»Diese Kirche hätte auch Jesus gefallen«

Die Ravensburger Vesperkirche 2014 ist Geschichte: mehr als 100.000 Euro Spenden gingen dafür ein und ermöglichten drei Wochen Begegnung, Kultur und Essen für 12.355 Gäste – so viele, wie noch nie!
Ein Hauch von Wehmut lag über den letzten Tagen der Ravensburger Vesperkirche. 20 Tage lang, vom 28. Januar bis zum 16. Februar prägten gemeinsames Essen, Begegnungen und Kultur das Bild der evangelischen Stadtkirche in Ravensburg. Am 16. Februar hatte sie zum letzten Mal geöffnet. Viele hundert Gäste kamen nochmals in die Kirche, wurden an der Türe freundlich begrüßt. Der Weg vorbei an der Kasse hin zur Essensausgabe und zu den Tischen wurde für viele fast schon zur Routine. Die Vesperkirche 2014 hatte viele Stammgäste. Die meisten von ihnen waren sozial oder seelisch Bedürftige, denen die Vesperkirche viele schöne Stunden und eine warme Mahlzeit bescherte.

Professor Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, war von seinen Besuchen in der Vesperkirche stets angetan: »Eine solche Kirche, die mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen gefüllt und erfüllt ist, das ist eine sympathische, eine echte Kirche. Eine Kirche, in die auch Jesus hätte hineingehen können.« Mehrmals verabredete er sich mit Kollegen und Geschäftspartnern in der Kirche. »Meine Gäste und ich waren von der Atmosphäre angetan, haben die belebte Kirche genossen und waren unmittelbar an unserem jeweiligen Tisch mit bisher fremden Menschen in intensivem Gesprächskontakt«, schwärmte Rau. Auch Dekan Dr. Friedrich Langsam vom evangelischen Dekanat Ravensburg genoss die Stunden in der Vesperkirche. »Hier war sogar das Warten angenehm, weil man sofort mit den Menschen ins Gespräch kam«, bemerkte er. »Ich habe manches Schicksal und manch bewegende Geschichte gehört. Deutlich wurde mir nochmals, wie wichtig gemeinsames Essen ist. Die Vesperkirche hat integrative Kraft bewiesen.«

Hinter den Organisatoren Harald Dubyk von den Zieglerschen sowie Friedemann Manz und Gerd Gunßer vom Diakonischen Werk Ravensburg lagen nach Monaten der Vorbereitung und vor allem während der drei Wochen der Vesperkirche viele anstrengende, aber auch erfüllte Momente. Mit einem Team von über 320 ehrenamtlichen Helfern stemmten sie den Besucheransturm, der an manchen Tagen alle herausforderte. »Wichtig war uns, dass wir unseren Gästen stets freundlich und großzügig begegneten«, betonte Diakon Gerd Gunßer. Dass die Menschen immer wieder gerne in die Vesperkirche kamen, zeigt auch die hohe Besucherzahl.

Mit 12.355 Besuchern kamen über 2.000 mehr als in 2013. Zu den acht Kulturveranstaltungen der Vesperkirche kamen über 2.600 Menschen. Von der Krimilesung über Konzerte bis zur Kinonacht war für jeden etwas dabei. Pfarrer Friedemann Manz hob besonders die bunte Vielfalt unter den Helfern und Gästen hervor: »Vom Asylbewerber bis zur Kirchengemeinderätin sind alle dabei. Das Miteinander und Ineinander von Diakonie und Kirche ist wunderbar.« Für Dekan Langsam war die Vesperkirche 2014 eine logistische Meisterleistung: »Was hier das Team der drei Hauptamtlichen mit 320 Ehrenamtlichen zusammen auf die Beine gestellt haben, ist bewundernswert. Dass eine weitere Steigerung möglich wäre, hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Vesperkirche hat sich in Ravensburg rundum etabliert.«

Über 100.000 Euro wurden der Ravensburger Vesperkirche 2014 gespendet. Dazu kamen viele Sachspenden wie Brot, Kuchen, Wurstwaren oder Milch. Damit ist die Finanzierung gesichert. »Wir mussten in diesem Jahr aber deutlich mehr Essen bestellen, damit wir alle unsere Gäste gut versorgen konnten«, sagte Harald Dubyk. Das hohe Spendenaufkommen wird also auch künftig dringend benötigt.

Von Harald Dubyk