„Anders“ – aber selbstverständlich

Wie können behinderte und nicht behinderte Kinder spielend voneinander lernen? Ein Modellprojekt des Ravensburger Johanneskindergartens mit dem Kindergarten der Haslachmühle gibt Antworten.
■ Dieser Tage feiern sie ein kleines Jubiläum: behinderte und nicht behinderte Kinder im Kindergarten der evangelischen Johannesgemeinde in Ravensburg. Cora Bures, Leiterin des Johanneskindergartens, erzählt: „Unser Kindergarten besteht seit 2001, und von Anfang an wollten wir behinderte Kinder aufnehmen und integrieren.“ Auch Petra Bongartz-Demelt, Leiterin des Schulkindergartens der Haslachmühle in der Behindertenhilfe der Zieglerschen, beschäftigte schon länger die Frage, wie entwicklungsverzögerte oder geistig behinderte Kinder mit zusätzlicher Hör-Sprachbehinderung in einen „normalen“ Kindergarten integriert werden könnten. 2003 fanden beide Frauen erstmals zusammen und entwickelten Stück für Stück die Idee einer Intensivkooperation. Mit Beginn des Schuljahres 2006/07 war es dann soweit: eine Außengruppe des Schulkindergartens Haslachmühle wurde im Ravensburger Johanneskindergarten eingerichtet.

Seit gut einem Jahr läuft nun die Kooperation – und sie läuft gut. „Die Kinder sehen zwar, dass die anderen Kinder irgendwie ‚anders’ sind“, so  Cora Bures, „aber mit der Zeit wird das völlig selbstverständlich und spielt keine Rolle mehr.“ Gleichzeitig lernen die Kinder voneinander: Jungen und Mädchen, die sich sprachlich gar nicht, oder nur eingeschränkt ausdrücken können, lernen neue Ausdrucksmöglichkeiten kennen. Zum Beispiel vereinfachte Gebärdensprache, Mitteilung über Fotokarten, Bilder- oder Symboltafeln. „Die Kinder können endlich ihre Bedürfnisse äußern und werden verstanden.“, so Petra Bongartz-Demelt.

Auch Kinder mit Migrationshintergrund profitieren von der Gebärdensprache beim Erlernen der deutschen Sprache, berichten die Erzieherinnen, besonders während der Eingewöhnungsphase greifen sie häufig von sich aus auf Körpersprache zurück und schauen sich Einiges von den behinderten Kindern ab. Natürlich gibt es auch manchmal Schwierigkeiten, berichtet Leiterin Cora Bures: „Manche Kinder sind in der großen Gruppe überfordert und unsere personellen Möglichkeiten sind begrenzt“, Doch die engagierten Erzieherinnen versuchen immer, eine Lösung zu finden – und meist gelingt das auch.

Unterm Strich ist die einjährige Kooperation zwischen Johanneskindergarten und Schulkindergarten der Haslachmühle also vor allem eins: ein rundum gelungenes Beispiel dafür, wie Integration im Alltag aussehen kann.