Macht das lebensmutig oder lebensmüde?

Angedachtes von Heiko Bräuning
■ Da steht der kleine Junge auf dem Sprungbrett im Schwimmbad. 7,8 Jahre ist er alt. Er steht da, zitternd vor Kälte und vor Angst und schreit wie am Spieß: „Nein! Nein! Ich will nicht!“ Seine Mutter wartet im Wasser. „Darf ich jetzt duschen? Mir ist kalt.“, bittet er zitternd. Jedes Mal, wenn sein Mutter ihn wieder zum Sprung ermutigt, schreit er wieder: „Nein, nein, ich will nicht!“ Bei genauerem Hinsehen fällt seine Badehose auf. Hellblau, mit einem rot-gelben Abzeichen. „Superman“ ist da zu lesen. Tja, die Badehose hat ihm nichts genützt. Nicht überall, wo Superman drauf steht, ist auch ein Superman drin.

Kleider machen Menschen. Und Klamotten haben unter Jugendlichen einen hohen Stellenwert. Aber sie machen noch nicht lebenstauglich. Was hilft einem Jugendlichen stattdessen zum Leben? Was bestärkt einen jungen Menschen? Was motiviert ihn? Was beflügelt eine 13-Jährige? Was ermutigt sie?

Der Versuch einer Antwort.

30 Millionen Euro gaben Medienagenturen und Verlage aus, um fünf Monate lang für ihre Idee zu werben. „Du bist Deutschland“, hieß die Kampagne und darin wurde zum Beispiel erklärt: „Du bist Max Schmeling. Alle sagen, dass du keine Chance hast. Keiner aus deiner Familie hat es geschafft
zu studieren. Niemand aus deiner Gegend hat jemals erfolgreich ein Geschäft eröffnet. Max Schmeling wurde schon vor dem Kampf zum Verlierer erklärt: in der 12. Runde ging sein Gegner k.o. Der Einzige, der über deinen Weg entscheidet, bist du. Box dich durch und werde ein Champion. Du bist Franz Beckenbauer. Du bist Albert Einstein. Du bist Deutschland. du bist Ludwig Ehrhard. Ob du dein Ziel erreichst, entscheidest du, nicht das Schicksal. Auch du kannst dir dein Wunder erarbeiten. Du bist das Wunder von Deutschland.“ Wundert es noch jemand, warum wir so wenig in Deutschland in den Griff bekommen? (www.du-bist-deutschland.de)

Macht sowas lebensmutig oder eher lebensmüde? Wenn ich entdecke, dass ich nicht das Zeug zur Legende habe? Lebenstauglich und lebenstüchtig wird ein junger Mensch durch wichtigeres und wesentlicheres. Das ist schlicht und einfach der christliche Glaube an Christus, der ein Leben verändern kann, egal wie die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen sind. Warum? Weil hier die zentralen Fragen beantwortet und die größten Defizite behoben werden.

Unsere Lebenswirklichkeit, insbesondere die von Jugendlichen beschreibt der Theologe Professor Oswald Baier treffend so: „Keiner kann dem Zwang entrinnen, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Weil keiner der Frage des andern entrinnen kann: Warum hast du das getan? Was hast du dabei gedacht? Hättest du es nicht auch anders tun können? Vor Gericht kommt nur in besonderer Zuspitzung heraus, was unser ganzes Leben ausmacht. Die Welt des Gerichtes ist keine absolute Sonderwelt, sondern nur ein besonders auffallender Spezialfall dessen, was immer und überall gilt. (…) Diese menschliche Grundbefindlichkeit hat sich in der europäischen Neuzeit in besonderem Maße verschärft und ist zur gnadenlosen Frage und Anklage geworden: Mit welchem Recht gibt es dich überhaupt und gibt es dich nicht vielmehr nicht. Mit welchem Recht bist du so, wie du bist, und nicht vielmehr anders? Unter dem Druck dieser Fragen muss jeder seine Existenzberechtigung unter Beweis stellen. Jeder hat ohne Pardon die totale Beweislast für sein eigenes Seindürfen und Soseindürfen. Sein ganzes Leben lang steht jeder vor einem Dauertribunal, bei dem er zugleich als Angeklagter, Ankläger und Richter agiert. Sein Leben lang sucht er Entschuldigungen dafür, dass er lebt, dass es ihn gibt und nicht vielmehr nicht gibt und dass es ihn so gibt, wie es ihn gibt, und nicht vielmehr anders.“

Der Glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Heiland und Erlöser der Welt, der große Lebensveränderer, hilft Menschen zu Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Weil Christus diesem oben beschriebenen Prozess ein Ende gesetzt hat und dem Glaubenden Freispruch und Freiheit zugesagt hat. Der Mensch spürt in dieser Freiheit, dass er von der höchsten Instanz nicht mehr verurteilt, sondern bedingungslos angenommen ist. Er spürt, dass er so sein darf, wie er ist, ohne Wenn und Aber, und nicht erst bestimmte Kriterien und Bedingungen zu erfüllen hat. Er erfährt, dass Fehler und Schuld vergeben werden können und er muss sich nicht lebenslänglich der Anklage und der Verurteilung durch andere aussetzen. Er erfährt, dass er trotz Schwächen kein Versager, sondern ein einzigartiges, wertvolles und begabtes Geschöpf mit Chancen und Möglichkeiten ist. Und er weiß, dass er nicht Jürgen Klinsmann, Robbie Williams oder sonst einen Namen tragen muss, um für Gott und die Welt ein VIP, eine „very important person“ zu sein, sondern dass Gott ihn bei seinem Namen gerufen hat, weil er ihn so liebt, wie er ist. Liebe meint in der Ursprache des neuen Testaments eigentlich: jemanden wie ein Einzelkind lieben. Der gläubige Mensch darf sich von Gott geliebt wissen, als ob er Gottes Einzelkind wäre. Gottes Fürsorge, Gottes Wohlwollen, Gottes Aufmerksamkeit, Gottes Zuwendung ist ihm so sicher, als ob es für Gott sonst niemanden mehr gäbe! Das könnte man Jugendhilfe nennen, wird aber schon seit immer Menschenliebe genannt!