Lukas Schaude, 20 Jahre: Unser letzter Zivi

Lukas Schaude ist der letzte Zivildienstleistende im Seniorenzentrum »Im Dorf« Bempflingen. Hier macht er »echt gute Erfahrungen«, lernte Vanillekeksebrei lieben und hat seinen Zivildienst gleich mal verlängert
»Das ist heute aber lecker, Lukas!« Die Senioren strahlen den 20-Jährigen an und essen langsam weiter. »Ich habe aufgegeben zu erklären, dass nicht ich das Essen koche«, erklärt Lukas Schaude lächelnd und mit einem Schulterzucken. Er bekommt viel Lob für das Essen, aber auch Kritik. »Die Bewohner sind knallhart. Wenn die Suppe nur drei Minuten zu spät auf dem Tisch steht, dann ist es vorbei«, erzählt erschmunzelnd. Dann schmeckt es aus Prinzip nicht mehr und er muss sie erst motivieren, das Essen doch zu probieren.

Lukas Schaude ist seit Dezember 2010 Zivildienstleistender im Seniorenzentrum »Im Dorf« Bempflingen. Der Erste, den das Seniorenzentrum beschäftigt und gleichzeitig auch der Letzte. Er ist im Bereich Hauswirtschaft und auch als Hausmeister eingesetzt. »Eine Waschmaschine kann ich nicht reparieren, aber Glühbirnen tauschen und kleinere Aufgaben sind natürlich kein Problem.« Auf dem Wohnbereich, den er betreut, wohnen 20 Senioren. Und jeder von ihnen hat seine Eigenheiten, mit denen die Mitarbeitenden des Seniorenzentrums »Im Dorf« täglich umgehen. »Vieles darf man nicht persönlich nehmen«, das hat Lukas schon gelernt. Er ist gut ins Hauswirtschafts-Team integriert, nimmt an den Dienstbesprechungen teil und tauscht sich auch mit den Pflegekräften aus.

Seinen Dienstplan konnte er zu Beginn zusammen mit Hauswirtschaftsleiterin Anja Silberhorn festlegen. Das war dem begeisterten Fußballspieler sehr recht. Damit er selbst mit seiner Mannschaft kicken und außerdem die E-Jugend von Bempflingen trainieren kann, hat er am Montag, Dienstag und Donnerstag Frühschicht von 6.30 bis 15 Uhr. Nur mittwochs und freitags arbeitet er in der Spätschicht von 11 bis 19.30 Uhr. An den Wochenenden, an denen oft Fußballspiele sind, hat er frei. »Das ist wirklich spitze, dass sie auf meine Wünsche eingegangen ist. Bei der anderen Stelle in Tübingen, die ich mir noch angeschaut hatte, wäre das nicht gegangen.«

Der gelernte Bauzeichner hatte im Jahr 2010 seine Fachhochschulreife nachgeholt und dann versucht, sich schnell mustern zu lassen. »Das hat nicht wirklich geklappt, ich habe also zwei Monate Ferien gehabt und dann vier Monate den Tagespflegebus eines anderen Seniorenzentrums gefahren.« Nach seinem Zivildienst im Seniorenzentrum Bempflingen will er Gebäudeklimatik an der Fachhochschule Biberach studieren. »Ich mache hier echt gute Erfahrungen, aber in der Baugeschichte bin ich schon besser aufgehoben.«

Eine seiner Erfahrungen ist die Begegnung mit dem Tod. Kurz nachdem er angefangen hatte, sind zwei Bewohner verstorben. »Das war schon echt krass. Ich hab sie zwar noch nicht lange gekannt, aber…« Lukas hält kurz inne und erzählt gleich weiter: »Sonst sind die Senioren aber echt gut drauf und klopfen auch coole Sprüche.« Ein Beispiel erzählt er gleich. »Komm her!« rief ein Bewohner eine Pflegerin zu sich. »Na, das könnten Sie auch netter sagen«, kommentiertesie. »Komm her, Liebling«, konterte der Senior schlagkräftig und lachte. Auch manch Nützliches lernt Lukas im Seniorenzentrum: »Ich kann jetzt Zwiebackbrei und Vanillekeksbrei zubereiten«, erzählt er lachend. Den Zwiebackbrei empfiehlt er nicht, Vanillekeksbrei dagegen schmeckt sehr gut. Den hat er auch gleich seinem Bruder zubereitet, als diesem die Weisheitszähne entfernt worden waren. Seinen Zivildienst will er auf jeden Fall von sechs auf neun Monate verlängern und bis August 2011 in Bempflingen arbeiten. Den Antrag dazu hat er gerade abgeschickt. »Wir freuen uns sehr, dass unser Zivi bis August bleiben will. Danach werden wir uns nach Freiwilligen innerhalb des Bundesfreiwilligendienstes umschauen«, berichtet Hausleiterin Suzana Tica. Denn es wird immer wichtiger, jungen und auch älteren Menschen Einblicke in den Alltag eines Pflegeheims zu ermöglichen. »Nur so kann man seine eigenen Ängste gegenüber Pflegeheimen abbauen oder die Liebe zu diesem vielseitigen und spannenden Berufsfeld entwickeln.« Zudem bereichern Freiwillige und Ehrenamtliche mit ihrem Engagement den Alltag der Seniorinnen und Senioren. Ihr Einsatz lohnt sich also für alle Seiten.

Von Nicola Philipp