe.

Unsere langjährige Erfahrung in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen zeigt, dass zunächst jeder Hilfebedarf des einzelnen Menschen individuell herausgestellt werden muss, bevor eine passgenaue Leistung angeboten werden kann. Abgestimmt mit den persönlichen Wünschen und Vorstellungen des Hilfesuchenden kann das Angebot dann ausdifferenziert werden. In diesem Prozess muss stets hinterfragt werden, ob tatsächlich ambulante Angebote den stationären Wohnformen vorzuziehen sind – oder, ob diese Entscheidung nicht auch individuell von jedem Menschen selbst getroffen werden sollte.