Neue Herausforderung: Zieglersche ├╝bernehmen Klinik Hohenrodt

Die neue Suchtklinik ist spezialisiert auf Alkohol- und Drogenabhängige Männer vor allem aus Osteuropa/ Behandlungssprachen sind neben Deutsch auch Polnisch und Russisch
■ Seit Jahresbeginn gehört neben Ringgenhof und Höchsten eine dritte Klinik zur Suchtkrankenhilfe der Zieglerschen Anstalten: die Fachklinik Hohenrodt in Oggelsbeuren. Der bisherige Träger, der Diözesan-Caritasverband Rottenburg-Stuttgart, hatte seine einzige stationäre Einrichtung im Bereich der Suchtkrankenhilfe abgegeben, um die „Anbindung an eine größere Trägerstruktur“ zu ermöglichen. Das Haus bietet 60 stationäre Behandlungsplätze für alkohol- und drogenabhängige Männer aus Osteuropa. Zwar ist die Behandlungssprache überwiegend Deutsch, einige therapeutische Maßnahmen sind aber auch in den Muttersprachen der Patienten, in Russisch oder Polnisch, möglich. Mit Sicherheit zum ersten Mal in der 102jährigen Geschichte der Suchtkrankenhilfe der Zieglerschen Anstalten wird es demnächst einen Klinikprospekt auf russisch und damit in kyrillischer Schrift geben.

Gesamtleiterin ist seit Jahresbeginn Katja Müller, bisher Bezugstherapeutin und Qualitätsmanagerin im Fachkrankenhaus Ringgenhof. Sie hat zahlreiche Entwicklungsprozesse angestoßen. In mehreren Arbeitsgruppen geht es nun um Themen wie Behandlungskonzeption, Teamentwicklung, medizinische Behandlung, medizinische Dokumentation, Nachsorge, Öffentlichkeitsarbeit und vieles andere. Sobald wie möglich soll die Klinik wieder voll belegt sein.

Katja Müllers Arbeitsplatz und der ihrer etwa 50 neuen Kolleginnen und Kollegen ist an einem besonderen Ort. Die Klinik in der kleinen Gemeinde Attenweiler-Oggelsbeuren, nicht weit vom berühmten Federsee- Moor, zwischen Biberach und Riedlingen, steht mit der zu ihr gehörenden Kirche auf einem hoch aufragenden Hügel mitten im Ort, weithin sichtbar. Der Hügel hat eine jahrhundertealte christliche Tradition: am 15. August 1378, vor 629 Jahren also, zogen Franziskanerinnen ins Kloster Oggelsbeuren ein und bleiben dort erst einmal vierhundert Jahre. Von 1860 bis 1992 betrieb die Piuspflege, der das Gebäude noch heute gehört, eine Jugendhilfeeinrichtung, 1998 zog die Klinik Hohenrodt ein, die aus dem Schwarzwaldort Lossburg-Hohenrodt ihren Namen mitgebracht hatte.

An der Tradition der Hilfe in der Nachfolge Jesu wollen auch die neuen Betreiber festhalten. Dass der Diözesan-Caritasverband eine Einrichtung an einen diakonischen Träger übergebe, sei zwar „etwas gar nicht Alltägliches“, sagte dessen Vertreter Winfried Baur bei der Feier zum Betriebesübergang im März, aber auch konsequent und stimmig. Das demonstrierten auch der katholische Ortspfarrer Max Stark und sein evangelischer Kollege Heiko Bräuning von den Zieglerschen Anstalten: sie hielten die kurze Andacht zu Beginn der Feier gemeinsam. Pfarrer Stark war so angetan vom Slogan der Zieglerschen Anstalten, dass er dieses „Erfüllt mit Leben“ auf eine schöne Kerze hatte aufbringen lassen, die er zusammen mit einer Orchidee der neuen Klinikleiterin Katja Müller überreichte. Der Biberacher evangelische Dekan Hellger Koepff nannte diese Zusammenarbeit zwischen Diakonie und Caritas ein gutes Zeichen.

Mut machte Hubert Seiter, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Baden- Württemberg, die die Reha-Maßnahme „stationäre Suchttherapie“ in den meisten Fällen finanziert. Noch erreiche man mit den verschiedenen Angeboten der Suchttherapie viel zu wenige hilfebedürftige Menschen. Es  lohne sich, so Seiter, in „gesellschaftliche Randbereiche zu investieren und dort gezielt zu helfen“. Dem stimmte Hans-Peter Züfle,  Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen Anstalten zu. Caritas und Diakonie hätten diesen Sozialstaat maßgeblich mitgeprägt und würden auch jetzt nicht das Feld räumen. Züfle: „Jesus ist und bleibt unser Auftraggeber: Wir sind keine Beliebigkeits-Sozialanbieter“.

Von Christof Schrade