Mit Energie & Herz von vorne anfangen

»Olé, olé, olé, olé …!« wenn sie derartige Jubelgesänge künftig von Ihrem Nebensitzer in der Dortmunder Fankurve hören, dann sollten Sie zweimal hinschauen. Denn der begeisterte Fan neben Ihnen könnte Monika Materna sein, die neue Leiterin des Seniorenzentrums »Im Welvert« in Villingen. Ja, Monika Materna ist Dortmund-Fan mit Leib und Seele, stammt sie doch selbst aus der grössten Stadt des Ruhrgebiets. Daneben ist sie begeisterte Chorsängerin, eine energiegeladene, stressresistente Frohnatur und eine gute Teambildnerin. Außer Borussia Dortmund liebt sie Spaghetti in allen Variationen, offene Seniorenheime, die mit Leben gefüllt und von vielen mitgestaltet werden. Und natürlich Rudi, ihren struppigen ehemaligen rumänischen Strassenhund. Ein Porträt.
? »Ich finde es schön, nochmals ganz von vorne anfangen zu können, auch wenn mir der Abschied von Bad Waldsee nicht leicht gefallen ist«, gesteht sie kurz nach ihrem Umzug. Im Juni hat sie Abschied genommen vom Seniorenzentrum der Zieglerschen in Bad Waldsee, das sie fast acht Jahre lang geleitet hat. Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter, Ehrenamtliche, junge Menschen von der Ergotherapie-Schule, Praktikanten … Alle waren sie da, um der sympathischen Leitungskraft mit Liedern, Sketchen und Tänzen auf eine ganz besonders herzliche Art »Auf Wiedersehen« zu sagen. Auch Steffen Bucher, Regionalleiter in der Altenhilfe der Zieglerschen, dankte der beliebten und geschätzten Heimleiterin für alles, was sie an ihrer bisherigen Wirkungsstätte aufgebaut und entwickelt hat. Nun freue er sich riesig darüber, dass sie sich entschieden habe, sich in Villingen beim Aufbau des Seniorenzentrums mit ihrer Offenheit, Kompetenz und Erfahrung einzubringen.

Von Anfang an war Monika Materna in die Planungen des neuen Seniorenzentrums der Zieglerschen in Villingen involviert und konnte ihre Ideen und Vorstellungen einbringen. »Für mich war es toll, dass ich auch bei der Inneneinrichtung und -gestaltung mitwirken durfte. Das wird richtig schön in unserem neuen Haus. Unser neues Bad hat eine Sprudelbadewanne und eine tolle Fototapete mit tanzenden Goldfischen – das ist fast schon ein Wellnessbad geworden«, schwärmt sie.

Seit ihrem Umzug nach Villingen hat die 58-Jährige viel gearbeitet und in die Wege geleitet, damit der Start gelingt und die neuen Bewohner sich von Anfang an wohlfühlen können. »Das waren teilweise sehr harte Wochen«, räumt sie ein. »Doch jetzt freue ich mich, dass wir hier mit einem jungen und motivierten neuen Team an den Start gehen können«, erklärt sie. Ihre Stellvertreterin in Villingen wird die 34-jährige Christine Vollprecht. Die ersten Teamtreffen fanden bereits im Juli statt. Gemeinsam wurden Dienstpläne besprochen, Arbeitsabläufe geklärt. Alle Mitarbeiter – von der Verwaltung über die Hauswirtschaft bis zum Pflegepersonal – wurden im Umgang mit dementen Menschen geschult. »Das halte ich für sehr wichtig«, erklärt Materna. Anschließend haben alle gemeinsam ein leckeres Essen gekocht. Denn ein gutes und offenes Miteinander ist Monika Materna sehr wichtig, sowohl mit den Bewohnern als auch mit den Mitarbeitenden. »Natürlich freue ich mich auch mal über Lob, dass wir unsere Arbeit gut gemacht haben – ob an mich oder an meine Mitarbeiter. Aber ich bin auch offen für konstruktive Kritik«, erklärt sie.

Monika Materna ist gelernte Krankenschwester mit viel Berufserfahrung. Vor ihrer Zeit in Bad Waldsee hat sie 10 Jahre lang in der Psychiatrie gearbeitet, 15 Jahre Ambulante Pflegedienste geleitet und in einer Altenpflegeschule als Dozentin gearbeitet. Trotz der Herausforderungen, denen sich die Altenhilfe zu stellen hat, findet sie sehr positive Worte für einen Beruf, der überall mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat: »Das ist ein sehr interessanter Beruf mit ganz verschiedenen Bereichen wie Pflege, Betreuung, Angehörigenberatung, Öffentlichkeitsarbeit und Personalführung. Hier wird’s einem mit Sicherheit nie langweilig. Alte Menschen verstellen sich nicht und geben viel zurück. Wichtig ist, dass man Freude an der Arbeit hat. Man kann zu alten Menschen besser Beziehungen aufbauen als in einem Krankenhaus und gleichzeitig vieles aus der Grundausbildung einsetzen.«

Wenn Monika Materna mal nicht arbeitet, besucht sie ihren Lebensgefährten in Ravensburg, malt, liest oder sie geht mit ihrem Hund Rudi spazieren, den sie scherzhaft ihren »tiefergelegten Schäferhund« nennt. »Er zwingt mich, eine Mittagspause zu machen und mit ihm zu laufen – das tut gut und macht frisch.« Rudi begleitet sein Frauchen seit sieben Jahren von morgens bis abends. In Bad Waldsee hatte er sich zum Liebling der Mitarbeiter und Bewohner entwickelt. Nicht selten wurde Monika Materna morgens mit einem freundlichen »Guten Morgen, Rudi« begrüßt. Immer wieder war der Hund gefragt als persönlicher Begleiter beim Spaziergang um den See. Eine alte an Demenz erkrankte Dame erkannte am Ende keinen Menschen mehr. Als Rudi sie in ihrem Zimmer besuchte, flüsterte sie sofort: »Rudi!« »Er ist ein absoluter Goldschatz«, bestätigt auch Gabriele Moosmann, die Nachfolgerin von Monika Materna im Seniorenzentrum Bad Waldsee. Die neuen Bewohner in Villingen dürfen also auf den freundlichen, struppigen Wirbelwind gespannt sein.

Von Annette Scherer