»Sandra, hast du eigentlich so viel Geld?«

Zum 8. Mal organisiert das Hör-Sprachzentrum Altshausen Kinderferien für rund fünfzig benachteiligte Kinder aus der Region - ermöglicht wird dies vor allem durch Sponsoren und unsere treuen Spender.
■ Vielleicht freut sich, während Sie diese Zeilen lesen, ein Kind in Ihrer Nachbarschaft ganz arg auf seine Ferien. Denn vielleicht hat ihm die Mutter  gerade erzählt, dass sie sich um einen der Plätze für die Ferienfreizeit Altshausen beworben hat. Und vielleicht hat die Mutter auch erzählt, dass es mit der letzten Ferienfreizeit zum Affenberg in Salem ging. Und ins Ravensburger Spieleland. Vielleicht ist das Kind vor lauter Vorfreude schon ganz aufgeregt. Und ganz sicher ist auch die Mutter glücklich, dass ihre Jessica endlich in den Ferien etwas Schönes erlebt.

Die beschriebene Phantasie-Geschichte ist ziemlich realistisch. Denn derzeit laufen im Hör-Sprachzentrum der Zieglerschen gerade die Vorbereitungen für die kommende Ferienfreizeit in Altshausen. Der Termin steht fest: vom 27. Juli bis zum 23. August 2013 gibt es wieder vier Ferienwochen. Als Projektleiterin wurde Marion Hepner gefunden und die Ausschreibung der Plätze hat begonnen.

Seit 2006 organisiert das Hör-Sprachzentrum diese Ferienfreizeiten für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Ursula Belli-Schillinger, Geschäftsführerin des Hör-Sprachzentrums: »Wir haben in unseren Schulen immer häufiger erlebt, dass Kinder den ganzen Sommer zu Hause geblieben sind, weil sich ihre Eltern keinen Urlaub leisten können. Wir haben auch gesehen, wie schwierig das für die Kinder ist. Deshalb haben wir uns gesagt: Wir müssen etwas tun! Wir müssen diesen Familien helfen.«

Inzwischen öffnet die Leopoldschule in Altshausen zum mittlerweile 8. Mal im Sommer ihre Pforten, damit die Gastkinder aus der Region hier sorglose Ferien verbringen können. Insgesamt fünfzig Mädchen und Jungen von 8 bis 14 Jahren wohnen – verteilt auf vier Mal je eine Woche – auf dem schönen Schulgelände und können dort Turnhalle, Tischtennisplatten, Grillstelle, Sportplatz und vieles mehr nutzen. Sie heißen Chris, Fabienne, Nanja, Niklas, Justin, Jessica, Kevin, Franca, Leonardo oder Dominik. Und sie erleben in diesen Ferienwochen Dinge, die sie sich oft schon lange gewünscht haben: Einen Besuch im Ravensburger Spieleland, beim Affenberg in Salem oder einen Ausflug in den Kletterpark Tannenbühl.

Um besser auf die Kinder eingehen zu können, werden sie nach Altersklassen aufgeteilt. In der ersten Woche kommen die 8- bis 10-Jährigen, dann die 9- bis 11-Jährigen, danach die 11- bis 13-Jährigen und in der vierten Woche die 12- bis 14-Jährigen Besucher. Betreut werden sie von rund 20 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Die meist jungen Leute – in der Regel Praktikanten oder Studenten aus pädagogischen Berufen – gestalten den Alltag mit den Kindern (einkaufen, Essen zubereiten usw.) und planen die Freizeitaktivitäten. Für jede Ferienwoche wird ein sechsköpfiges Betreuerteam gebraucht, das rund um die Uhr, also tags und nachts für die Kinder da ist. Am Ende der Woche erhalten die Betreuer eine kleine Aufwandsentschädigung von 150 Euro.

Für die Betreuer ist im Umgang mit den Ferienkindern und ihren Eltern Menschenliebe und auch Fingerspitzengefühl gefragt. Denn in Familien, in den das fehlende Geld häufig Thema ist, spielen oft auch Scham, Gefühle der Minderwertigkeit und sogar Abwehrhaltungen eine Rolle. Sandra Krusch, die die Ferienfreizeit als Projektleiterin mehrere Jahre betreut hat: »Das fängt schon bei der Ankunft der Kinder an. Manche Eltern lassen ihre Kinder am Parkplatz aussteigen und getrauen sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht zu uns herein.« Diese Ängste ihrer Eltern spüren die Kinder und »wir spüren dann ihre innere Unruhe.« Aber es gibt auch die Mütter, die der Leiterin am Schluss der Woche um den Hals gefallen sind, weil sie spürten, dass ihren Kindern Glück widerfahren ist.

Für die Kinder und ihre Familien sind die Ferienfreizeiten kostenlos. Die Plätze werden über die Jugendämter ausgeschrieben und sind jedes Jahr ausgebucht. Im letzten Jahr wurden bereits Wartelisten eingerichtet. Doch die Zieglerschen brauchen für dieses Angebot Jahr für Jahr rund 15.000 Euro: für Mahlzeiten, Ausflüge, Transport, Reinigung und die kleine Aufwandsentschädigung der ehrenamtlichen Betreuer. 15.000 Euro, die über Sponsoren, vergünstigte Eintritte, ehrenamtliche Helfer, aber vor allem aber durch die Hilfe von Spenderinnen und Spender aufgebracht werden.

Wie sagte die achtjährige Selina vor zwei Jahren zu ihrer Betreuerin, als diese an der Kinokasse wieder einmal für alle bezahlt: »Sandra, hast du soviel Geld?« Nachdem Sandra ihr erklärt, dass hier Sponsoren und Spender helfen, gibt Selina spontan den Auftrag: »Dann sag mal den Spendern liebe Grüße und vielen Dank.«

PH

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