Abschied von einem gro├čen Erneuerer

Nach 19 Jahren an der Spitze des Hör-Sprachzentrums wurde Karl Wollmann feierlich verabschiedet.
■ Nach 19 Jahren an der Spitze der Schulen für Hör- und Sprachbehinderte der Zieglerschen Anstalten ist Karl Wollmann Ende Juli im Sprachheilzentrum in Ravensburg offiziell aus seiner Funktion als Direktor und Fachlicher Geschäftsführer verabschiedet worden. Seine Entlassungsurkunde erhielt er aus den Händen von Schulrat Hermann Böhm. Karl Wollmann, so fasssten es viele Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbänden in Worte, gilt als Motor und Erneuerer der Hörgeschädigten- und Sprachheilpädagogik im ganzen deutschsprachigen Raum. Ursula Belli, bisher Fachliche Geschäftsführerin der Behindertenhilfe der Zieglerschen Anstalten, wird Wollmanns Nachfolge zum neuen Schuljahr antreten.

Wollmanns Wirken in den vergangenen 19 Jahren ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass Tausende von Kindern in ambulanten und niederschwelligen Angeboten professionelle Hilfen bekamen. Ein Zahlenbeispiel: als Wollmann 1989 die Nachfolge des damaligen Leiters Otmar Stöckle antrat, wurden 230 Kindern in 15 Sprachheilkursen an 11 Orten in der Region Bodensee-Oberschwaben wohnortnah unterrichtet. Zum Abschluss seiner Tätigkeit sind es 2.000 Kinder in 80 Sprachheilkursen an 46 Orten, 1.600 von ihnen sind noch im Vorschulalter.

Jüngstes Beispiel Wollmanns rastloser Innovationsfreude ist die präventive Sprachförderung im Kindergarten. Das im Hör-Sprachzentrum zusammen mit renommierten Wissenschaftlern erarbeitete Modell schult Kindergärtnerinnen darin, im Kindergarten selbst Sprachförderung anzubieten, lange bevor sprachtherapeutischer Bedarf besteht. Allein von diesem Programm profitieren 1.000 Kinder jährlich.

In allen Bereichen wuchs das Hör-Sprachzentrum in dieser Zeit und differenzierte seine Angebote immer weiter. Nur in einem Bereich schrumpfte es deutlich, was von den Kostenträgern und Sozialpolitikern stets sehr aufmerksam registriert wurde. Waren Ende der 80-er Jahre noch mehr als die Hälfte aller Schüler vollstationär im Internat aufgenommen, so sind es heute noch knapp über 10 Prozent. Die Zieglerschen Anstalten erreichten dieses Ziel, in dem sie aus einst drei großen Internatsschulen und vier Schulkindergärten in Ravensburg, Wilhelmsdorf und Altshausen mittlerweile sechs Schulen und 10 Schulkindergärten machten. Die Trendwende in der sozialen Arbeit, die Hilfe zu den Kindern zu bringen statt die Kinder zum Hilfeangebot, wurde hier viel früher als in anderen Bereichen eingeleitet.

Hans-Peter Züfle, der Vorstandsvorsitzende der Zieglerschen Anstalten, bescheinigte Wollmann, aus dem Hör-Sprachzentrum in jeder Hinsicht eine Vorzeigeeinrichtung gemacht zu haben. Wollmann habe fachlich Maßstäbe gesetzt, sei aber auch als „Bildungsunternehmer“ sehr erfolgreich gewesen. Erst vor kurzem habe der Landesrechnungshof im Zuge einer Überprüfung der Verwendung von Landesmitteln an privaten Heimsonderschulen dem Hör-Sprachzentrum ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt. Wollmann, so Hans-Peter Züfle, habe stets sozial- und bildungspolitische Verantwortung wahrgenommen. So sei es Karl Wollmann zum Beispiel zu verdanken, dass in den Sommerferien kostenlose Freizeiten für Kinder aus sozial schwachen Familien im Hör-Sprachzentrum Altshausen angeboten würden. Ein kleines aber typisches Beispiel für das konsequent diakonische Wirken von Karl Wollmann.