War diese Stiftungsgründung sinnvoll?

Vor gut einem Jahr wurde die Johannes-Ziegler-Stiftung gegründet, um Projekte der Zieglerschen zu unterstützen, für die es keine öffentlichen Mittel gibt. Zum Einjährigen ist es Zeit für eine erste Bilanz.
■ Vor gut einem Jahr, genau am 26. September, wurde in Wilhelmsdorf die Johannes-Ziegler-Stiftung gegründet. Verglichen mit anderen Stiftungen – die ersten wurden vor über 1.000 Jahren ins Leben gerufen,andere verfügen über Milliarden-Einlagen – steht die Johannes-Ziegler-Stiftung noch ganz am Anfang. Angesichts des anhaltenden Stiftungsbooms stellt sich die Frage: War diese Stiftungsgründung sinnvoll?

Mit Blick auf das Ziel und nach der ersten Bilanz lautet die klare Antwort: Ja! Denn was war das Ziel dieser Stiftungs-Gründung? Dass in den Zieglerschen Projekte und Maßnahmen,die nicht öffentlich finanziert werden, trotzdem realisiert werden können. Dass neue Bedürfnisse, die in den Zieglerschen erkannt werden, schnell erfüllt werden können – ohne einen Anerkennungsmarathon durch die Behörden. Dieses Ziel haben wir bereits erreicht, im ersten Jahr natürlich noch in bescheidenem Rahmen.

Etwa 25.000 Euro konnte die Johannes-Ziegler-Stiftung an verschiedene Projekte ausschütten. Von der August-Friedrich-Oßwald-Stiftung, die in den Zieglerschen bereits bestanden hatte, übernahm sie die Unterstützung für Kadir. Kadir, 15, der eine geistige und eine zusätzliche Hör-Sprachbehinderung hat, floh vor acht Jahren mit seiner Familie aus der Türkei. Weil die Familie lange nicht als Asylbewerber anerkannt war, gab es keinen Kostenträger für den Schulbesuch in der Haslachmühle. Die Stiftung half.

Die Stiftung half auch der Ravensburger Vesperkirche und hilft ihr weiterhin am neuen Standort in Weingarten, wo sie im Januar 2011 wieder ihre Pforten öffnet. Die Stiftung trug dazu bei, dass zum fünften Mal in den Sommerferien 50 Kinder und 24 ehrenamtliche Betreuer für vier Wochen im Hör-Sprachzentrum Altshausen eine besondere Ferienfreizeit erleben konnten. Die Kinder stammen alle aus einkommensschwachen Familien der Region und konnten kostenlos an der Freizeit teilnehmen. Gemeinsam mit vielen Spenderinnen, Spendern und dem Förderkreis der Fachkrankenhäuser trug die Johannes-Ziegler-Stiftung dazu bei, dass neben der neuen »Höchsten«-Klinik in Bad Saulgau eine Kapelle gebaut werden konnte. Dank einer Spende in Höhe von 5.000 Euro konnte in der Altenhilfe der Zieglerschen ein Projekt zum Thema Palliative Care oder Pflege für Sterbende verwirklicht werden.

Gleich drei Projekte unterstützt die Johannes-Ziegler-Stiftung in der Behindertenhilfe. Aus dem Förderkreis, in dem Eltern und Angehörige von Bewohnern zusammengeschlossen sind, kamen die Ideen für die Projekte. So unterstützt die Stiftung nun erlebnispädagogische Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige und hilft, wenn Angehörige den Eigenanteil nicht aufbringen können, wenn ihr Kind mit der Gruppe zur Freizeit oder ins Schullandheim fährt.

Ein ganz ungewöhnliches Projekt der Gotthilf-Vöhringer-Schule (GVS) hat die Johannes-Ziegler-Stiftung ebenfalls im ersten Jahr unterstützt: Matthias Brugger, Dozent an der Altenpflegeschule und nebenberuflich Künstler, hat weltweit zum »Mailart-Projekt« aufgerufen. Künstler sollen sich mit dem Thema »Alter« auseinandersetzen – auf einem Werk, das nicht größer als eine Postkarte sein darf. Damit die Werke ausgestellt werden können, hat die Stiftung Mittel bereitgestellt.

Noch etwas ganz Besonderes: Johannes Blank 28, gelernter Schreiner, macht derzeit eine Ausbildung als Arbeitserzieher an der GVS. Seine Schuljahre hat er mit sehr guten Noten abgeschlossen und nun befindet er sich im sogenannten Anerkennungsjahr – in Simbabwe in Südostafrika! Dort, im »Ekutheleni-Carpentry-Projekt«, einer christlichen Einrichtung, wird er Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu Schreinern ausbilden. Unterkunft und Verpflegung bekommt er vor Ort, sonst nichts. Auf www.johannes-ziegler-stiftung.de wird er regelmäßig über seine Arbeit berichten.