Warum engagieren wir uns?

Angedachtes von Ina und Walter Ströbele
Der Begriff »Ehrenamt« wird gerade in unserer Zeit stark strapaziert. Das Wort setzt sich zusammen aus »Ehre« und »Amt«, aber das allein ist einfach zu wenig, es sagt nichts über die Arbeit, nichts über die Menschen aus. Wer arbeitet denn schon für die Ehre oder für ein Amt, das sowieso keiner kennt?

Jesus Christus erzählt in Lukas 10,25-37 das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. In den Versen 36-37 fragt Jesus: »Wer von den Dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?« und sein Gegenüber antwortet ihm: »Der ihm geholfen hat«. Dieser Text aus dem Evangelium des Lukas hat auch heute noch Biss. Aber hier wird ganz deutlich, dass der geistliche Impuls ohne die Umsetzung in die Tat leer, schal und unglaubwürdig ist. Ist dieses Gleichnis nicht der Beginn des diakonischen Auftrags?

Warum engagieren wir uns für Menschen mit Behinderung, für Senioren, für Alte, für Kranke, für Jugendliche, kurz: für Menschen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen? Warum engagieren wir uns in Förderkreisen, in Sport- und Musikvereinen, in Kirchengemeinden, in Bürgerinitiativen oder in politischen Parteien? Warum bringen wir uns ein in Angehörigenarbeit?

Am Anfang steht meistens ein prägendes Erlebnis, ein Schicksalsschlag, die Konfrontation mit Leid, mit Ohnmacht. Etwas berührt den Menschen, er fühlt mit, er leidet mit und manchmal entsteht daraus ganz konkretes Handeln. Menschen fangen an, sich für eine bisher unbekannte Situation, Problematik zu interessieren, sie wollen mehr darüber wissen und – weil sie die Randbedingungen stören – manches einfach verändern, ob nun personell oder strukturell, das heißt, sie wollen sich selbst gerade hier einbringen, gerade an dieser neu gefundenen Stelle.

Und trotzdem: Die gleichen Erlebnisse oder Eindrücke führen nicht automatisch zum gleichen Ergebnis, oft nicht einmal zu einem vergleichbaren Engagement. Menschen gehen mit den gleichen Erlebnissen oder Eindrücken manchmal vollkommen anders um. Sie können sich diesen Erlebnissen/Eindrücken auch entziehen, denn jeder Mensch entscheidet selbst, ob er sich irgendwo einbringen will oder nicht.

Politikerinnen und Politiker reden meist von »qualifiziertem Ehrenamt« oder von »Bürgerschaftlichem Engagement« und meinen dabei oft nur die steuerrechtlich relevante »Übungsleiterpauschale« von 2.100 Euro als Freibetrag für Vergütungen. Das greift aber alles viel zu kurz. Ehrenamtliche sind nicht nur Übungsleiter, sondern alle Menschen, die bereit sind, zur Lösung von Problemen sich und ihre Freizeit einzubringen.

Wir engagieren uns beide sehr gerne für die Menschen mit Behinderung, um so diesen Menschen, ihren Angehörigen, den Mitarbeitern und der Einrichtung ein kooperatives und konstruktives Gegenüber zu sein, ihnen zu helfen und manche soziale Härte abzufedern. Der Einsatz im Ehrenamt ist keine Einbahnstraße, denn hier wird nicht nur Zeit und Geld investiert, sondern viel Freude und manches Lächeln empfangen.

Wir möchten daher möglichst viele Angehörige ermuntern, sich mit uns und vielen anderen für die Angehörigenarbeit und für den Förderkreis einzubringen und in der Angehörigenarbeit in seiner ganzen Breite aktiv mitzuarbeiten. Sie können so sich selbst und ihrem behinderten Kind oder Bruder oder Schwester helfen und für die Argumentation egenüber Behörden eine Menge dazulernen.


Ina Ströbele ist schwerpunktmäßig tätig in der Angehörigenarbeit in der Zieglerschen Behindertenhilfe. Ihr Mann, Walter Ströbele, ist schwerpunktmäßig tätig im Förderkreis Behindertenhilfe der Zieglerschen e.V.