Damit auch Morgen Hilfe möglich ist

Die Zieglerschen haben gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen, Kirchengemeinden, Mitarbeitenden, vielen Engagierten und prominenter Unterstützung aus Tübingen die Johannes-Ziegler-Stiftung gegründet.
■ In den letzten Jahren treffen wir in den Zieglerschen immer häufiger auf Armut. In der Altenhilfe begegnen uns arme, vereinsamte Menschen. In die Suchtkliniken kommen völlig mittellose Patienten. Unsere Schulen und Kindergärten besuchen Kinder, die mit Armut in ihrer Familie zu kämpfen haben. Wer, wenn nicht die Diakonie, wäre aufgerufen, da hinzuschauen und zu helfen?

Deshalb haben die Zieglerschen die Initiative zur Gründung einer Stiftung ergriffen: der  Johannes-Ziegler-Stiftung«. Mit Hilfe von Förderern, Freunden, Mitarbeitenden, Angehörigen und Partnern soll ein möglichst hohes Stiftungskapital angesammelt werden. Und aus den Zinserträgen sollen dann dauerhaft die dringend nötigen Angebote gesichert werden, die die öffentliche Hand nicht finanziert.

Nach fast zweijährigen Vorarbeiten wurde die Johannes-Ziegler-Stiftung am 26. September gegründet. Ausgestattet mit einem Startkapital von rund einer dreiviertel Million Euro wird sie künftig gemäß ihrer Satzung ausschließlich Aufgaben und Projekte aus den vielfältigen Arbeitsbereichen der Zieglerschen fördern.

Regierungspräsident Hermann Strampfer, ranghöchster Vertreter der zuständigen Stiftungsaufsicht, ließ es sich nicht nehmen, die Gründungsurkunde persönlich an die Vorstände der Zieglerschen zu überreichen, die auch Vorstände der neuen Stiftung sein werden. Er würdigte die Stiftungsgründung im »Stifterland Baden-Württemberg« als richtigen Schritt der Zukunftssicherung einer wertvollen Arbeit. Die »Konstruktion « der Stiftung sei außergewöhnlich im Land, betonte Strampfer, eine solche Stiftungsgründung habe er in seiner Amtszeit noch nicht erlebt. Jeder Stifter könne genau eingrenzen, in welchem der Hilfefelder der Zieglerschen seine Zustiftung Ertrag bringen solle.

In der Tat ist die Johannes-Ziegler-Stiftung als »Dachstiftung« angelegt. In die Dachstiftung kann zustiften, wer alle Arbeitsfelder gleichermaßen unterstützen möchte. Darunter befinden sich aber auch sechs Stiftungsfonds, die jeweils einer Hilfeart zugeordnet sind, also zum Beispiel ein »Stiftungsfonds für Menschen im Alter« oder ein »Stiftungsfonds für Kinder und Jugendliche«. Bedenkt der Stifter einen dieser Fonds, werden die Erträge seiner Zustiftung auch ausschließlich für die damit verbundene Hilfeart verwandt, also etwa für die Altenhilfe oder die Jugendhilfe der Zieglerschen.

Die Zieglerschen selbst haben Kapital in die Stiftung eingebracht, sie konnten aber auch Persönlichkeiten und Unternehmen als Gründungsstifter gewinnen, die den Zieglerschen zum Teil seit Jahren eng verbunden sind. Zu den Gründungsstiftern gehören die Evangelische Brüdergemeinde in Wilhelmsdorf, aber auch die politische Gemeinde. Die Stadt Friedrichshafen gehört dazu, die Wieland-Werke in Ulm, Architekturbüros, Anwaltssozietäten, Agenturen und Beratungsunternehmen.

Wie eng die Stiftung an die Zieglerschen gebunden ist und wie hoch ihre Akzeptanz jetzt schon ist, zeigt eine Besonderheit: Leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich rechtzeitig vor Gründung zu einer »Stiftergemeinschaft « zusammengefunden und gemeinsam den Gründungsstifter-Beitrag aufgebracht. Diese »Stiftergemeinschaft « wird künftig mit Sitz und Stimme in den Gremien der Johannes-Ziegler-Stiftung vertreten sein.

Aber warum gründet ein diakonisches Unternehmen eigentlich eine Stiftung, um die eigene Arbeit fördern und unterstützen zu lassen? Als Sozialunternehmen müssen die Zieglerschen ökonomisch denken, müssen Vorgaben beachten und Refinanzierungsmöglichkeiten berücksichtigen. In Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel stoßen die Zieglerschen deshalb immer öfter an die Grenzen des Machbaren. Die Johannes-Ziegler-Stiftung arbeitet anders. Sie ist unabhängig von öffentlicher Refinanzierung und kann ihre Hilfe frei gestalten.

Zunächst wird die Johannes-Ziegler-Stiftung nur in bescheidenem Ausmaß helfen können. Denn wie alle Stiftungen darf sie ihr Kapital nicht anrühren. Ausschließlich die Erträge, die dieses Kapital Jahr für Jahr bringt, dürfen verwendet werden. Die Ravensburger Vesperkirche, die es nach dem aufsehenerregenden Start im Januar dieses Jahres auch im Jahr 2010 geben wird, gehört dazu. Oder auch Ferienfreizeiten für Kinder aus einkommensschwachen Familien, die in den Hör-Sprachzentren in Ravensburg und Altshausen angeboten werden. Aber dabei soll es nicht bleiben. Die Stiftung hat sich ein so ehrgeiziges wie eingängiges Ziel gesetzt. Fünf Millionen in fünf Jahren will sie an Zustiftungen gewinnen.

Übrigens: Stifter oder Stifterin der Johannes-Ziegler-Stiftung kann jeder schon ab 100 Euro werden.
Mehr erfahren Sie auf www.johannes-ziegler-stiftung.de