Elf Fragen an... Silke Leopold

Silke Leopold (45), MA, Kunsttherapeutin/Kreativpädagogin in der Malwerkstatt der Behindertenhilfe in Wilhelmsdorf
1. Wie sind Sie zu den Zieglerschen gekommen?

Eine unerwartete Freundlichkeit ließ mich vor 19 Jahren in Wilhelmsdorf stranden. Wir hatten uns das Wochenende schön gedacht, ein Vorstellungsgespräch in Wilhelmsdorf, eines in Stuttgart und zwischendurch wollten mein Mann und ich den Bodensee kennenlernen. Irgendwie blieben wir hängen. Und nun leite ich die Malwerkstatt schon seit 16 Jahren.

2. Wenn Sie Kinder oder auch keine haben: Was wünschen Sie jungen Leuten von heute für ihre Zukunft?

Ich habe drei wunderbare Söhne, nun schon groß, aber was ich ihnen und anderen Kindern immer wünsche: Weisheit, Güte und Freude im Herzen.

3. Wie stellen Sie sich Ihr Alter vor?

»Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad…« kennen Sie das Lied? Das würde mir gefallen. Neugierig Verrücktheiten leben, da lacht mein Herz.

4. Welches Buch lesen Sie gerade?

Herta Müller und Herta Müller. Im Moment die Atemschaukel. Egal, was ich von dieser Frau lese, ihre Worte sind berührende Sprachbilder. Ansonsten liebe ich philosophische und lyrische Werke.

5. Welche Lebenserfahrung möchten Sie nicht missen?

Das Allergrößte war die Erfahrung der Geburt meiner Söhne. So ein Sein zwischen Leben und Tod, Schmerz überdauern und dann plötzlich dieses Leben in den Händen zu halten, war mir stets wie ein gewaltiges Glück, ein Wunder.

6. Mit welchen Menschen der Geschichte oder der Gegenwart möchten Sie einmal ein Gespräch führen?

Die Geschichte ist so eine riesige Landschaft, dass mir ein Gespräch nicht die nötigen Antworten geben könnte. Ich bewundere Menschen, die mutige Entscheidungen auch gegen die allgemeine Auffassung aussprachen und lebten. In der privaten Geschichte: Urgroßmutter, Günther S., Giacometti, Kafka, Beuys.

7. Welche Bedeutung hat für Sie der Glaube?

Er ist der Schuh, der mich das Gehen lehrt. Ein Grund, eine Hoffnung, ein Weg. In schweren Zeiten eine ruhende Insel, manchmal auch ein Anlass, um beschwingt weiterzutanzen.

8. Wie sieht Ihr Traumurlaub aus?

Kein Ort, eher ein Zustand, am liebsten mitten in der Natur mit Wärme, lieben Menschen, Salzwasser, Büchern und Zeit für Farbe und auf jeden Fall ohne Termine. Leben mit leichtem Gepäck und offen sein für neue Erfahrungen.

9. Sie gewinnen eine Million im Lotto. Was machen Sie?

Ich würde erstmal über den Irrsinn lachen und mich fragen, welche Aufgabe da nun wieder auf mich zukommt. Dann würde ich meine Familie von weltlichen Abhängigkeiten freikaufen und unseren Lebensraum ökologisch umbauen und gerade so weitermachen wie bisher, die Kunst leben.

10. Was ist Glück für Sie?

Wenn unerwartet ein Krokodil anschlappt, die Zähne fletscht, sich in einen Schmetterling verwandelt und das Ganze nach Schokolade schmeckt. So eine Empfindung begegnet mir oft in der Arbeit mit Bildern.

11. Ihre größte Tugend?

Tugend und Laster, zwei untrennbare Freunde. Vielleicht so: Herausforderungen umarmen und offen sein den Gegebenheiten und Menschen gegenüber.

Die Fragestellerin war Stefanie Heier.