»Überhaupt lag ein Segen über diesen Tagen«

Die Diakonie-Sozialstation Biberach entführte 20 Seniorinnen und Senioren erstmals in den »Urlaub ohne Koffer« und machte sie fünf Tage lang glücklich - möglich wurde dies Dank großzügiger Spenden
■ Während die einen genüsslich im Schatten dösen, gehen andere mit ihrem Rollator auf Wanderschaft durch die Nachbarschaft, gut behütet vom Sonnenhut: Momentaufnahme bei »Urlaub ohne Koffer«. Dies ist eine ganz besondere Tagesfreizeit für pflegebedürftige Senioren in Biberach, organisiert und durchgeführt von der Diakonie-Sozialstation der Zieglerschen und dem Evangelischen Krankenpflegeverein. 20 Senioren hatten sich angemeldet und verbrachten fünf schöne Tage im Gemeindehaus Sandgraben in Biberach-Birkendorf. Morgens mit dem Kleinbus los und abends wieder zurück – das ist »Urlaub ohne Koffer«.

»Am schönsten waren die Gespräche«, bringt »Urlauberin« Gertrud Häberle* auf den Punkt, was wohl für die meisten das wichtigste in diesen Tagen war: die Gemeinschaft. Viele Teilnehmer führen mittlerweile ein sehr ruhiges, oft recht einsames Leben, denn viele von ihnen sind alleinstehend. Der Partner verstorben, die Kinder weit weg, durch ihre Immobilität daran gehindert, an einem gemeinschaftlichen Leben in der Nachbarschaft teilzunehmen. So geht es auch Gertrud Häberle. Sie erzählt, dass sie zuerst eigentlich gar nicht mitfahren wollte: »Aber zu Hause habe ich doch bloß den Fernseher und kann mich mit niemandem unterhalten – und hier ist richtig was los!«

Richtig was los heißt: Beim Urlaub ohne Koffer wird gemeinsam gesungen, geredet, gegessen und gespielt. Es werden Spaziergänge in die Natur unternommen und sogar Wellness-Angebote hat es gegeben. Annette Ege, Leiterin der Diakonie-Sozialstation Biberach, berichtet mit einem Augenzwinkern: »Unsere Gäste blühen in ihrem kofferlosen Urlaub richtig auf. Und erst die Vorfreude! Viele der älteren Menschen, die wir auch sonst betreuen, haben sich bereits Tage vor Urlaubsbeginn mit der Ausstattung ihrer Urlaubsgarderobe beschäftigt – man muss ja für jedes Wetter und jede Eventualität was bereit haben!«

Richtig aufgeblüht ist auch Johannes Dorn*, der entspannt im Liegestuhl den Vormittag verbringt: »Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und das Vieh versorgt – endlich kann ich mal Urlaub machen und mich verwöhnen lassen.« Dafür sorgen die liebevollen Mitarbeiterinnen der Diakonie-Sozialstation Biberach, die sich ein buntes, sommerliches Programm ausgedacht haben, welches richtige Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Johannes Dorn genießt es sichtlich.

Auch Ilse Fischer* strahlt vor Freude. Sie hatte Sorge, ob der Urlaub nicht zuviel für sie ist. Seit einem Sturz fühlt sie sich wackelig auf den Beinen, geht selbst mit Rollator nur noch selten vor die Tür. Doch im Urlaub wagte die 84-Jährige jeden Tag ein paar Schritte mehr – und am Ende gingen Frau Fischer und ihr »Gehwagen« fast schon ganz allein spazieren. »Das Wetter hat uns verwöhnt und überhaupt lag ein Segen über dieser Freizeit. Ich kann viel besser gehen seit diesen Tagen. Die Spaziergänge haben mir geholfen und die ganze Atmosphäre dort. Ich bin sehr froh und dankbar über dieses schöne Geschenk.«

Doch damit dieses Erlebnis bezahlbar wird für die Biberacher Senioren ist das Team der Diakonie-Sozialstation auf Spenden angewiesen. Staatliche Zuschüsse gibt es für das Angebot nicht. »Wenn man nur einmal erlebt hat, wie sich unsere Urlaubsgäste abends wohlig müde und randvoll mit anregenden Momenten nach Hause bringen lassen, einfach rundum glücklich – dann weiß man, dass sich der ganze Einsatz gelohnt hat«, meint Annette Ege mit leuchtenden Augen. Sie hofft auf viele engagierte Spenderinnen und Spender, die sich ebenfalls am Glück anderer Menschen freuen. Und weil Annette Ege optimistisch ist, plant das Team einfach schon mal vor: den »Urlaub ohne Koffer 2014«.

* Namen auf Wunsch geändert