Licht + Schatten = Glück

Angedachtes von Pfarrer Heiko Bräuning
und Mitarbeiter, die Kundinnen und Kunden und die Freundinnen und Freunde der Zieglerschen! Sie kommen auf den Bildern einfach klasse raus! Und an Frau Stohr: unsere Fotografin. Ich finde, sie hat wirklich alle ins »rechte Licht« gerückt! Es ist eine Herausforderung für Fotografen, mit Licht und Schatten richtig umzugehen! Und nun schauen Sie noch mal genau hin! Sie werden trotz viel Licht auch Schatten erkennen! Und das ist wichtig und richtig so! Licht und Schatten zusammen ergeben Glück. Licht ohne Schatten ist Unglück, das heißt im jüdischen »schlemihl«! Über den fehlenden Schatten bei Peter Schlemihl hat der Dichter Adelbert von Chamisso 1813 eine eindrucksvolle Geschichte verfasst: »Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte«.

Nach einer anstrengenden Seereise lernt Peter Schlemihl den reichen Kaufmann Thomas John kennen, in dessen Garten er einem eigenartigen grauen Herrn begegnet. Dieser bietet ihm, im Tausch gegen seinen Schatten, einen Säckel voller Gold, der nie versiegt. Schlemihl willigt in den Handel ein. Schon bald muss er erkennen, dass dies den Ausschluss aus der menschlichen Gesellschaft bedeutet. Sobald die Menschen merken, dass er keinen Schatten hat, bekommen sie Angst und halten sich von ihm fern oder verspotten ihn. Er reist deshalb über das Gebirge zu einem Badeort und richtet sich dort mit Hilfe seines treuen Dieners Bendel so ein, dass seine Schattenlosigkeit zunächst nicht bemerkt wird. Schließlich verliebt er sich aber in die schöne Mina, und sein Geheimnis wird von seinem zweiten Diener Rascal verraten. Nur wenn er seinen Schatten zurückbekommt, erklärt ihm Minas Vater, darf er Mina heiraten. Da erscheint der graue Mann erneut. Peter Schlemihl fordert seinen Schatten zurück, als sich ihm die wahre Natur des grauen Mannes offenbart: Er ist der Teufel. Und der ist nur dann bereit, Schlemihl den Schatten zurückzugeben, wenn dieser ihm dafür seine Seele überlässt.

Jeder von uns kennt Licht- und Schattenseiten und -zeiten. Und das macht jeden von uns authentisch und sympathisch. Jemand, der immer nur im Lichte glänzen will und seinen Schatten überspielt, der wird in der Gesellschaft zum Außenseiter – so wie Peter Schlemihl. Wertschätzung, Hochachtung und Anerkennung zieht der auf sich, der sich zu seinen Schattenseiten bekennt!

Auch bei den Zieglerschen gibt es Licht- und Schattenseiten. Und das gehört so! Wegen seines Schattens braucht sich keiner zu schämen! Und willkommen sind uns in der Diakonie gerade die Menschen, die ein Schattendasein führen und bei uns wieder ein bisschen lernen, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen! Die Zieglerschen alles in allem – sind Licht und Schatten. Einfach so und so einfach, wie Gott uns gewollt hat!