»Der Vesperkirche helfen? Ich hab sofort ja gesagt.«

Vom 28. Januar bis zum 16. Februar 2014 öffnet in Ravensburg wieder die Vesperkirche. Eishockeytorwart Christian Rohde ist Pate des Projekts und ruft zu Spenden und Hilfe auf. In visAvie erklärt er, warum.
■ Christian Rohde wartet schon. Frisch geduscht sitzt er im Restaurant der Ravensburger Eissporthalle. Vor ihm steht ein halbvolles Glas mit Apfelsaftschorle, daneben liegt sein Smartphone. Der 31-Jährige kommt gerade vom Training mit seiner Mannschaft, den Ravensburg Towerstars. So sieht er also aus, der Torhüter der Ravensburger Eishockeymannschaft, die derzeit in der Deutschen Eishockeyliga 2 (DEL 2) im vorderen Drittel der Tabelle spielt. Die meisten kennen Christian Rohde nur dick verpackt und mit Gesichtsschutz. So kann er sich fast heldenmutig in die heranrasenden Pucks werfen und sein Team vor einem Gegentor bewahren.

Das Gespräch heute dreht sich – ausnahmsweise – nicht um Eishockey. Die Ravensburger Vesperkirche 2014 steht im Mittelpunkt. Christian Rohde hat sich spontan bereiterklärt, für dieses Projekt Pate zu stehen und zu Spenden und Unterstützung aufzurufen. Vom 28. Januar bis zum 16. Februar 2014 öffnet sie in der evangelischen Stadtkirche bereits zum sechsten Mal ihre Pforten. »Für mich stand außer Frage zu helfen«, sagt er, »die Vesperkirche ist eine gute Sache, hier wird Menschen geholfen, die nichts oder nur sehr wenig haben, und das mitten in Oberschwaben«. Die Ravensburger Vesperkirche, gemeinsam getragen vom Diakonischen Werk Ravensburg und den Zieglerschen aus Wilhelmsdorf, ist ein reines Spendenprojekt. 80.000 Euro kostet die Durchführung der Vesperkirche insgesamt.

Christian Rohde ist in Füssen im beschaulichen wie schönen Ostallgäu geboren und aufgewachsen. Hier habe er, wie er sagt, eine ganz normale Kindheit verbracht. Das Thema Armut war weit weg, der jährliche Urlaub selbstverständlich. »In meinem Umfeld kam ich, und das ist heute auch noch so, kaum mit Armut direkt in Kontakt.« Und dennoch weiß er, dass es viele Menschen im wohlhabenden Oberschwaben gibt, die materiell wie seelisch arm sind, kaum mit dem Geld, das sie zur Verfügung haben, über die Runden kommen, einsam sind und sich nach etwas mitmenschlicher Wärme sehnen. Hier setzt das Prinzip der Ravensburger Vesperkirche an. Diejenigen, die nichts oder nur wenig haben, finden in den knapp drei Wochen Ansprache, ein günstigesund warmes Mittagessen, Geborgenheit und Halt. Und einen beheizten Raum zum Verweilen, was nicht selbstverständlich ist in Zeiten steigender Energiekosten.

Füssen, Augsburg, Duisburg, Hannover und Heilbronn. So hießen die Stationen im Eishockeyleben des Christian Rohde, bevor er 2008 zu den Ravensburg Towerstars kam. Schon als junger Mensch hat er einiges gesehen in der Republik. Nicht nur Eisflächen und heranfliegende Pucks.

In Duisburg zum Beispiel lebte er gegenüber einem Heim für Asylbewerber. Auch wenn er deren Leben nur aus scheinbar sicherer Entfernung beobachtete, beschäftigte es den jungen Mann. »Das war schon hart zu sehen, wie die dort lebten. Von ihrem persönlichen Schicksal, das zur Flucht aus ihrem Heimatland führte, ganz zu schweigen«, sagt er. Christian Rohde denkt kurz nach: »Eigentlich sind wir in Deutschland doch ganz gut aufgestellt.« Und so etwas wie die Vesperkirche zeige ihm, dass es in einer Wohlstandsgesellschaft zum Glück viele Menschen gibt, die sich um die Bedürftigen kümmern. Auch in Oberschwaben!

Christian Rohde ist angekommen in Ravensburg. Er lebt in einem Teilort von Ravensburg in einem Eigenheim, hat eine Familie mit zwei kleinen Kindern und ein Umfeld, in dem er sich als Mensch sehr wohlfühlt. »Einsam zu sein, das wäre für mich besonders schlimm«, sagt er. Einsamkeit und gesellschaftliche Isolation seien häufig Folgen von materieller Armut, weiß Christian Rohde. Gerade deswegen setze er sich für die Ravensburger Vesperkirche ein. Er gehöre zum Glück zu den Menschen, die geben könnten.

Mehr unter: »www.vesperkirche-ravensburg.de

Von Harald Dubyk.