Arbeiten in der Diakonie? – ist doch cool!

Fabienne Eisenmann und Clemens Kirschner sind BA-Studenten in den Zieglerschen. DIakonie ist für die beiden eine echte Alternative zur »Freien Wirtschaft«. Warum das so ist, verraten sie auf Nachfrage.
■ Diakonie – da denken die meisten zuerst an Schwestern der Diakoniestation, die mit ihren weißen Autos unterwegs sind und Menschen zu Hause pflegen. So ging es auch Fabienne Eisenmann. Die 21-Jährige studiert Betriebswirtschaftslehre / Industrie an der »Dualen Hochschule Baden-
Württemberg« in Ravensburg, wie das baden-württembergische Erfolgsmodell »Berufsakademie (BA)« seit März 2009 offiziell heißt. Erklärtes Ziel der 1974 gegründeten Berufsakademien ist es, Theorie und Praxis zu verbinden und die Studierenden bereits früh ins Unternehmen zu integrieren. BA-Studenten werden von ihrem Kooperationsunternehmen bezahlt und wechseln alle drei Monate zwischen Unternehmen und Berufsakademie. Acht BA-Standorte gibt es in ganz Baden-Württemberg, Ravensburg ist einer davon.

Auf der Suche nach einem passenden Partnerunternehmen stieß Fabienne Eisenmann auf die Zieglerschen. »Als ich gehört habe, dass man bei der Diakonie auch studieren kann, habe ich mich erst mal sehr gewundert.« Aus der Verwunderung wurde schnell Begeisterung: Inzwischen arbeitet die Studentin bereits einige Monate bei den Zieglerschen. Und in dieser Zeit hat sie mit einigen Vorurteilen aufgeräumt: »Man denkt immer, dass soziale Unternehmen etwas hinterherhinken. Dass dort ein bisschen die Zeit stehengeblieben ist. Das stimmt aber gar nicht! Auch wir setzen auf moderne Führungsinstrumente oder arbeiten zum Beispiel mit SAP!« Und natürlich braucht ein so großes Unternehmen auch Experten im Kaufmännischen Bereich – oder zumindest welche, die auf dem Weg dorthin sind: wie Fabienne Eisenmann.

Trotzdem – ein paar Unterschiede zum »normalen Unternehmen « gibt es schon: »Obwohl wir in der Verwaltung natürlich nicht direkt mit Patienten und Bewohnern zu tun haben, weht ein anderer Wind bei uns. Wir wissen bei allem, was wir tun, dass nicht Profit und Gewinnmaximierung an oberster Stelle stehen. Sondern dass wir daran mitarbeiten, dass benachteiligte Menschen ein besseres und alltäglicheres Leben führen können. Das ist nochmal eine ganz andere Arbeitsmotivation!«

Diakonie bedeutet in den Zieglerschen aber nicht nur, dass es den betreuten Menschen gut geht – man will auch für die Mitarbeiter da sein. Personalchef Erwin Gresser: »In unserer Branche sind Mitarbeiter das Wertvollste, das wir als Unternehmen haben. Sie sind es, die tagtäglich in direktem Kontakt mit den uns anvertrauten Menschen stehen. Deshalb ist es uns wichtig, motivierte und qualifizierte Mitarbeitende zu finden und uns für sie einzusetzen.« Dieses Engagement spürt auch Studentin Eisenmann: »In der Diakonie zu arbeiten – ich find’s cool! Das ist für mich eine echte Alternative zur ›freien Wirtschaft‹!«

Neben der Holding bzw. dem Dienstleistungszentrum bieten auch das Martinshaus Kleintobel, die Suchtkrankenhilfe und die Behindertenhilfe Stellen für BA-Studenten an.

Von Martin Schwemmle