Was ein Geschenk sagen kann

Angedachtes von Pfarrer Friedemann Manz
■ Kann der Ochse dem Esel etwas zu Weihnachten schenken? Er hat doch gar keine Taschen in seinem Fell, in denen er Geld aufbewahren könnte! Und selbst, wenn er irgendwie an Geld käme, haben Sie schon einmal einen Ochsen in einem Geschäft einkaufen sehen? Armer Ochse! Nie wird er dem Esel heimlich in der Christnacht ein schön verpacktes Päckchen neben den Wassertrog legen können.

Da haben wir Menschen es wirklich leichter, an ein Geschenk zu kommen. Aber brauchen wir denn überhaupt Geld, um ein Geschenk zu machen? Es kommt doch beim Schenken gar nicht darauf an, besonders schicke oder genau berechnete Geschenke zu präsentieren. Oder jemandem etwas zu schenken, bloß weil der mir auch etwas geschenkt hat. Das Entscheidende am Schenken ist die Beziehung zwischen zwei Menschen.

Man schenkt etwas, weil man jemandem eine Freude machen will. Das können ganz kleine Dinge sein, von denen man weiß: Darüber freut sich die andere, das tut ihr jetzt in dieser Situation gut. Eine Blume, ein Stück Schokolade oder ein Gedicht. Geschenke können zu Botschaften werden. Ein Geschenk kann sagen: »Wir zwei haben etwas miteinander erlebt. Lass uns weiter Leben teilen.« Oder: »Deine Freundschaft ist mir wichtig!« Oder das Geschenk steht am Anfang einer Freundschaft, da, wo Worte vielleicht schwerfallen: »Mit dir möchte ich in Zukunft mehr zu tun haben – dich möchte ich besser kennenlernen«. Bei solchen Geschenken tritt das Geschenk hinter die Botschaft zurück. Der materielle Wert spielt keine Rolle. Das Drandenken, das liebevolle Aussuchen: Darauf kommt es an.

Die Grundidee des christlichen Schenkens entstand in der Krippe zu Bethlehem. Gott schenkte sich selbst den Menschen in einem Kind. Er schenkte seine Liebe, seine Barmherzigkeit, seine Gerechtigkeit, seine Freundschaft. Alle, die zum Stall kamen, waren tief bewegt von der Begegnung mit diesem lebendigen Gottesgeschenk. Gott schenkte sich vor fast 2000 Jahren und er schenkt sich uns heute.

Der Ochse im Stall zu Bethlehem ist eine gute Erinnerung daran, dass jede und jeder von uns die Möglichkeit hat, Geschenke zu machen, die in keinem Geschäft der Welt zu kaufen sind.

Pfr. Friedemann Manz ist Geschäftsführer des Diakonischen
Werkes Ravensburg.