Vitrinen, Kunst & Therapiewasserbett

Gespräch mit Marion Thiede, Eberhard Bäuerle und Dr. Christoph Miller vom Vorstand des Freundeskreises Henriettenstift kirchheim über erfolgreiche Aktionen, neue Vorhaben und die Motive ihres Engagements.
■ Es freut mich sehr, dass Sie sich heute Zeit genommen haben, mir einige Fragen zu beantworten. Zunächst würde ich gerne wissen, seit wann es den Freundeskreis Henriettenstift gibt? Und was war damals die Motivation zur Gründung? Von wem ging die Initiative aus?

Dr. Christoph Miller: Der Freundeskreis wurde 1992 gegründet und geht auf eine Initiative von Herrn Siegfried Russ zurück. Wesentlicher Grund war, ein »Organ« zu schaffen, das durch seine gemeinnützige Form Spenden, Vermächtnisse und andere Zuwendungen rechtlich einwandfrei zu Gunsten des Henriettenstiftes erhalten kann. Die Gründungsmitglieder waren Personen des damaligen Ortsausschusses des Henriettenstifts. Im Vorstand damals waren Doris Russ, Eberhard Bäuerle und ich. Heute ist Marion Thiede als Nachfolgerin von Frau Russ im Vorstand. Die ersten Aktionen waren: Einbau einer Therapieküche, Umbau des Eingangs mit einer Glaswand, Anlage des Gartens mit Wasserlauf, Brücke usw.und Umbau des Demenzbereiches im Erdgeschoss.

■ Welche Aktionen/Spenden etc. haben Ihnen im vergangenen Jahr selbst am besten gefallen?

Marion Thiede: Im Herbst 2010 haben wir mit großem Erfolg die sehr öffentlichkeitswirksame Spendenaktion »Künstler helfen Menschen« durchgeführt. Etliche Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zu Kirchheim haben Kunstwerke zur
Verfügung gestellt, die dann von unserer Oberbürgermeisterin
Frau Matt-Heidecker und Stadtrat Andreas Kenner an ein interessiertes Publikum versteigert wurden. Von den 56 Exponaten haben 33 einen neuen Besitzer gefunden, der Erlös betrug über 8.000 € und ging zu gleichen Teilen an den Freundeskreis Henriettenstift, den Treffpunkt für Alleinerziehende Menschen und die Künstler selbst. Die Vorbereitungen zu dieser Kunstauktion waren sehr intensiv und anspruchsvoll. Die Kontakte zu den Künstlern, den Medien und dem Publikum hat den Freundeskreis noch bekannter gemacht. Die bei der Organisation gewonnenen Erfahrungen wollen wir bald wieder nutzen und diese Auktion im Herbst 2012 wiederholen.

■ Was war die aufwändigste Aktion des Freundeskreises?

Thiede: Die mit Abstand aufwändigste Aktion war sicherlich die Umgestaltung des Gartens im alten Henriettenstift in der Bismarckstraße 75 in den Jahren 1996 bis 1998. Der Freundeskreis hat hier in zwei Bauabschnitten neue Terrassen und Wege, einen Fühlpfad und einen Quellstein mit Wasserlauf erstellen lassen. Später kam noch ein Carport für den Transportbus hinzu.

■ Haben Sie schon etwas für 2011 geplant?

Eberhard Bäuerle: In diesem Jahr möchten wir die Ausbildung der Mitarbeiter für das im vergangenen Jahr erworbene Therapiewasserbett gezielt fördern, um den Bewohnern durch den Einsatz von Klangkompositionen – z.B. haptiler Musik und Feedbackimpulsen – die optimale Behandlung mit diesem Wasserbett zu bieten. Die Beschäftigungstherapie mit den Bewohnern werden wir durch den Erwerb geeigneter Musikinstrumente unterstützen. Ferner wollen wir eine Vitrine anschaffen, in der interessante Archivgegenstände aus der mehr als 150jährigen Geschichte des Henriettenstiftes ausgestellt werden können. Darüber hinaus werden wir eventuell noch erforderliche Investitionen im Garten des Henriettenstiftes übernehmen.

■ Was ist Ihre ganz persönliche Motivation für das Engagement im Vorstand des Freundeskreises?

Miller: Schon von Kind an hatte ich eine Verbindung zum Henriettenstift. Es lag damals im Vogthaus neben meiner elterlichen Apotheke. Meine Großtante Frau Haas hatte jahrelang eine Vertretungsstelle bei Abwesenheit der Heimleitung inne und auch meine Großmutter verbrachte ihre letzen Lebensjahre im Henriettenstift. Ein enger Kontakt besteht auch durch die Heimbelieferung mit Medikamenten und so war es fast logisch, mich für das Heim zu engagieren. Die Arbeit macht Spaß, die Zusammenarbeit mit der Hausleitung ist ausgezeichnet und wir können schnell und wirkungsvoll zum Wohle der Bewohner tätig werden.

Bäuerle: Den Kontakt zum Henriettenstift, das ich bereits als Kind durch den Pflegeheimaufenthalt meiner Großmutter kennengelernt hatte, habe ich 1985 durch meinen Zivildienst gefunden. Während meines Zivildienstes wurde ich auch in der Familie mit der Pflegebedürftigkeit älterer Menschen konfrontiert, wodurch mein Interesse am Thema Betreuung älterer pflegebedürftiger Menschen zusätzlich verstärkt wurde. Der Kontakt zum Henriettenstift blieb auch nach Beendigung des Zivildienstes bestehen. Ich wurde dann Mitglied im Ortsausschuss und arbeite seit 1992 im Freundeskreis als Vorstandsmitglied mit. Aufgrund meiner Ausbildung als Bankkaufmann liegt der Schwerpunkt meiner Tätigkeit bei der Führung der Kasse und unserem jährlichen Spendenaufruf. Die Mitarbeit im Freundeskreis ist mir wertvoll, weil sie die Möglichkeit bietet, konkret vor Ort etwas für die Verbesserung der Situation pflegebedürftiger älterer Menschen zu tun.

Thiede: Durch die Anfrage von Herrn Dr. Miller zur Umgestaltung des damaligen Gartens in der Bismarckstraße im Jahr 1995 hatte ich den Freundeskreis als einen sehr tatkräftigen Verein kennengelernt. Ich bin dann einfach »hängengeblieben«, da mir die Vereinsziele sehr wichtig waren und heute noch sind. Ich selbst habe einen starken familiären Bezug zur älteren Generation durch meine betagten Großeltern. Wir haben bis vor kurzem 15 Jahre lang unter einem Dach in einem Mehrgenerationenhaus zusammengelebt und uns gegenseitig unterstützt. Dies ist leider nicht allen Familien gegeben. Ich selbst kann mich zeitlich nicht tagsüber direkt bei den Bewohnern des Henriettenstiftes einbringen, da ich voll berufstätig bin. Aber Organisatorisches liegt mir, daher bin ich eher im Hintergrund im Verein tätig.

■ Gibt es noch einen Wunsch, eine Anregung oder Kritik von Ihnen an uns, die Zieglerschen als Träger?

Miller: Wir haben die Anregung, im Laufe des Jahres eine Klausurtagung zum Thema Ehrenamt im Henriettenstift zu veranstalten. Gründe dafür sind: Kennenlernen untereinander, Austausch über Funktionen im Haus, Vernetzung, Feststellung des Bedarfs von Fortbildung usw.

■ Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Nicola Philipp