Meine Arbeit: Last oder Lust?

Angedachtes von Hannelore Moog
■ Wilhelmsdorf im Sommer. Ein Live-Konzert mit Siegfried Fietz … und ich mittendrin. Da sitze ich und lasse es in mir nachklingen – die Worte und Töne, die Gebärden, die lebendige und heitere Atmosphäre, das Strahlen auf so vielen Gesichtern – und in mir.

„So wunderbar kann Arbeit sein!“

Denn ich bin nicht privat hier, sondern mit einigen Betreuten meiner Wohngruppe. Und sie sind genauso berührt wie ich, gebärden, singen und klatschen mit. Und während ich da sitze und diesem Glücksmoment nachspüre, tauchen in mir plötzlich viele Fragen auf: Warum nehme ich diese Intensität und Qualität meiner Arbeit nicht immer wahr? Ist Arbeit in meinem Leben mehr Last oder mehr Lust? Wie „kreuzt“ die Arbeit mein Leben? Bin ich erfüllt und belebt, wenn ich nach Hause gehe? Klingt die Arbeit freudig in mir nach? Oder „durchkreuzt“ sie mein Leben? Bin ich ausgelaugt, genervt, wütend und unzufrieden?

Ich halte inne – schweige … lausche … und …

Du willst wirklich wissen, wie mein momentaner Blickwinkel aussieht? Also gut. Anfangs habe ich beobachtet, wie du voller Motivation in mich – deine Arbeit – hineingestartet bist. Ich habe dir Spaß gemacht und gab dir Sinn. Immer wieder wolltest du neue Facetten meines Seins erkunden, wie ein neugieriges Kind – es war mir nie langweilig mit dir, dein kreatives Chaos gefiel mir. Aber dann – was war los? Auf einmal bist du mir wie eine launische Diva begegnet: überlastet und gereizt, grüblerisch und kraftlos.

Es gab nur noch wenige Tage der klingenden Leichtigkeit im Umgang mit dir. Ich vermisste das fruchtbare Miteinander und dein fantasievolles, heiteres Gestalten meiner selbst.

Bist du dir eigentlich bewusst, wie wichtig ich für dich bin? Lebenswichtig! Du kannst mich immer wieder neu erschaffen. Du brauchst mich, deine Arbeit – und ich brauche dich. Ohne deine Motivation und dein Mitgehen bin ich verloren – wer soll mich so anpacken wie du? Ja, ich weiß, dass ich dir im Laufe der Jahre einige Herausforderungen gestellt habe. Ich bin manchmal sehr unbequem. Und jedes Jahr will ich mehr von dir.

Aber glaube mir: wenn du es neu mit mir wagst, komme ich dir entgegen! Wir sind doch flexibel! Deshalb meine Bitte an dich: Gehe in Zukunft wieder achtsam und wertschätzend mit mir, deiner Arbeit, um. Um uns herum gibt es genügend abenteuerliche Aufgaben zu bewältigen, bei denen wir uns unterstützen, anregen und weiterentwickeln können. Und das Wichtigste ist die Gewissheit der vorbehaltlosen Liebe Gottes zu uns. Darauf „gründet“ doch unser Miteinander, berührt uns zutiefst und leitet uns in unserer täglichen Arbeit. Jeder von uns ist ein wichtiger Teil des Ganzen.


Oha – das ist also der momentane Blickwinkel „meiner Arbeit“?!

Wie sieht denn der „Ihrer Arbeit“ aus? Haben Sie mal Lust, in sich hineinzuhören? Und wenn Ihnen einige Sätze irgendwie bekannt vorkommen, wundern Sie sich nicht. Sie kommen sicher noch darauf, woraus sie sich herleiten! Oder?

Aber davon an anderer Stelle mehr!