Erfolgreich aufgeklärt mit »brutal digital«

Mit dem Fachtag »Herausforderungen der medialen Gegenwart für die reale Zukunft« im Martinshaus Kleintobel wurde die einjährige Veranstaltungsreihe »brutal digital« erfolgreich abgeschlossen.
■ Chancen und Gefahren für Kinder und Jugendliche durch digitale Lebenswelten wie Handy, Internet und PC-Spiele sind im Jahr 2009 auf über 40 Veranstaltungen der Projektinitiative »brutal digital« im Landkreis Ravensburg diskutiert worden. In einer abschließenden Fachveranstaltung am 4. Dezember 2009 im Martinshaus Kleintobel schauten die Initiatoren und Gäste mit Fachvorträgen und einer Talkrunde auf »brutal digital« zurück.

»Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die digitalen Welten von Kindern und Jugendlichen ist durch ›brutal  digital‹ mit großem Erfolg gelungen«, sagte Christian Glage, Fachlicher Geschäftsführer der Jugendhilfe der Zieglerschen, die zusammen mit dem Kreisjugendring Ravensburg zur Abschlussveranstaltung im Martinshaus Kleintobel eingeladen hatte. Das Jugendreferat der Stadt Ravensburg, die Polizei Ravensburg und das Martinshaus hatten »brutal digital« im Jahr 2008 gemeinsam initiiert und mit zwölf weiteren Projektpartnern Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Umgang mit digitalen Medien aufgeklärt. Das im Laufe des Jahres entstandene Netzwerk von Projektbeteiligten solle  am Leben erhalten und weiterhin mit Leben gefüttert werden, sagte Sozialarbeiter Peter Schmitz vom Martinshaus.

Eine große Leinwand in der Mensa des Martinshaues bot folgende Filmszene: Ein Mensch läuft auf der Straße. Ein Gewehrlauf richtet sich auf den Menschen. Das Gewehr erschießt den Menschen. Szenario aus dem meist verkauften PC-Spiel in Deutschland: 750.000 Mal ist es im Jahr 2008 über den Ladentisch gewandert, in 750.000 Kinderzimmern wird Ermorden »gespielt«. »Wir müssen Ideen entwickeln, damit Jugendliche das bekommen, was sie benötigen und damit sie diese Spiele nicht mehr brauchen«, sagte Prof. Franz-Josef Röll von der Hochschule Darmstadt. Den mehr als 100 Besuchern zeigte er in einem Vortrag aber auch andere Seiten der virtuellen Welten auf. Jugendliche würden sich beispielsweise sehr schnell Kompetenzen in der digitalen Technik aneignen und damit zu ganz eigenen Experten werden, die mit ihren Fähigkeiten den Erwachsenen weit voraus seien. Damit sollten sich die Erwachsenen auseinandersetzen.

Möglichkeiten dazu wurden während der mehrstündigen Veranstaltung verschiedentlich beleuchtet und in einer Talkrunde diskutiert: Kinder wahrnehmen, Kinder mit kritischen Blicken ausrüsten oder Schulsozialarbeit und Medienpädagogik ausbauen waren Schlagworte, die immer wieder auftauchten. Sozialdezernent Andreas Köster vom Landratsamt Bodenseekreis etwa stellte die Frage in den Raum, ob es noch eine Selbstverständlichkeit sei, dass Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigten? »Jugendliche gehen in Spielwelten, um zu suchen, wer sie sind.« Dementsprechend sei es wichtig, dass Erwachsene sich herausfordern ließen und den Jugendlichen zeigten, wo sie sich wahrnehmen und entfalten könnten, sagte Professor Röll. »Wir sollten den Jugendlichen Räume geben, die sie selbst kreativ gestalten  und in denen sie ihre Talente entdecken können«, regte Christian Glage an. Und Joachim Sautter, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Ravensburg betonte, dass traditionelle Jugendangebote ein wichtiger Gegenakzent zum Medienkonsum seien.

»Diejenigen, die mit Jugendlichen zu tun haben, müssen sich von pauschalisierenden Theorien verabschieden und sich sehr individuell mit den Jugendlichen beschäftigen, um die es geht«, sagte Moderator Michael C. Hermann,  Jugendexperte und Privatdozent an der Pädagogischen Hochschule Weingarten rückblickend zur Veranstaltung: »Das ist heute auf dieser Tagung deutlich gesagt worden, dass man sozusagen hinter die Jugendlichen, hinter die Mediennutzung des einzelnen Jugendlichen schauen soll: Nähe, Beziehung und intensive Kommunikation scheinen mir hier schon die wesentlichen Aspekte zu sein«, so Hermann.