Ā»Hinter den Zahlen steht einfach was anderesĀ«

Clemens Kirschner (22) ist seit zwei Jahren BA-Student in der Behindertenhilfe der Zieglerschen.
Wussten Sie schon direkt nach dem Abi: »BA-Studium bei der Behindertenhilfe – das mache ich«?

Nein, gar nicht. Ich wollte BWL studieren – ganz normal an der Uni. Beim Zivildienst in der »Werkstatt für Behinderte« habe ich die Behindertenhilfe und die Zieglerschen kennengelernt und gehört, dass es hier eine BA-Stelle gibt. Da dachte ich mir: BA – nicht schlecht! Man hat in drei Jahren seinen Abschluss und kann zudem schon während dem Studium »richtig« arbeiten, hat also nicht nur jeden Tag graue Theorie. Daraufhin habe ich mich beworben – und wurde eingestellt.

Wo lernt man mehr – in der Behindertenhilfe oder der BA?


Schwer zu sagen. Die Schwerpunkte sind andere: In der BA lerne ich vor allem theoretische Grundlagen – das ist wichtig und richtig. In der Behindertenhilfe werde ich aufs Arbeitsleben vorbereitet. Ich lerne, mit anderen zusammenzuarbeiten und Termine einzuhalten. Beides gehört irgendwie zusammen, finde ich. Jetzt hätte man als BWL-Student auch ein Partnerunternehmen wie Daimler oder ZF wählen können.

Warum gerade die Diakonie?

Hinter den Zahlen steht einfach was anderes. Das sind keine Lagerbestände oder Kabeltrommeln, sondern es stecken Menschen dahinter. Es geht natürlich auch um Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Aber mit dem Ziel, aus den begrenzten Mitteln das Beste für die betreuten Menschen herauszuholen. Das motiviert mich.

Wow! Was unterscheidet also die »freie Wirtschaft« von den Sozialunternehmen?

In meinem Studium »Sozialwirtschaft« habe ich auch Fächer wie Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Soziologie und Psychologie. Das hat man in einem klassischen BWL-Studium eher nicht. Ich denke, diese Studieninhalte kann man auch ein bisschen auf die Denkweise der Unternehmen übertragen – wobei man dabei sicher nicht generalisieren darf. Aber ich glaube schon, dass soziale Einrichtungen eine andere Unternehmenskultur haben, ein anderes Selbstverständnis. Ich hoffe, dass man davon auch etwas in die »freie Wirtschaft« hineintragen kann!

Also wollen Sie auch noch mal raus aus der sozialen Ecke?

Das weiß ich noch nicht. Ich will nach meinem BA-Studium auf jeden Fall noch einen Master an der Uni machen. Und dann schauen wir mal weiter.

Dann wünsche ich Ihnen alles Gute – danke für dieses spannende Gespräch!

Die Fragen stellte Martin Schwemmle