Barrierefreiheit in den Köpfen oder: Gu(c)k hin!

Mit »Gu(c)k hin« haben die Behindertenhilfe der Zieglerschen und Wilhlemsdorfer Geschäftsleute ein in Deutschland einmaliges Projekt zur gebärdenunterstützten Kommunikation auf die Beine gestellt.
■ Sie sind ein echter Hin-Gucker in Wilhelmsdorf: etwa 30 auf 20 Zentimeter große Schilder mit Gebärdenzeichnungen. Seit kurzem sind sie am Rathaus, beim Bäcker, vorm Buchladen, an der Sparkasse, vor der Schule und an rund 100 weiteren Wilhelmsdorfer Gebäuden angebracht. Natürlich auch den Häusern der Zieglerschen Behindertenhilfe. Denn die hat die Idee angestoßen, damit sich Menschen mit Hör-Sprachbehinderung noch besser in Wilhelmsdorf orientieren und möglichst selbstständig am Leben teilhaben können.

Wie es sich für ein neues und in Deutschland einmaliges Projekt gebührt, wurde GU(C)K HIN mit einem Festakt im voll besetzten Bürgersaal der Gemeinde feierlich gestartet. Zu diesem Auftakt, aufgelockert durch das Improtheater Improshnikow und die Schülerband Relax der Heimsonderschule Haslachmühle, kamen neben zahlreichen Geschäftsleuten und Honoratioren der Gemeinde Wilhelmsdorf auch viele Wohngruppen der Behindertenhilfe. »Unsere Bewohner sind begeistert von GU(C)K HIN«, freut sich Werner Dudichum, Projektleiter und Bereichsleiter Wohnen in Wilhelmsdorf. »Es  zeigt sich schon deutlich, dass sie durch die neuen Schilder zur Kommunikation angeregt werden. Und dass jetzt sogar Kinder ohne Behinderungen anfangen, die Gebärden auf den Schildern zu lernen, finde ich sehr gut«.

»Durch den Abbau von Sprachbarrieren wollen wir zur Inklusion behinderter Menschen beitragen«, sagte Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer der Behindertenhilfe, der eine Förderung des Projekts durch die Aktion Mensch beantragt hat. Und: »Wir wollen einen ungezwungenen Umgang mit der Gebärdensprache, die Förderung der Selbstbestimmung und der Persönlichkeitsbildung unserer Bewohner sowie Kontakte in Gemeinde und Nachbarschaft anregen.« Auch für  Wilhelmsdorfs Bürgermeister Dr. Hans Gerstlauer ist GU(C)K HIN ein wichtiges Projekt, das Lücken schließt. »Es ist wichtig«, so Gerstlauer, »Barrierefreiheit in den eigenen Köpfen einzuüben.«

Zusätzlich zu den Schildern gibt es einen Fächer, in dem alle beteiligten Kooperationspartner mit Foto, Adresse, Öffnungszeiten und den dazugehörigen Gebärdenzeichnungen zusammengefasst sind. Als kleinen Dank an alle Beteiligten hatte Behindertenhilfe-Geschäftsführer Sven Lange noch ein besonderes Highlight zu bieten: eine Einladung zu einem Gebärden-Crashkurs mit Bernd Eisenhardt von der Heimsonderschule Haslachmühle. So wird es für die Wilhelmsdorfer Geschäftsleute in Zukunft noch leichter, die Bewohner der Zieglerschen in Gebärdensprache zu begrüßen und mit ihnen ein wenig zu kommunizieren.