Kürbis-Pommes und Gewächshaus-Kaffee

Mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher feierten die offizielle Eröffnung der umgebauten Rotach-Gärtnerei / Attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen - mit Bioland-Siegel
■ Mit einem Tag der Offenen Tür und einer offiziellen Einweihungsfeier hat die neue Rotach-Gärtnerei in Wilhelmsdorf den Betrieb aufgenommen. Die Bioland-Gärtnerei, die künftig 16 statt der bisherigen acht Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bietet, will sich vor allem auf Gemüse-Veredelung spezialisieren.

Weit mehr als tausend Besucher ließen sich am ersten Sonntag im Oktober den Tag der Offenen Tür in der Gärtnerei am Ortsrand von Wilhelmsdorf nicht entgehen. Während die vielen, vielen Kinder Blumentöpfe bunt bemalten, kleine Kakteen einpflanzen durften, in der Pferdekutsche mitfuhren, oder eine Runde auf einem nostalgischen Karussell drehten, ließen sich die Erwachsenen durch die neue Gärtnerei führen, probierten frisch frittierte „Kürbis-Pommes“ und tranken im Gewächshaus eine Tasse Kaffee.

Mehr als 900.000 Euro haben die Zieglerschen Anstalten in neue Gebäude und Gewächshäuser investiert. Knapp 700.000 Euro kamen davon als Zuschüsse oder Darlehen. Das alte Gebäude sei nicht mehr zu sanieren gewesen, die technische Ausstattung war mangelhaft. „Das alles sind gute Gründe. Aber zuallererst haben wir diese Gärtnerei für die Menschen gebaut, die uns anvertraut sind. Es ging und geht darum, zeitgemäße und attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen“, sagte Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Züfle bei der Einweihungsfeier.

Nach wie vor kann man in der Gärtnerei Gemüse und Salate in Bioland-Qualität kaufen. Dabei wird nur sehr wenig zugekauft, wie Gärtnermeister Helmut Rotter betont. „Regional“ und „saisonal“ heißen die Leitlinien: Gemüse und Salate stammen entweder vom eigenen Acker oder aus der unmittelbaren Nachbarschaft und entsprechen der Jahreszeit. Die Privatkunden, die jetzt dienstags und freitags im schönen, neuen Verkaufsraum ihre Waren auswählen können, sind mit diesen Leitlinien sehr einverstanden, wie die Gärternei-Mitarbeiter wissen.

Ein echtes Team sind die Gärtnerinnen und Gärtner mit und ohne Behinderung. Sie sind gemeinsam auf dem Acker, im Gewächshaus und natürlich auch im Verkauf. Und seit kurzem stehen sie auch gemeinsam an ihren nagelneuen Veredelungsmaschinen. Denn diese Arbeit wird der neue Schwerpunkt der Rotach-Gärtnerei: veredeltes Biogemüse für Großküchen. Veredeln heißt in diesem Fall, den Küchen Arbeit abzunehmen. Salat gibt’s geputzt, gewaschen und geschnitten. Karotten werden gestiftelt, geraspelt und gestückelt, ganz wie der Kunde es will. Hier, so sind die Verantwortlichen nach intensiven Markstudien überzeugt, ist die Nische, wie Wilhelm Hiesinger, Kaufmännischer Geschäftsführer der Behindertenhilfe der Zieglerschen, bei der Einweihung sagte.

Das sehen auch die Kooperationspartner so: Christine Funk, Geschäftsführerin der Pro Regio, stellte fest, dass durch den neuen Arbeitsschwerpunkt der Gärtnerei eine „große Lücke in der Vermarktung hochwertiger Produkte in Landkreis und Region“ geschlossen werde. Ziel sei es, „die Wertschöpfungskette zu stärken“, indem heimische Produkte vom Acker auf den heimischen Speisenteller gebracht würden.

Ein gutes Fünftel der Gesamtkosten der Maßnahme trägt der KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales). Wie dessen Vertreter Dr. Eckart Bohn sagte, seien dazu Mittel aus der sogenannten „Ausgleichsabgabe“ verwendet worden. Diese Abgabe müssen Betriebe zahlen, die nicht genügend Schwerbehinderte beschäftigen. Die Verwendung hier in Wilhelmsdorf, wo von diesem Geld direkt Arbeitsplätze für behinderte Menschen entstehen könnten, sei deshalb besonders sinnvoll, so Bohn.

Von Christof Schrade