Elf Fragen an... Karl-Otto Kannapinn

Karl-Otto Kannapinn (46), Schulleiter im Hör-Sprachzentrum Sigmaringen
1. Wie sind Sie zu den Zieglerschen Anstalten gekommen?

Über einen Umweg. Ich war 2004 für kurze Zeit Konrektor im Martinshaus Kleintobel. Zuvor habe ich an der Uni München Sprachbehindertenpädagogik und Psychologie studiert mit der Verleihung des Akademischen Grades eines Magisters der Sonderpädagogik, daher der M.A. hinter der Namensführung. Nach Jahren der Tätigkeit in freier Praxis als Sprach- und Legasthenietherapeut kam ich dann über Kleintobel an das  Hör-Sprachzentrum nach Sigmaringen. Seit August 2007 leite ich diese Schule.

2. Wenn Sie Kinder oder auch keine haben: Was wünschen Sie jungen Leuten von heute für ihre Zukunft?

Ich wünsche meinen eigenen zwei Kindern und meinen Kindern in der Schule, dass sich ihre Träume erfüllen mögen. Und dass sie Menschen treffen, die ihnen Wegbegleiter in ihrem Leben sind.

3. Wie stellen Sie sich Ihr Alter vor?

Meine Großmutter und meine Urgroßmutter wurden 97 bzw. 100 Jahre alt. So alt möchte ich auch werden. Ich habe nämlich noch viel vor.

4. Welches Buch lesen Sie gerade?

Joseph Ratzinger: Salz der Erde. Ich suche gerade auch als Katholik den Wandel in der Kirche und finde Ansätze dazu in dem Buch des jetzigen Papstes.

5. Welche Lebenserfahrung möchten Sie nicht missen?

Ich habe mit Suchtkranken gearbeitet. Ich war fünf Jahre in einem Kloster. Ich habe professionell Musik gemacht. Ich möchte keinen dieser Wege missen, denn es waren alles Wege nach innen, durch die ich mich und damit auch andere kennenlernen und mögenlernen konnte.

6. Mit welchen Menschen der Geschichte oder der Gegenwart möchten Sie einmal ein Gespräch führen?

Mit dem Islam-Experten Peter Scholl-Latour. Mit dem Querdenker Eugen Drewermann, dessen psychoanalytische Interpretation von Märchen ich sehr eindrucksvoll finde. Mit der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross. Dass unsere Seele drei Tage brauche, um die sterbliche Hülle zu verlassen, dieser Gedanke von Frau Kübler-Ross lässt mich nicht los.

7. Welche Bedeutung hat für Sie der Glaube?

Als ich 12 war sollte ich zur Firmung gehen. Bis einen Tag davor war das auch ganz klar. Doch dann ist irgendwas mit mir passiert. Ich weigerte mich, zur Firmung zu gehen, denn ich stellte diesen kirchlichen Akt plötzlich in Frage. Was für ein Drama! Die Verwandten waren eingeladen usw. Gott sei Dank ging meine Schwester am gleichen Tag wie ich zur Firmung, sodass die Vorbereitungen nicht ganz umsonst waren. Ich danke meinen Eltern, dass sie mich gewähren ließen und konnte mich mit 17 Jahren für die Erwachsenenfirmung freiwillig und überzeugt entscheiden. Die katholische Kirche hat mir so manche Verletzungen zugefügt und ich habe viel Zeit mit evangelischen Christen und der Diakonie verbracht. Doch ich schaffe es nicht, meine „katholischen Wurzeln“ aufzugeben.

8. Wie sieht Ihr Traumurlaub aus?

Nordsee, Elba, Prag.

9. Sie gewinnen eine Million im Lotto. Was machen Sie mit dem Geld?

Zusammen mit einem Freund unterstütze ich Häuserprojekte in Afrika. Hier können für 2000 Häuser mit fließendem Wasser erstellt werden. Dahin würde das Geld zum großen Teil fließen.

10 . Was ist Glück für Sie?

Mich auf die Suche nach mir selbst zu begeben.

11. Ihre größte Tugend?

Meinen Mitmenschen in Würde zu begegnen. Jegliche Form der Gewalt nicht zuzulassen. In meiner täglichen Arbeit darauf zu achten, dass es den Menschen, für die ich Verantwortung trage, gut geht.

aufgezeichnet von Rainer Kössl