Überraschungseier statt Kampfroboter

Matthias, Joscha und Markus, drei Hauptschüler aus dem Hör-Sprachzentrum Altshausen, machen mit einer industrienahen, roboterbestückten Industriestraße Furore.

■ Hauptschüler haben’s heutzutage schwer. Matthias Beller, Joscha Müller und Markus Rief aber, Abschluss-Schüler der Hauptschule des Hör-Sprachzentrums in Altshausen, haben mit einem technischen Bravourstück aufgetrumpft. Es gelang ihnen, eine industrienahe, roboter-bestückte Fertigungsstraße zu programmieren und zu realisieren!

Der Ideenprozess, der zu diesem Projekt führte, erinnert ein wenig an das biblische Bild von den Schwertern, die zu Pflugscharen werden. Joscha hatte ursprünglich die Vorstellung, einen Kampfroboter zu bauen. Seinem Techniklehrer Thomas Lämmle muss es dann wohl gelungen sein, das Projekt zu entmilitarisieren, ohne den Schülern die Lust an der Technik zu nehmen. Aus dem Kampfroboter wurde eine automatisierte, selber zu programmierende Fertigungsstraße zur Herstellung von Überraschungseiern.

Den Schülern stand ein dreiteiliges Baukastensystem der Firma Festo zur Verfügung. Nichts mit Lego und schon gar kein Spielzeug! Sensoren und Aktoren verschiedener Art waren elektrisch und pneumatisch so zu verknüpfen, dass passende Bauteile aus einem Magazin über ein Laufband zu einem Roboter geführt werden, der sie passgenau zu einem Überraschungsei zusammenpresst. Ein unpassender, weil metallischer Überraschungsei-Deckel wird unterwegs ausgesondert. Alles vollkommen vollautomatisch.

Das Gehirn eines solchen Systems ist das vorher in einem PC erstellte Ablaufprogramm. Zwei interagierende Kreisläufe sind auf dem Bildschirm zu erstellen, ein elektrischer und ein pneumatischer, bestückt mit Magnetventilen, Lichtschranken, Induktionssensoren, elektromagnetischen Schiebern usw. Strom öffnet ein Magnetventil, von einem Kompressor erzeugte Luft strömt in einen Zylinder, der Kolben schiebt das Werkstück auf das Laufband, der Induktionssensor prüft, ob der Deckel aus Metall oder Schokolade ist, die Lichtschranke nimmt ihn in Empfang.

Die drei jungen Männer haben es also geschafft. Dass das Baukastensystem eigentlich für den gymnasialen Unterricht gedacht war und dass sie außerdem in einem Wettlauf um die Benützung des Unterrichtmaterials gegen die Realschüler der Schule gesiegt haben, macht sie nur noch stolzer.

Dennoch, die Geschichte hat noch kein Happy End: Joscha möchte Mechatroniker werden, hat aber noch keine feste Lehrstellenzusage. Genauso wie Markus. Nur Matthias hat’s schon geschafft: Er wird eine Ausbildung als Energieelektroniker Fachrichtung Betriebstechnik beginnen. Und die anderen beiden? Ihre Kreativität und ihren Biss haben sie unter Beweis gestellt. Jetzt sind die anderen dran.

Von Rainer Kössl