Anruf bei... Jan Mayer

Jan Mayer, Klassenlehrer an der Schule für Erziehungshilfe am Martinshaus Kleintobel
■ Im Moment bereite ich eine Mathestunde meiner „Asperger“-Klasse vor. Zum Schuljahr 2008/2009 sind zwei neue Schüler in diese Klasse gekommen. Das bedeutet für mich, neue Beziehungen herzustellen und soziale Strukturen dieser Schüler aufzubauen, damit entstehende Konflikte sich leichter beheben lassen. Konflikte und deren Umgang zu trainieren, zeichnen den Alltag von Asperger-Schüler und -Lehrer mit aus.

Das Besondere an Asperger-Schülern sind die Defizite im sozialen Umgang mit Menschen. Dazu kommt, dass die non-verbale Kommunikation wie Mimik
und Gestik bei ihnen selbst wenig bis gar nicht ausgeprägt ist, und bei anderen können sie diese nicht deuten. Auch das Festhalten an Strukturen ist typisch für Menschen mit Asperger-Syndrom, da Struktur gleich Sicherheit bedeutet. Wenn ich im Unterricht kurzfristig den gewohnten Stundenplan ändere, kann dies zu unverhältnismäßigen Reaktionen und Konflikten führen.

Herausfordernd ist auch die große Lärmempfindlichkeit. Manche Schüler reagieren auf das kleinste unbeabsichtigte Nebengeräusch ihres Nachbarn sofort und beschimpfen ihn laut. Meine Asperger-Klasse wird an einem Außenstandort des Martinshauses in Oberallewinden unterrichtet, um den Schülern einen Schutz- und Schonraum vor den Mobbing-Versuchen der Mitschüler zu bieten. Ich halte dies für sehr wichtig, damit meine Schüler konfliktund stressfrei arbeiten und ihre Pausen angstfrei nutzen können.

Die Anruferin war Katharina Stohr